Gesetze , die eine zeige sich auf der gottgleichen Höhe im Anfang eines Kunstwerks und neige sich gegen das Ende ; die andre wie ein freier Sonnenstrahl , der vom göttlichen Licht ab sich einen Ruhepunkt auf dem menschlichen Geist gewähre , neige ihr Gleichgewicht vom Ende zum Anfang . Da steige der Geist hinauf aus der Verzweiflung in den heiligen Wahnsinn , insofern der höchste menschliche Erscheinung sei , wo die Seele alle Sprachäußerung übertreffe , und führe der dichtende Gott sie ins Licht ; die sei geblendet dann und ganz getränkt vom Licht , und es erdürre ihre ursprüngliche üppige Fruchtbarkeit vom starken Sonnenlicht ; aber ein so durchgebrannter Boden sei im Auferstehen begriffen , er sei eine Vorbereitung zum Übermenschlichen . Und nur die Poesie verwandle aus einem Leben ins andre , die freie nämlich . - Und es sei Schicksal der schuldlosen Geistesnatur , sich ins Organische zu bilden , im regsam Heroischen , wie im leidenden Verhalten . - Und jedes Kunstwerk sei ein Rhythmus nur , wo die Zäsur einen Moment des Besinnens gebe , des Widerstemmens im Geist , und dann schnell vom Göttlichen dahingerissen , sich zum End schwinge . So offenbare sich der dichtende Gott . Die Zäsur sei eben jener lebendige Schwebepunkt des Menschengeistes , auf dem der göttliche Strahl ruhe . - Die Begeistrung , welche durch Berührung mit dem Strahl entstehe , bewege ihn , bringe ihn ins Schwanken ; und das sei die Poesie , die aus dem Urlicht schöpfe und hinabströme den ganzen Rhythmus in Übermacht über den Geist der Zeit und Natur , der ihm das Sinnliche - den Gegenstand - entgegentrage , wo dann die Begeistrung bei der Berührung des Himmlischen mächtig erwache im Schwebepunkt ( Menschengeist ) , und diesen Augenblick müsse der Dichtergeist festhalten und müsse ganz offen , ohne Hinterhalt seines Charakters sich ihm hingeben - und so begleite diesen Hauptstrahl des göttlichen Dichtens immer noch die eigentümliche Menschennatur des Dichters , bald das tragisch Ermattende , bald das von göttlichem Heroismus angeregte Feuer schonungslos durchzugreifen , wie die ewig noch ungeschriebene Totenwelt , die durch das innere Gesetz des Geistes ihren Umschwung erhalte , bald auch eine träumerisch naive Hingebung an den göttlichen Dichtergeist oder die liebenswürdige Gefaßtheit im Unglück ; - und dies objektiviere die Originalnatur des Dichters mit in das Superlative der heroischen Virtuosität des Göttlichen hinein . - So könnt ich Dir noch Bogen voll schreiben aus dem , was sich St. Clair in den acht Tagen aus den Reden des Hölderlin aufgeschrieben hat in abgebrochnen Sätzen ; denn ich lese dies alles darin , mit dem zusammen , was St. Clair noch mündlich hinzufügte . Einmal sagte Hölderlin , alles sei Rhythmus , das ganze Schicksal des Menschen sei ein himmlischer Rhythmus , wie auch jedes Kunstwerk ein einziger Rhythmus sei , und alles schwinge sich von den Dichterlippen des Gottes , und wo der Menschengeist dem sich füge , das seien die verklärten Schicksale , in denen der Genius sich zeige , und das Dichten sei ein Streiten um die Wahrheit , und bald sei es in plastischem Geist , bald in athletischem , wo das Wort den Körper ( Dichtungsform ) ergreife , bald auch im hesperischen , das sei der Geist der Beobachtungen und erzeuge die Dichterwonnen , wo unter freudiger Sohle der Dichterklang erschalle , während die Sinne versunken seien in die notwendigen Ideengestaltungen der Geistesgewalt , die in der Zeit sei . - Diese letzte Dichtungsform sei eine hochzeitliche feierliche Vermählungsbegeistrung und bald tauche sie sich in die Nacht und werde im Dunkel hellsehend , bald auch ströme sie im Tageslicht über alles , was dieses beleuchte . - Der gegenüber , als der humanen Zeit , stehe die furchtbare Muse der tragischen Zeit ; - und wer dies nicht verstehe , meinte er , der könne nimmer zum Verständnis der hohen griechischen Kunstwerke kommen , deren Bau ein göttlich organischer sei , der nicht könne aus des Menschen Verstand hervorgehen , sondern der habe sich Undenkbarem geweiht . - Und so habe den Dichter der Gott gebraucht als Pfeil , seinen Rhythmus vom Bogen zu schnellen , und wer dies nicht empfinde und sich dem schmiege , der werde nie weder Geschick noch Athletentugend haben zum Dichter und zu schwach sei ein solcher , als daß er sich fassen könne , weder im Stoff , noch in der Weltansicht der früheren , noch in der späteren Vorstellungsart unsrer Tendenzen , und keine poetischen Formen werden sich ihm offenbaren . Dichter , die sich in gegebene Formen einstudieren , die können auch nur den einmal gegebenen Geist wiederholen , sie setzen sich wie Vögel auf einen Ast des Sprachbaumes und wiegen sich auf dem , nach dem Urrhythmus , der in seiner Wurzel liege , nicht aber fliege ein solcher auf als der Geistesadler , von dem lebendigen Geist der Sprache ausgebrütet . Ich verstehe alles , obschon mir vieles fremd drin ist , was die Dichtkunst belangt , wovon ich keine klare oder auch gar keine Vorstellung habe , aber ich hab besser durch diese Anschauungen des Hölderlin den Geist gefaßt , als durch das , wie mich St. Clair darüber belehrte . - Dir muß dies alles heilig und wichtig sein . - Ach , einem solchen wie Hölderlin , der im labyrinthischen Suchen leidenschaftlich hingerissen ist , dem müssen wir irgendwie begegnen , wenn auch wir das Göttliche verfolgen mit so reinem Heroismus wie er . - Mir sind seine Sprüche wie Orakelsprüche , die er als der Priester des Gottes im Wahnsinn ausruft , und gewiß ist alles Weltleben ihm gegenüber wahnsinnig ; denn es begreift ihn nicht . Und wie ist doch das Geisteswesen jener beschaffen , die nicht wahnsinnig sich deuchten ? - Ist es nicht Wahnsinn auch , aber an dem kein Gott Anteil hat ? - Wahnsinn , merk ich , nennt man das , was keinen Widerhall hat im Geist der andern