zartere Frauenempfindungen wenig kümmerte , daß somit Ursula ohne ihr Wissen zur Theilnehmerin einer öffentlichen Darstellung gemacht ward , als auch , daß es eine Ueberraschung für sie sein sollte , ihr ersehntes Glück so plötzlich und ungeahnt zu empfangen - ja Kunz verlangte , sie solle auch bis dahin Stephan gar nicht sehen und im Ungewissen über seine Treue gelassen werden , um dann in ihm mit einem um so glänzenderen Lohn der ihrigen überrascht zu werden . Allein die feiner fühlende Elisabeth drang in Stephan , Ursula wenigstens aus dem qualvollen Zustand zu reißen , in dem sie sich befand , seit sie von seiner Rückkehr wußte , ohne ihn gesehen zu haben , und in dem sie an ihn verzweifeln mußte . Und so eilte er heimlich zu ihr , sobald es geschehen konnte , gab ihr neues Leben und neue Hoffnung , ohne die ihr zugedachte Ueberraschung ihr zu verrathen . Lag in dieser plötzlichen Entscheidung auf dem Maskenfest immerhin etwas Gewaltsames , so hatte sie doch gerade für Ursula das Gute , dadurch , daß sie ihr selbst ganz unvorbereitet kam , sie aller Bedenklichkeit überhoben zu haben und auch ihrem Vater gegenüber vor allen Vorwürfen geschützt zu sein , die sie etwa verdient hätte , wenn sie ihm gegenüber in ein solch ' heimliches Complot sich eingelassen . Im Grunde war auch Gabriel Muffel mit der Entscheidung ganz zufrieden , da sie der König herbeigeführt hatte , und dem Vater nichts übrig blieb , als zu gehorchen . Durch diese persönliche Theilnahme des Fürsten am Geschick Ursula ' s war ja auch ihr Vater geehrt , und keiner der Rathsherren konnte sich rühmen , eine größere Ehre erfahren zu haben . Er war dadurch gewissermaßen an Allen gerächt , die ihm noch immer durch schnöde Zurücksetzungen die That und das Geschick seines Vaters wollten entgelten lassen . Der reiche und stolzangesehene Stephan Tucher war ihm ein ganz erwünschter Eidam - nur mochte er ihn nicht durch eine Demüthigung vor seinem hochfahrenden Geschlechte erringen noch die Geringschätzung seines Vaters ertragen und sich nachsagen lassen , daß er ihm selbst die Tochter verkuppelt gegen den Willen seiner Familie . Nun waren mit Eins alle diese Bedenken weggefallen , der alte Loosunger mußte auch gute Miene zum bösen Spiele machen , und Gabriel Muffel durfte sich freuen , seine einzige Tochter glücklich zu sehen , um die er jetzt immer bekümmert gewesen , wenn er ihr selbst auch oft gezürnt hatte , daß sie - unglücklich war . So war es Ursula nun , als sei sie aus einem bösen Traum erwacht , als sei eine lange finstere Nacht vergangen und umspiele sie nur ein rosiger Sonnentag . In ihrem Herzen , im Hause überall sah sie nur Friede und Freude , wo vorher nichts als Kampf und Schmerz gewesen . Stephan bekannte ihr , daß er die Nachricht von ihrem Entschluß in ' s Kloster zu gehen , geglaubt und daß er versucht habe , sie in den Armen einer verbuhlten Wienerin zu vergessen - und über diese , wie über andere seiner Verirrungen leicht hinweggehend , machte er nicht nur Ursula sondern auch sich selbst glauben , daß er im Grunde seines Herzens ihr doch so treu gewesen , wie sie ihm - die keinen Augenblick aufgehört hatte an ihn zu denken und für ihn zu beten . Ursula glaubte und vergab , und war selig in ihrer Liebe - sie hatte ja den Theuern wieder und war am Ziel ihrer kühnsten Wünsche . So kam der Hochzeitstag heran . Es war ein milder Februartag . Schon einige Tage vorher war der Schnee geschmolzen , und wenn es auch über Nacht wieder fror , so schien doch die Sonne schon warm und hell herab , als freue sie sich selbst über den glänzenden Hochzeitstag , dem sie zur herrlichen Sebaldskirche leuchtete . Dergleichen war auch in Nürnberg noch nicht gesehen , wenn schon es immer viel von prächtigen und absonderlichen Aufzügen voraus hatte . Voran schritten die glänzend geputzten Ceremonienmeister und Stadtmilizen , die dann außerhalb der Kirche ein Spalier bildeten , dem Zuge Platz zu machen . Dann kamen zwölf Jungfrauen aus den edelsten Geschlechtern Nürnbergs , die beiden Schwestern Pirkheimer , Beatrix Imhof und Andere - sie waren die Brautjungfern der Braut und trugen ihr brennende schön bemalte Wachskerzen vor . Ihnen folgte die Braut im reichsten Schmucke , den Stephan ' s Prachtliebe ihr gesendet ; sittsam und bescheiden schritt sie einher , nur wissend , wie glücklich und geehrt , aber nicht wie schön und bewundert sie war . Ihren langen Schleppenmantel von schwerer weißer Seide mit Silber gestickt trugen Edelknaben , die ihr der Kaiser selbst gesendet , und ihre Hand ruhte in der des erlauchten Grafen Eberhard von Würtemberg . Mit warmer Leutseligkeit blickte der hohe Herr zu der zarten Jungfrau herab , und ein befriedigtes Lächeln ward trotz seines großen dunklen Bartes , der ihm den Beinamen gab , bemerkbar . Viel wohler war ihm so bei einem bürgerlichen Familienfeste , das wirklich wenigstens zwei glückliche Herzen selig begingen und das seine Theilnahme ehrte , als bei prunkenden Hof-und Siegesfesten , die oft dem Volke nur Thränen kosteten oder mit seinem Blute erkauft waren . Dann kam der stattliche Bräutigam Stephan in flimmernder Rüstung , den König Max noch vor wenig Tagen gleich seinem Wirth Herrn Christoph Scheurl öffentlich zum Ritter geschlagen und ihnen so die Adelswürde verliehen , die Stephan ' s Vater zwar schon für seine gedruckte Reisebeschreibung über den Orient erhalten hatte , aber doch nur für sich allein , während sie jetzt Stephan und Scheurl auch für ihre Nachkommen erhielten . Ihn geleitete Kurfürst Friedrich der Weise von Sachsen , der immer bereit Frieden und Freude zu stiften und das Gute zu fördern , wo er es konnte , auch Stephan mit dem anfänglich grollenden Vater versöhnt hatte und nun durch seine persönliche Theilnahme , als wahrer Freund des Hauses sich zeigte , das