doch Eins gemein , Eins , das Gefühl der Brüderlichkeit , so misbraucht es auch wird und so lästig es dem sein muß , der das Zeichen dem erwidern soll , der ihm gleich beim ersten Blicke misfällt . Aber was führt die Männer , die sich gefallen sollten , zusammen ? Wer läßt den Geist den Geist erkennen ? Was kürzt uns durch einen einzigen Blick den langen Umweg ab , den wir brauchen , um die , die uns gleichgesinnt sind , erst zu erkennen - ach , wo anders erkennen wir uns , als ... auf dem Schlachtfelde ..... in den Gefängnissen ... im Grabe ! Dankmar blickte auf . Der Knabe hatte noch einmal zu ihm herübergeschaut wie mit traurigem Vorwurfe ... Um sich einem Anblick zu entziehen , der ihn zu heftig bewegte , trat Dankmar zurück und warf sich ins Gras unter einem Haselstrauche , den die dichten Zweige der etwas entfernteren Eiche noch beschatteten ... Er spann die Gedankenreihe aus , in der wir ihn schon so oft , am meisten nach Schlurck ' s Äußerungen über den Reubund , belauscht haben und die , das merken wir nun wol , mit seinem glücklichen Funde in Angerode zusammenhing . Er vergegenwärtigte sich die alten Zeiten , wo das Christenthum ganz allein die Stelle solcher neuernden Begriffe vertrat , wie sie jetzt die Menschheit beherrschen . Er sah die damalige Bildung , die christliche , da nicht dem Zufalle preisgegeben , sondern in der Obhut eines gewissen gegliederten Kastengeistes , den sogleich die Verbrüderungen , die Herbergen , die Agapen und dann die Mönchsorden vertraten . In den Ritterorden erblickte er dann die Beseitigung der Gefahren , die das alleinige Vorrecht des geistlichen Standes an der Verwaltung der Ideen mit sich bringen konnte , wenn es ausschließlich wurde . Die Orden waren Jedem zugänglich , selbst Ungelehrten und unadlig Gebornen . Wenn er dann die rege Betriebsamkeit eines gemeinschaftlichen Wirkens und die sichere Anlehnung an Gleichgesinnte , die man durch äußere Kennzeichen in der ganzen damaligen christlichen Welt antreffen konnte , bewundern mußte , so flößte ihm vollends die feine und durchdachte Gliederung besonders des späteren Jesuitenordens als Form , als kunstmäßig angelegter Bund , die größte Achtung ein ... Warum geht bei uns Alles so in der Irre ! dachte er sich . Warum gruppirt man sich nur in losen Vereinen ohne Form und dauernde Haltung ! Warum verschwört man sich nur blindlings mit abenteuerlichen , leicht enthüllten Masken ... Wer uns eine Stiftung brächte , die unabhängig von jeder zunächst auf der Tagesordnung stehenden Frage nur die Verständigung über sie im Allgemeinen , die Einigung über die ersten Grundsätze erleichterte ! Wer uns etwas ersänne , das wie ein elektrischer Schlag Jeden träfe , der mit uns in einem geistigen Rapport steht und uns dann immerhin so ganz zufällig begegnete ! ... Man würde sich gleich erkennen . Wie würde man seine Erfahrungen austauschen , wie würde man sich zu einem geordneten , sicheren System des Handelns rascher vereinigen ! So viel Verstand und keine Verständigung ! Und wenn sich Dankmar dann gestehen mußte , daß alle die , die etwas Großes in dieser materiellen Welt dauernd behaupten wollen , Mittel besitzen müssen , um die Zweifelnden und Lässigen zu ermuntern und das Beispiel der Entbehrung , das so Mancher in seiner Großherzigkeit giebt , für die Andern auch nicht gar zu abschreckend zu machen , so gedachte er der Papiere , die er in jenem Schreine gefunden hatte . Eine alte Überlieferung seiner einst angesehenen Familie hatte sich plötzlich in eine mit Händen zu greifende Wahrheit verwandelt . Die Vergangenheit ragte in die Gegenwart mit Wurzeln herein , die in einem gesitteten Rechtsstaate wirklich noch festen Boden gewinnen , keimen , ausschlagen , blühen konnten . Er hatte die Mittel in Händen , einer seit zwei Jahrhunderten schwebenden Verhandlung über ein immer größer angewachsenes Vermögen von Häusern und Grundbesitzungen eine neue Diversion zu geben , die sich auf die Annahme gründete : Wenn der Staat begonnen hat , jene Verlassenschaft , die Jahrhunderte lang gleichsam herrenlos war , für sich in Anspruch zu nehmen und den gegenwärtigen Nutznießern zu entziehen , warum kann sich nicht mit den sichersten und festbeglaubigten Urkunden ein Mitkämpfer um das gleiche Ziel ihm zur Seite stellen und Alles das , was Jener zur Begründung seiner Ansprüche mühsam und aus Zwangssätzen der Gewalt zusammenstellt , mit weit größerem Fug und Recht aus verbrieften historischen Thatsachen herleiten ? Wer weiß , fuhr er innerlichst zu erwägen fort , ob in jenem Processe , dessen inneres Getriebe mir bald kein Geheimniß mehr sein soll , nicht Assertionen genug vorkommen , die mir unbewußt über das , was noch sonst dem eingebildeten Entwickelungsgange dieses Processes einen plötzlichen Umschlag geben könnte , meinen Wettlauf mit dem Staate und jener großen mächtigen , von Schlurck vertheidigten Commune erleichtern ? Und so gewaltig ergriff ihn jetzt die Aufgabe , die er sich gestellt hatte und die er nicht zu seinem Vortheil , sondern in der That zur Durchführung einer großen socialen Idee lösen wollte , daß ihn nun eine namenlose Angst überfiel , welches Schicksal die in Schlurck ' s Händen befindlichen Papiere treffen könnte ... Mit dem Entschlusse , jetzt unmittelbar nach der Residenz zurückzueilen , sprang er auf , warf , um nicht gefesselt zu werden , keinen Blick mehr nach dem grünen Plane und dem Jägerhause zurück , sondern lief fast mit beflügelter Eile denselben Weg zurück , den er eben neben dem Knaben so gemüthlich geschlendert war ... Bello konnte auf seinem lahmen Beine kaum folgen . Dankmar rief , feuerte ihn an und trieb zur Eile .... Da grüßte ihn ein freundliches Wort aus dem Busch . Ein Bekannter hielt ihn an , der eben aus einem Seitenwege des Waldes trat und plötzlich , ihn fast erschreckend , vor ihm stand . Es war der Jäger Heunisch . Drittes Capitel Das Jägerhaus Heunisch , die Büchse auf dem