, an meinen Busen drückte . Gewiß begleitet die Liebe einer Mutter den Sohn unwandelbar durch sein Leben , aber sie wird sich mit dem vorrückenden Alter in eine innige Freundschaft verwandeln , die wehmüthige Zärtlichkeit einer jungen Mutter aber , den rührenden Stolz , die ahnungsvolle Liebe , die trunkene Hoffnung auf eine glänzende Ferne , diese Gefühle kann nur dunkel ahnen , Wer sie nicht selbst erlebt hat . Mein Schwiegervater hatte scheinbar zufällig den Geistlichen bei sich , der unsere Trauung vollzogen hatte ; der Arzt , ein Freund , auf dessen Verschwiegenheit er ebenfalls zählen konnte , erklärte , das Kind sei so schwach , daß es sogleich getauft werden müsse , ehe meine Mutter eingeladen werden konnte , der heiligen Handlung beizuwohnen , und so waren mein Schwiegervater und der Arzt die einzigen Taufzeugen , und der neugeborne Evremont wurde in der Taufe Adolph genannt . Meine Mutter schalt den Arzt unwissend , als sie das gesunde Kind erblickte , für dessen Leben er gezittert hatte , und der gutmüthige Mann ließ sich lächelnd den Vorwurf gefallen und sagte , er danke Gott für seinen Irrthum . Glück und Frieden , die seligste Ruhe umspielten mein Leben , und meine zagende Seele sträubte sich , die Erinnerung von diesem hellen Punkte meines Daseins abzuwenden , um sich in die dunkele Tiefe grausenvoller Verzweiflung zu versenken . Mein Sohn war ungefähr ein Jahr alt geworden , ich hatte ihn selbst genährt , denn meine eifersüchtige Liebe würde es mit Neid betrachtet haben , wenn sein erstes Lächeln sich einem fremden Wesen zugewendet hätte . Eine Aufwärterin , die meiner Mutter aus Deutschland gefolgt war , hatte sich seit meiner Verheirathung in meinen Dienst begeben , und diese wurde nun die treue und sorgfältige Wärterin des Kindes . Um diese Zeit fing mein Schwiegervater an , an manchen Uebeln zu leiden , die zwar für ihn beschwerlich waren , aber doch nicht sein Leben zu verkürzen drohten , und wir hielten es für unsere Pflicht , ihm mehr als je unsere Liebe und unsere Dienste zu weihen , um ihm sein Schmerzenslager erträglicher zu machen , aber eine schlimme Nachricht schreckte uns alle aus der Ruhe des Herzens auf . Ein Freund meines Schwiegervaters hatte Frankreich neuerdings verlassen und brachte die Kunde , daß die Schwester meines Gemahls sich aus ihrem Schutzorte habe entfernen müssen , weil ihre Beschützer selbst , um wieder sie verhängten Verfolgungen zu entgehen , aus Paris entflohen wären , ohne für ihre Schutzbefohlne zu sorgen . Die Schrecken der nahen Revolution fingen um diese Zeit an fühlbar zu werden , das Volk fing an seinen Haß gegen den Adel thätlich zu zeigen , schon schien seine Wuth Opfer zu fordern , und jeder , der nicht den Muth hatte , alle in früheren Jahrhunderten erworbene Vorrechte aufzugeben , suchte sein Haupt vor der drohenden Gefahr zu bergen . Wie viele Andere , so waren auch die Beschützer meiner Schwägerin entflohen , und man erfuhr in dieser Angst um ein geliebtes Wesen nur , daß eine alte Dienerin des Hauses sie bei sich in tiefster Verborgenheit aufgenommen habe . Mein Schwiegervater war in Verzweiflung , daß seine Krankheit eine Reise unmöglich machte , und es wurde nach langem Kampfe beschlossen , daß mein Gemahl zum Schutze der Schwester nach Frankreich zurückkehren sollte . Ich erklärte , mich nicht von ihm trennen zu wollen , aber die Vorstellungen meines Schwiegervaters , die Sorge für meinen Sohn , die Bitten meines Gemahls und vor Allem die Versicherung seiner baldigen Rückkehr bestimmte mich endlich , mich dem allgemeinen Wunsche zu fügen , und Evremont reiste , von schmerzlichen Thränen und heißen Segenswünschen begleitet , ab . Ach ! wie trübe wurden nun die Tage am Krankenlager meines Schwiegervaters , dessen Zustand die Sorge um seine Kinder verschlimmerte ; kaum gewährte mir das Lächeln der süßen Unschuld , mit dem mein Sohn seine dunkeln Augen zu mir erhob , einigen Trost ! Die große Aehnlichkeit mit seinem Vater , den ich fern und in Gefahr wußte , erpreßte mir Thränen , so oft ich auf ihn blickte , und unser aller Angst wurde erhöht , als mein Bruder aus Frankreich zurückkehrte und alle Auftritte schilderte , die schon vorgefallen waren ; aber dennoch hatte ihn Paris mit allen seinen Freuden so entzückt , daß er den Vorsatz aussprach , dahin zurück zu kehren , sobald er seine Geschäfte mit seiner Vormundschaft geendigt habe . Meine Mutter erinnerte ihn an seine Versprechungen , die ihr am Wichtigsten waren , und er erwiederte mit frechem Scherze , den die gute Mutter nicht verstand , Paris sei am Besten dazu geeignet , die Religion zu verändern , und sie sollte von ihm hören , sobald er wieder dort sein würde . Er beklagte es , daß er seinen Schwager nicht in Paris getroffen , und machte mir Vorwürfe , daß ich zurückgeblieben sei und so die Gelegenheit verloren habe , die Hauptstadt der Welt , wie er Paris nannte , kennen zu lernen . Nach einem kurzen Aufenthalte bei uns verließ uns mein Bruder , dem die trübe Einsamkeit , in der wir lebten , peinlich und langweilig war , und wir hörten nun nichts aus Frankreich , als was uns öffentliche Blätter meldeten , denn ein Briefwechsel wäre unsicher und gefährlich gewesen , und in vielen verzweiflungsvollen Stunden glaubte ich , Evremont sei schon als Opfer gefallen , und ich sah , daß dieselbe Sorge an dem Leben meines Schwiegervaters nagte . Viele gewaltsame Auftritte waren schon vorgefallen ; die Bastille war erstürmt worden , und immer kehrte mein Gemahl noch nicht zurück . Das Kind , welches er auf den Armen der Wärterin zurück gelassen hatte , fing an seine Kräfte zu entwickeln und lernte den Namen Vater lallen , indeß wir fürchteten , der Vater sei ihm schon verloren . In solcher Qual waren uns mehr als achtzehn Monate verstrichen und die Hoffnungslosigkeit hatte alle Kräfte unseres