diese Vorsorge nötig gewesen , denn überall trafen die Boten auf die nämliche Szene . Die Wächter hatten sämtlich in der Überzeugung gestanden , daß an solchen Tagen eine buchstäbliche Auslegung der Gesetze die sicherste sei , und nach diesem Grundsatze verfahrend , Ritter und Edelfrauen abgesperrt . Überhaupt schien ein schalkhafter Kobold an diesem Morgen die Sinne der Menschen zu betören . Der so kluge und einsichtsvolle Haushofmeister hatte im Strudel seiner Geschäfte gänzlich vergessen , daß der eine Flügel schon von den frühzeitig eingetroffnen Besuchern erfüllt war , und in der Absicht , verwahrt zu halten , was nicht auf der Stelle benutzt werden sollte , die große Türe desselben verschließen lassen . Bei solchem Zudrange eine an sich löbliche Vorsicht ! Nun vernahm der Herzog , während Hermann bei dem Schlagbaume beschäftigt war , von der Seite jenes Flügels her , ein donnerartiges Getöse , schickte hin , und hörte , daß ein Teil der Gäste dort ebenfalls versperrt sei , welcher sich mit trommelnden Händen und Füßen abmühe , Erlösung aus dem Kerker zu gewinnen . Der Haushofmeister war nicht gleich zu finden , und so mußten jene noch eine ganze Weile hinter Schloß und Riegel verharren . Blitzschnell war Hermann vom Schlagbaume zurückgesprengt , und hatte dem Herzoge das dort Vorgefallne gemeldet . Dieser ließ , um das Gedränge vor der Allee zu hindern , verschiedne Seitenwege durch Wiesen und Baumgärten öffnen . Auf einmal verwandelte sich nun die bisherige Einsamkeit in das Getümmel des regsten und buntesten Lebens . Durch die Allee , über Wiesen und Baumflecke von allen Richtungen her , rollten glänzende Equipagen , trabten geschmückte Reiter auf kräftigen oder zierlichen Tieren heran . Barette , Henriquatres , Sammetmäntel von allen Farben , Unterkleider von schneeweißer Seide , gelbe oder rote Stiefelchen , goldne Sporen hoben manche jugendliche Gestalt trefflich hervor . In den Wagen klopften die schönsten Busen unter Gold , Atlas , Spitzen und Stickerei , blitzten die anmutigsten Augen unter wehenden Reiherfedern , während ehrwürdige ältere Herrn und Damen in Silbergrau , Braun und Schwarz , gewissermaßen den dunkeln Grund bildeten , auf welchem die Blumen des Festes wuchsen . Dazu die scharlachnen Hauptgestelle der Pferde , das weiße und rote Sielenzeug , die galonierten Livreen der Kutscher und Diener ! Kurz , als auch die Flügeltüre ihre geputzten Gefangnen hervorgelassen hatte , als die Wege von den Herbeieilenden zurückgelegt worden waren , so gab es im Schloßhofe ein Gewimmel von Farben , Figuren , von Glanz und Schimmer , welches würdig zu beschreiben , eine geschicktere Feder , als die unsrige ist , kaum vermöchte . Abstechend nahmen sich gegen die Gestalten des Mittelalters freilich die neuen Uniformen der Offiziere , und die schlichten Röcke der Bürgerlichen aus , aber auch diese Kontraste erhöhten nur den mannigfaltigen Reiz des Anblicks . Da die Zeit über die Gebühr vorgerückt war , so säumten die fürstlichen Personen nicht , im Gartenzelte zu erscheinen , als sie meinten , daß dort alles sich zusammengefunden haben würde . Bei ihrem Eintritte entstand ein fröhlicher Tumult ; man drängte sich um sie , verneigte sich , begrüßte sie . Der Scharfblick der Herzogin hatte bald wahrgenommen , daß die Gattinnen und Töchter der Honoratioren aus der Stadt sich unter so vielem Sammet und so glänzender Seide in ihren weißen Batistkleidern etwas verlegen fühlten , während die Männer und Väter eher trotzig und herausfordernd vor den gleißenden Rittern standen . Mit bezaubernder Freundlichkeit wandte sie sich vorzugsweise an jene Frauenzimmer , und hatte wirklich in kaum fünf Minuten jeder eine Artigkeit gesagt , so daß alle , wie neugeboren , Luft schöpften . Inzwischen bemerkte der Herzog den Oheim , der , grau gekleidet , mit Schnallenschuhn , wie er sich immer zu tragen pflegte , im Lesezimmer stand , und ein eifriges Gespräch mit einigen der prächtigsten Paladine führte , deren Geschäftsfreund er war . Sobald er konnte , ging der Fürst dorthin . Der Kaufmann trat ihm einige Schritte entgegen und sagte bescheiden : » Es tut mir leid , daß ich von dieser Festlichkeit früher keine Kunde bekam , ich würde Ew . Durchlaucht sonst meinen Anblick erspart haben , der grade heute Denenselben nicht angenehm sein kann . « - » Warum das ! « versetzte der Herzog im besten Ton und reichte dem Kaufmann die Hand . » Jedes Ding hat seine Stunde . Heute das Vergnügen , morgen die Arbeit ; auf beides bin ich gefaßt . « Trompeten schmetterten ; ein Herold kam geritten und sagte folgenden Spruch her : Die Bahn ist abgesteckt , die Fahnen wehn ; Wohlauf ihr Kavaliere reinen Bluts ! Wer einen Degen läßt zur Seite sehn ; Der gebe Zeugnis auch des Rittermuts ! Hierauf wurden die Damen wieder zu den Wagen geführt , die Herrn sahn nach ihren Rossen . Ein prächtiger Sechsspänner fuhr vor , in den der Herzog mit seiner Gemahlin sich setzte . Wilhelmi ordnete die Reihenfolge des Zugs . Die Bürgerlichen gingen zu Fuß voran . An einem Kreuzwege schwenkten die Carousselreiter ab . Alles war in der größten Erwartung der Dinge , die da kommen sollten . Die kleinen Neckereien des Zufalls , welche vorangegangen waren , hatten die Stimmung erhöht und leidenschaftlicher gemacht . Von den Wagen flogen zärtliche Blicke nach manchem der schmucken Reiter . Das Fest begann . Eilftes Kapitel Um den großen , mit Sand reinlich belegten Platz liefen auf zierlichen Bogenstellungen die Sitzreihen für die Zuschauer von Stande . Man hatte dem Holzwerke eine muntre Färbung , gelb und braun , gegeben , Behänge von rotem Tuch , mit goldnen Fransen gesäumt , deckten die Brüstungen . In der Mitte dieses Amphitheaters bezeichneten bessere Stoffe , ein Baldachin , und das große , im schwersten Zeuge gestickte Wappen des Herzogs den Ehrenplatz . Zu demselben bis dicht unter die Brüstung führten vom Grunde aus tuchbelegte Stufen . Hier sollte die Königin der Schönheit und Minne auf einem thronartigen Sessel Platz