Weder der Major , noch die mit ihrem Kinde zärtlich beschäftigte Dame bemerkten die Stöße und Knüffe , welche die beiden größeren der erwachten Kinder von dem Weibe erhielten und wie sie sich heimlich wieder in Schlaf weinten . Die junge Mutter ging mit dem beruhigten Kleinen durch die Stube auf und nieder und legte es dann zurück in sein Bettechen . Zufällig siel ihr Auge auf die Milchflasche , und ehe es noch die Frau hindern konnte , nahm sie dieselbe in die Hand , zog den Pfropfen heraus und goß einige Tropfen aus die Hand . Ein widerwärtiger Dunst quoll ihr aus der geöffneten Flasche entgegen , wie von saurer verdorbener Milch , mit scharfem Alkohol geschwängert . » Um Gott , Frau , was haben Sie da ? was ist das für Milch ? Ferdinand , ich bitte Dich ! « Der Major nahm ihr die Flasche aus der Hand und probirte einige Tropfen . » Da ist ja Branntwein darunter , Frau ! ? « » Nu freilich , een Tröpschen ; was schad ' ts denn ? die Kinder schlafen dann desto besser . Es ist halt nur für die Nachtruh ' . « » Aber Frau , Sie werden doch einem kaum entwöhnten Säugling nicht das schändliche Getränk geben ? « » I Gott bewahre , Gnädige , das ist nur da für die gemeinen Krabben , die sonst gar nicht stille zu kriegen sind . Das Engelchen schläft ganz von selber und kriegt die allerfrischeste Milch , wie sie nur der Charlottenburger Milchmann früh bringt . Der Kleine könnt ' s bei Ihnen selber nicht so gut haben , wie bei mir . « Die Verlegenheit des Weibes , das rothe Gesicht des Kindes hätten freilich bei einer erfahrenen Mutter böse Zweifel gegen die Ableugnung erweckt . Die junge Dame warf sich in die Arme des Mannes . » Führe mich fort , Ferdinand ; diese Lust , dies Alles erstickt mich . O , wie bin ich so gränzenlos unglücklich ! « Der Major gab der Frau Geld und befahl ihr auf das Strengste an , dem Kinde nur die reinste Nahrung zu reichen , und sagte , daß er alle Woche einen Arzt hierher senden werde , um sich von dem Zustande desselben zu überzeugen . Das Weib betheuerte und versprach alles Mögliche , und geleitete so das Paar durch den Hausflur zurück auf die Straße . Dam - allein - schlug sie verächtlich ein Schnippchen hinter ihnen drein , steckte dem Kinde in der Wiege wie zum Trotz die entsetzliche Flasche in den Mund , und als sie den nächtlichen Besuch weit genug entfernt glaubte , löschte sie rasch die Lampe und eilte auf ' s Neue zu ihrem Gelage , ohne das kranke wimmernde Kind im Vorderkeller auch nur eines Gedankens zu würdigen . - Leise weinend schritt indeß die junge Mutter neben dem Major her , der vergeblich sie zu beruhigen und zu trösten suchte . » Du hast es selbst gewollt , Marie ; das Kind war auf dem Lande gut aufgehoben bei der armen Frau , aber Du bestandest darauf , es in Deiner Nähe zu haben , um es wenigstens hin und wieder sehen zu können . Ich habe mich nach verschiedenen Haltefrauen erkundigt , aber man rühmte mir diese immer noch als eine der zuverlässigeren . Bei vielen andern waren wir auch weniger vor Entdeckung sicher . Ueberdies bürgt uns der eigene Vortheil dieser Person dafür , daß sie dem Kinde die möglichste Sorgfalt widmet ; Du hörtest selbst , daß es ihr bestes ist . An andern Orten ist es vielleicht noch schlimmer aufgehoben . « Aller Trost nutzte Nichts ; er mußte ihr versprechen , sobald als möglich für das Kind einen andern bessern Ort zu ermitteln , es wieder auf das Land zurückzubringen , indem sie lieber darauf verzichten wolle , es zu sehen . Der Major versprach Alles , nur um die Erregte zu beruhigen . So brachte er sie wieder zurück zu dem Garten und nach weiteren Verabredungen für die nächste Zusammenkunft , wozu Gelegenheit ihnen durch die obwaltenden Verhältnisse nur sehr selten gegönnt war , bis zu dem Hause . » Und nun leb ' wohl , Marie , sei stark und muthig , wir werden sicher noch alle Hindernisse besiegen ; vertraue auf meine Kraft , nur mache Dich los von den Vorurtheilen , die Dich noch mit hundert Banden gefesselt halten . - Zum Henker , « unterbrach er sich , indem er mit der Hand im Epheugeländer umhersuchte , » wo steckt denn die Leiter ? « » Sie wird nicht nöthig sein , « sagte eine tiefe Stimme hinter ihnen ; » ich werde die Comtesse , meine Tochter , auf einem passenderen Wege nach ihrem Zimmer geleiten . « Das Paar fuhr wie vom Blitzstrahl getroffen auseinander . Zwischen ihnen stand ruhig und gemessen ein großer stattlicher Mann mit breiter Brust und grauen Haaren . Das Sternenlicht der Sommernacht ließ freilich die Züge nicht erkennen , aber Jedes der Beiden wußte , wen es vor sich hatte . Der Major faßte sich alsbald , während die junge Dame halb ohnmächtig an der Wand lehnte . » Herr Graf , « sagte er , » es ist eine peinliche Situation , in der ich Ihnen in diesem Augenblick gegenüberstehen muß . Erlauben Sie , daß ich Ihnen morgen früh eine Rechtfertigung gebe , wie sie unter Männern von Ehre nöthig ist . « » Bemühen Sie sich nicht , mein Herr - der Zufall und Schlaflosigkeit haben mich hinter die nächtlichen Promenaden dieser jungen Dame gebracht , und ich werde sie künftig zu verhindern wissen , eben so wie alle unpassenden Liebschaften . Weiter weiß ich Nichts und will Nichts wissen . Gute Nacht , mein Herr . « » Herr Graf , ich bitte Sie - hören Sie mich an ... « » Mein Herr , zwingen Sie mich nicht , die Bedienten