Ein Mirabeau hate einmal den Muth . Er sprach es aus , daß man einem Dummkopf nicht das Recht lassen dürfe , dem genialsten Mann Frankreichs mit einem Stück Blei seinen Kopf zu zerschmettern . - Die Revolution ist überwunden und die Dummköpfe haben wieder ihr Recht . « » Aber um Gottes Willen , es muß doch Mittel geben - « » Ein Cäsar Borgia würde freilich in solchem Fall Mittel finden ; auch haben sehr kluge Köpfe sich dadurch der Welt erhalten , die allerdings mehr von ihrem Ingenium profitirt hat , als von zehn Haudegen , welche die Weinhäuser mit ihren Radomontaden erfüllen . Indessen , wir sind keine Borgias und das neunzehnte Jahrhundert verträgt keine Stilets und Banditen . « » Aber es muß seine edelsten Männer schützen . Es giebt auch andere Mittel , eine höhere Polizei , eine Justiz . Bovillard der Vater muß es erfahren , er muß endlich etwas thun , dem Unwesen seines Sohnes zu steuern . Der König selbst ist entsetzt über diese blutigen Raufereien - « Der Gast hatte ihren Arm ergriffen : » Um des Himmels willen , meine gütigste Freundin , soll ich bereuen , daß ich im Vertrauen die Lippen öffnete ? Es war Alles Scherz - « » Nein , es ist Ernst . « » Wenn Sie dem Dinge den Namen gönnen , so beschwöre ich Sie , kein Sterbenswörtchen davon ! Sie werden mich verstehen . Was ist das Leben ? Eine Anweisung auf Geltung . Wird dieser Wechsel zurückgewiesen , was bleibt uns davon ! Wer mag der Lebensluft , in der wir nur athmen können , den Rücken kehren ! Ich rechne also auf Ihre Diskretion . Jedes Wörtchen , jeder Wink könnte von meinen Feinden anders gedeutet werden . Es ist ja auch möglich , daß der junge Mann sich eines Besseren besinnt . Ach Gott , der Möglichkeiten sind so viele , daß ich es aufrichtig bereue , Sie nur einen Augenblick geängstigt zu haben . Keinenfalls darf die Vorstellung Ihre Heiterkeit stören . Meine soll es wenigstens gewiß nicht , denn ich freue mich aufrichtig , den neuen Abgott der Residenz kennen zu lernen . « » Sie kennen Jean Paul nicht ? « » Ich begegnete ihm wohl irgendwo . « Die Geheimräthin sah etwas verlegen vor sich hin : » Ich hoffe Sie disapprobiren nicht - « » Was sich versteht in Credit zu setzen . Der Werth eines Staatsmannes , meine Freundin , und der eines Dichters , was sind sie an und für sich , es kommt allein ihr Courswerth in Betrachtung , gleichviel , ob der Dichter ihn sich selbst gemacht , oder Andere so gütig waren . A propos , da kann ich Ihnen eine Neuigkeit mittheilen . Bei Hofe ist eine lebhafte Intrigue . Nachdem es nicht gelungen Schillern hier zu fesseln , versucht man Herrn Richter uns einzuimpfen . Die Parteien sind getheilt . Ihre Majestät die Königin wünscht ihm eine Präbende zuzuwenden . Beim König fürchtet man auf Schwierigkeiten zu stoßen . Um deßwillen spielen alle Maschinen . Der Berg läuft von Diesem zu Jenem . Herr Jean Paul soll von der allgemeinen Gunst gehoben und getragen werden , bis er dem Throne so ins Auge gerückt ist , daß Seine Majestät sich zu einer Auszeichnung gleichsam gezwungen fühlen . Daher werden die Kunstgärtner bis zum Exceß um ihre seltenen Blumen geplündert , daher die Damendeputation an den neuen Frauenlob . Die Königin lüde ihn gern selbst ein , aber er muß erst gewisse Leiterstufen der Einladung durchgemacht haben , bis das in einem petit circle möglich ist . Man ist daher auch sehr zufrieden mit den Arrangements unserer theuren Freundin , und die Stufe der Ehre , die Sie ihm heut erweisen - « » Mein Gott , wie kann man wissen - « » Man weiß Alles . Aber bedenken Sie wohl , daß die Gunst der Königin nicht jedesmal zur Gunst Seiner Majestät führt . Er ist kein Freund der Abgötterei . Doch qu ' importe , aber hüten Sie sich , daß unsere Schönheit hier , wenn sie ihm den Lorbeerkranz auf die Schläfe drückt , nicht zu tief ins Auge des Dichters sieht . Man fand zwar , er wäre in alle Huldinnen Berlins verliebt , und in seinen Entzückungen weiß er nur noch nicht , welcher er das Tuch zuwerfen soll ; aber nur nicht unserer Adelheid ! Ihre Natur ist zu schön , um sie mit einem Dichter zu verträumen . Au revoir ! « Der Legationsrath ließ die Geheimräthin in einem Meere von Gedanken . Sie passten nicht alle zu dem Fest des heutigen Abends und schienen ihre Lust etwas zu trüben . Fünfundzwanzigstes Kapitel . Mars mit dem Zopf . Eine Gesellschaft , zur Zeit als Gesellschaften die Blüthe des geistigen Lebens repräsentirten , mag man mit einem Sonnensystem vergleichen . Wenn aber viele Sonnen mit gleichen Ansprüchen da sind , kann sie uns wie ein Universum erscheinen , das , nicht fertig , noch nach einem Centralpunkt sucht . Ein solches meteorisches Wogen ist für Viele unbehaglich , für den Beobachter interessant , für den Maler aufzufassen unmöglich . Er muß sich mit Segmenten genügen lassen . Die Wirthin wäre gern die Sonne gewesen . Aber eine Sonne muß nicht allein scheinen und leuchten , sie muß auch wärmen . Sie war eine Frau von Verstand und selbst Witz , eine Erscheinung , die nicht ohne Eindruck blieb , aber es war nicht der Verstand und Witz , der fesselt , nicht die Erscheinung , die zugleich imponirt und anzieht . Sie durchdrang die Gespräche , sie wusste sie zu leiten , abzubrechen , aber ihnen nicht den Hauch und die Färbung zu geben , daß sie sich von selbst fortspannen . Sie war die liebenswürdige Wirthin , die für Jeden etwas Angenehmes in Bereitschaft hatte , aber es schien so spitz zugeschnitten , daß die Oekonomie dem Geschmeichelten