und Stock vom gleichen Stücke wären , was freilich nicht immer der Fall ist , wie es bei Wäschen an den langen Seilen zu sehen . Es ist halt in allen irdischen Dingen gerne Bschiß . Aber das bin ich überzeugt , daß manche Hofdame und manch ander adelich Ding gar keine solche Hemder hat und es ungern hätte , wenn man wüßte , wie manches sie hat und welche . Die Hoffart im Hemde ist die schönste aller Hoffarten ; das reine , feine Hemd über dem Herzen soll dem Mädchen eine tägliche Predigt sein , daß es auch rein bleiben müsse unterm Hemde , denn was da unten werde gesponnen , auch noch so fein , das müsse einmal an die Sonne . Die Mutter hatte es recht böse an selbem Abend und ward daher rumpelrurrig aus dem ff. Anne Mareili war hell nichts für sie und keine Jungfrau kam heim , sie mußte die Sache alleine machen . So Jungfräuleni kommen nicht heim , solange eine Geige geht , solange noch Hoffnung zu einem Schick vorhanden ist ; so Jungfräuleni haben selten Sinn für ihre Pflicht und christlichen Ernst im Leibe , sie haben nichts im Leibe als den Sinn der Mücke , die auch nichts kann als tanzen , und zwar am liebsten um ein Licht , bis die Flügel verbrannt sind . Dann ists mit dem Tanzen aus und ein elend Raxen fängt an , das währet , bis endlich der Tod kömmt . Was dann aber auch an einem solchen Abend , wo sie alles alleine machen muß und am Morgen eine Andere dafür ausfahren kann , eine Mutter abzerrt , man glaubt es nicht , wenn man es nicht gehört hat . Es kömmt ihrer Umgebung wohl , daß sie gewöhnlich alle ihre Vorsätze unterm warmen Federnbette verschläft , sonst wahrhaftig , es würde geschehen , daß man an einem schönen Morgen statt Hammen und Speckseiten lauter Jungfrauen im Kämi könnte hängen sehen und statt der Würste die Geiger . Anne Mareili konnte lange nicht schlafen , es war ihm viel zu heiß in seinem Stübchen , und wenn der Schlaf kommen wollte , so kam die Angst auch , die hörte dann donnern oder regnen . Anne Mareili fuhr auf , steckte die Nase zum Läufterli aus , husch ! war der Schlaf entflohen . Dann kam er leise wieder , drückte leise ihm die Äugelein zu ; plötzlich fuhr Anne Mareili auf und schrie : » Halt , Ätti , halt , Herr Jeses , Herr Jeses , mr falle , lue doch ds Bord ! « Da saß es dann ganz verblüfft im Bette , wenn es merkte , daß kein Bord da war , schämte sich vor sich selbst , huschte unter die Decke , der mitleidige Schlaf erbarmte sich seiner wieder , drückte leise die Augenlider nieder , ein angenehm Schnarchen ließ liebliche Töne hören . Da plötzlich ein lauter Schrei , und bolzgerade stand Anne Mareili im Bette und schrie : » Häb , Ätti , häb , dr tusig Gottswille , häb , häb , lue , der Kohli het Fecke und wott flüge ! « Das lächerete wohl den Schlaf , aber boshaft ist er nicht , er ist der Menschen mildester Freund auf Erden . Alle Abende kömmt er mit Bechern voll süßer Labung und stärket die Menschen zu neuem Tagewerk . Wie eine treue Mutter zum dritten und vierten Male ansetzt , einen heilenden Trank dem kranken Kinde einzuflößen , so tut auch der Schlaf . Nur wo er weiß , daß einem recht not täte , an den Himmel zu sinnen Tag und Nacht , weil gar zu weit er noch von der engen Pforte ist , da kömmt er nicht , da gibt er dem Menschen Zeit zum Sinnen . Aber gar viele Menschen verstehn ihn nicht und sinnen nur an die Welt , deren eben das Herz voll ist . Zum dritten Male aber kam er zu Anne Mareili wieder , nahm aber diesmal süße Bilder mit , ob denen Anne Mareili nicht erschrak , in die mit süßer Wonne es sich versenkte ; denn lieblich wurden seine Mienen , ein Lächeln schwebte über ihnen , dem süßen Dufte gleich , der aus den Blumen steigt . Der schönste Tag brach an , es merkte ihn nicht , goldene Sonnenstrahlen gwunderten übers holde Mädchen hin , sie weckten es nicht , sie glänzten in seine Träume hinein , zauberten den süßesten Tag herauf , den es je erlebt . Aber wie die schönsten Tage gewöhnlich mit Gedonner enden , so fuhr in seinen schönsten Traum auch die Stimme der Mutter : » Seh wennd doch mit willst , so steh auf , das ist doch afe kei Manier , im Bett liege , bis man fort will , und alles a mih z ' la ! « Da tat Anne Mareili einen Satz wie ein Roß in der Schlacht , wenn ihm eine Bombe oder sonst etwas auf den Kopf fährt , stand mitten im Stübchen , wußte aber lange nicht , wo es war , bis es den Tag vor den Fenstern sah und die Kleider rings auf Tisch und Stühlen . » Herr Jeses , Mutter , hab ' ich mich verschlafen « , sagte es , » und doch so früh auf wollen ! Zürn doch recht nicht , ich bin gleich zweg . « Mit dem Dorngrütbauer war nicht zu spaßen , und wenn einer ein streng Regiment führt , so tut er alles eher als warten , das wußte Anne Mareili und hexete sich zweg , man wußte nicht wie , aber als es fertig war , rann ihm der helle Schweiß von der Stirne . Es kam ihm wohl , daß sein Gesicht das Schwitzen erleiden mochte , was bekanntlich nicht alle Gesichter vermögen , und daß es sich schicken konnte , ohne eben zu pfuschen , was eben wieder gar Wenige können .