ihn bald in Carolinen ' s Stube führte . Sie ging dem Kaplan entgegen , der ihre Hand mit einer schlechtverhehlten Zärtlichkeit küßte . Dann nahmen sie nebeneinander Platz und Ruhberg sagte : Ich fürchte , verehrte Freundin , daß die Augenblicke , die ich heute bei Ihnen verweilen darf , uns zugezählt sind . Irre ich nicht , so ist Herr von Reichenbach zu Hause und Sie wissen , wie ich es gern vermeide , ihm zu begegnen , wie nur die innigste Theilnahme für Sie mich veranlassen kann , Ihr Haus zu besuchen , das zugleich das seine ist . O , ich weiß es , rief Caroline ; ich weiß , daß er Sie absichtlich kränkt , weil er mich dadurch tief verwundet . Er will mich von Allem trennen , was mir werth ist , er will mich ganz elend machen , damit ich den Zustand unerträglich finde , damit ich die Scheidung verlange , die er ersehnt . Aber so lange Sie mir bleiben , bleibe ich standhaft . Ihr Beistand soll mir den Muth und die Ausdauer geben , mich fest und beharrlich im Guten zu zeigen . Wohl mir , wenn ich dazu die Fähigkeit hätte , denn ich fürchte , Ihnen stehen harte Proben bevor , sagte Ruhberg . Nicht von mir ist es , daß Herr von Reichenbach Sie zu entfernen wünscht . Was ist dem stolzen Manne der unbedeutende Priester ? Was kann es ihn kümmern , ob seine Gemahlin denselben bei sich sieht , da er selbst sie kaum seiner Beachtung würdigt ? Nur als Diener der Kirche fürchtet er mich ; die geistige Pflege will er Ihnen entziehen , denn er haßt den Katholicismus und möchte Sie demselben entfremden . Das ist es , was meine Besorgniß erregt , und davor möchte ich Sie bewahren . Wie wenig kennen Sie Alfred , sagte Caroline , wenn Sie glauben , daß er daran denkt , mich der Kirche abwendig zu machen ! Seine Gleichgültigkeit gegen die Religion - Ist in Haß übergegangen , unterbrach sie Ruhberg , seit die Satzungen der Kirche sich als unübersteigliche Scheidewand zwischen ihn und seine unerlaubte Neigung stellen . Trauen Sie meinen Worten und dem Urtheil unserer Freunde , die ihn beobachten . Es ist Alles nicht so , wie es sein sollte , und während er Sie auf jede Weise beschränkt , überläßt er selbst sich einem Leben , das hart gegen die heiligen Pflichten der Ehe verstößt , die wahre , christliche Ehe vernichtet . Was meinen Sie damit ? fragte Caroline erglühend . Was anders als das Verhältniß , welches Ihnen so gerechten Kummer macht ! entgegnete Ruhberg mit merklicher Zurückhaltung . Nein ! nein ! sagte Caroline , das ist es nicht , Sie wissen mehr , Sie verschweigen mir etwas . Bei Ihrem Amte , bei der Pflicht des Seelsorgers beschwöre ich Sie , mich nicht in Zweifel zu lassen . Ich bin auf Alles gefaßt , was mir bevorsteht , aber die Ungewißheit ertrage ich nicht . Und wenn ich Ihre Bitten aus übergroßer Schwäche für Sie erfülle , was bürgt mir dafür , daß Sie schweigen , daß der gerechte Unmuth der beleidigten Ehefrau Sie nicht hinreißt , das Vertrauen zu verrathen , das ich Ihnen beweise ? Der heiligste Eid , wenn Sie ihn fordern . Gut , sagte der Kaplan , so hören Sie denn , daß Herr von Reichenbach ein neues Verhältniß mit einer Schauspielerin angeknüpft hat , die früher die Freundin des Präsidenten war . Er besucht Fräulein von Brand nicht mehr , aber er bringt seine Zeit bei der Schauspielerin Sophie Harcourt zu , und so innig und ganz ausfüllend müssen die gegenseitigen Beziehungen sein , daß sie ihren Abschied von der Bühne verlangt hat , vermuthlich um ausschließlich sich und ihrer Liebe zu leben . O , unerhört , unerhört ! rief Caroline und stand auf , um in das Zimmer ihres Mannes zu eilen . Der Kaplan hielt sie zurück . Wo wollen Sie hin ? fragte er . Zu ihm ! Ist das die Mäßigung , die Ruhe , die ich forderte ? Halten Sie so Ihr Versprechen ? Ich muß ihn sehen , ich muß ihm seine Treulosigkeit vorhalten ! rief Caroline . Haben Sie persönlich Beweise dafür ? fragte der Kaplan , oder wollen Sie ihm sagen , daß Sie mich gesehen , daß Sie mir die Nachricht verdanken ? Es wäre ein schlechter Lohn für die Dienste , die ich Ihnen leiste in einer Zeit , in der mich tausend neue Pflichten in Anspruch nehmen , denn es scheint im Rathe des Himmels beschlossen zu sein , daß mir die verantwortungsvolle Würde unseres verstorbenen Freundes auferlegt wird . Caroline hörte seine letzten Worte nicht . Ja ! sagte sie , ich selbst muß mich davon überzeugen , ich muß selbst Beweise haben für seine Untreue , dann - Nun und was dann ? fragte der Kaplan . Sie wollte sprechen , hielt aber das Wort zurück und Ruhberg ergänzte für sie : Dann werden Sie , schwergeprüfte Freundin , sich berechtigt glauben , den Ehebund zu lösen , der Sie so unglücklich macht , und frei sein , sich selbst und Ihren Ueberzeugungen zu leben . Das sagen Sie , Herr Kaplan ! rief Caroline , Sie , der Sie mir die Scheidung stets als eine Sünde vorgehalten haben ? Sie , der mich fast gezwungen hat , nicht einzuwilligen , als ich auf des Domherrn Rath geneigt war , auf den Willen meines Mannes einzugehen ? Damals hielt ich es für möglich , den Frieden Ihrer Ehe herzustellen , damals glaubte ich an eine Rückkehr Ihres Herrn Gemahls zu seiner Pflicht ; aber diese Zuversicht habe ich lange schon verloren , meinte mit bedauerndem Tone der Kaplan . Da sah ihn Caroline forschend an und sagte : Sie hassen meinen Mann , Herr Kaplan , das weiß ich , und er hat es kaum besser