ich warne dich ernstlich - bedenke die Folgen ! « Baptiste empfing diese Warnung unmittelbar nach seinem Eintritt ins Zimmer , er neigte sein schuldiges Haupt und erwiderte : » Herr Baron , ich komme soeben nach Hause - drüben vor der Tür des Herrn Bankiers Wienand steht wieder der junge Mann - Sie wissen - « » Laß ihn stehen , Baptiste ! « hauchte in ungemein gütigem Ton der Freiherr . » Wir wollen ihn ganz ruhig stehen lassen , lieber Baptiste . Was könnten wir auch sonst mit ihm anfangen , du guter Mensch ? « Und Baptiste zog sich zurück , und Robert Wolf durfte unbelästigt unter den Fenstern Helene Wienands sich die heiße Stirn vom Nachtwind kühlen lassen . Kein von Poppenscher Vasall stürzte sich mit geschwungenem Flamberg auf ihn ; niemand stellte sich ihm hindernd in den Weg , als er endlich den Heimweg seufzend antrat . Von der nächsten Ecke herüber pfiff der Nachtwächter höchst unpoetisch die zwölfte Stunde . Es ist ein Jammer , die ganze Maschinerie der Romantik fällt allgemach auseinander , wir armen Teufel von Erzählern mögen noch soviel mit dem Federbart und dem Ölglase uns mühen : die Räder wollen nicht mehr , die Haken und Hebel sind zerbrochen ; wie lange währt es noch , bis das Ding ganz stillsteht ? An einer andern Straßenecke stand Julius Schminkert im Schein einer Gaslaterne und betrachtete nachdenklich die Stelle , wo demnächst über dem berühmtesten Parfümerie- und Modewarenlager der Welt das Schild prangen sollte mit der Inschrift : J. SCHMINKERT UND KOMP . Mit übereinandergeschlagenen Armen stand der deklamierende Künstler da , trotz seines nahen Glückes düster wie die Nacht . Der Künstler wehrte sich in ihm mit aller Macht gegen den Parfümerieladen , Thalia wollte nicht das mindeste mit Putzsachen und articles de cour zu tun haben . Aber die Würfel waren geworfen . » Gutwillig muß ich untertauchen , oder ich werde mit Gewalt niedergedrückt , Wolf ! « sagte der Schauspieler tragisch , als Robert zu ihm trat . » Wie ich höre , wollen Sie uns morgen verlassen ; ich wünsche Ihnen alles Glück ; Freiheit liebt das Tier der Wüste , frei im Äther herrscht der Gott ; na ja , ich werde einen schönen Hausvater abgeben - Schminkert und Kompanie - o süße Angelika ! Hören Sie , bester Freund , was halten Sie eigentlich von Fräulein Angelika Stibbe , meiner himmlischen Anverlobten ? « Das war nun eine recht verfängliche Frage , und Robert verfing sich auch richtig . Ganz verlegen sagte er : » Ich - ich - würde nicht mit Herrenhandschuhen und Zigarren handeln . « » Jüngling « , rief der Schauspieler , » welch ein Gott legte dir dieses Wort auf die reine , unschuldige Zunge ? Das muß ich sagen , so ganz uneingeweiht in der Menschen Verhältnisse auf Erden scheinst du mir doch von hier nicht abzugehen . Hat dich das der alte Sterngucker gelehrt ? I gucke mal ! ... Kommen Sie , Robert , wir wollen nach Hause wandeln , jeder mit seinem Bündel . Ich weiß , Sie haben auch das Ihrige zu schleppen . « Arm in Arm schritten die beiden jungen Männer nach der Musikantengasse ; Julius Schminkert verstand die Kunst , sich festzuklammern ; wie die andern gab auch er bereitwillig in dieser Nacht seine Ratschläge zum besten , obgleich Robert sie ihm gern geschenkt hätte . Robert Wolf konnte nicht ahnen , wie eng sein Geschick mit dem dieses angenehmen und glücklichen Individuums verknüpft war . Höchst gleichgültig , wenn nicht ein wenig widerlich , war ihm sowohl die schöne Angelika wie der treffliche Julius . Fünfundzwanzigstes Kapitel Zwischen Himmel und Erde ; Stimmen aus der Nähe und aus der Ferne . Sonnenuntergang . - Robert Wolf durchlebt seine letzte Jugendstunde Es zechen die Götter im hohen Olymp , Wir sitzen auf grünendem Hügel ; In der Mitte zumal , Zwischen Äther und Tal , Da wachsen dem Herzen wohl Flügel . Nun drücket den blühenden Kranz auf das Haupt , Und jauchzet : es lebe das Leben ! Und den Göttern sei Heil , Die so wonniglich Teil An Himmel und Erd uns gegeben . Hemm keiner den pochenden Herzschlag der Brust , Wir sitzen in heiliger Runde ; Blickt nicht vor , nicht zurück , Denn das flüchtige Glück , Es haftet ja nur an der Stunde . Und so hebet die Becher ins Abendrot , Gold haltet dem Golde entgegen ; Schlürft die selige Stund , Doch mit lästerndem Mund Nicht reizet das Schicksal verwegen . Und so klinget die vollen Pokale an ; Doch weckt nicht die Götter vermessen ; Denn ihr Neid hat beim Mahl Im olympischen Saal Nur minutenlang uns vergessen . Dieses Lied wurde wirklich zwischen Äther und Tal , auf dem Gipfel eines Berges , beim roten Schein der untergehenden Sonne gesungen und hallte , kräftig , lebensmutig , aber doch mit dem Anklang von Wehmut , welcher fast keiner deutschen Melodie fehlt , durch die Waldtäler , die im üppigsten Grün des Frühlings prangten . Unter dem Gezweig einer knorrigen , kurzstämmigen Hagebuche lagerten die jugendlichen Sänger mit ihren vollen und leeren Flaschen - eine Studentenschar aus der nahe gelegenen Universitätsstadt - und begleiteten ihren Gesang , den Worten des Liedes gemäß , mit dem Klingen der Gläser . Berauschend war der Wein , berauschend das purpurne Licht des Sonnenuntergangs , berauschend war der Waldduft , der Duft der Tannen , welcher aus der Tiefe aufstieg , berauschend war aber auch der Duft des wilden Thymians auf der Höhe . Im Kreise lagerten die Musensöhne um den Vorsänger , welcher kein anderer als unser Freund Robert Wolf , der Schüler des Sternsehers Heinrich Ulexius , der Schützling des Polizeischreibers Fritz Fiebiger , war . Zwei Jahre sind vergangen , seit wir ihn zum letztenmal Arm in Arm mit Julius Schminkert in den Gassen der Stadt erblickten ; wir finden ihn nicht