Mann zu verehren , grübelte Dagobert nicht lange nach dem dunkeln Sinn , sondern ging , um sich zu seiner Aufgabe vorzubereiten . Auf der Straße kam ihm Gerhard entgegen , in vollständigem Fechterzeug , von vielem Volke umgeben , um sein Wappenschild dem Turnierkönige zu überbringen . Freundlich hielt er bei seinem jungen Freunde , allein dieser merkte bald , daß sogar die Freude über die bevorstehende Kampfeslust nur schlecht einen heimlichen Ärger verbarg , der sich nicht von dem Gesichte des Hülshofners verdrängen ließ . Dagobert fragte nach der Ursache , und Gerhard , der vom Pferde stieg , und seine Schildträger allein ziehen ließ , zögerte nicht , sie ihm zu entdecken . » Stellt Euch vor ; « sprach er : » der Schuft , mein langer Vollbrecht hat mir den Dienst aufgesagt . Denkt Euch , der Bursche , der mich seit zehn Jahren begleitet , wie der Schatten den Körper , hat mir Valet gesagt . Er behauptet , - der unverschämte Knecht ... er werde mit jedem Tage magrer in meinem Brode . Abscheuliche Verläumdung ! Da habe ich ihn denn ziehen lassen in Gottes Namen , ärgre mich aber dergestalt , daß mich eine Katze in den Sand strecken würde , falls ich jetzo mit ihr turnieren sollte . « » Nimm mein Bedauern , alter Kämpe ; « erwiederte Dagobert : » ich denke aber , wenn ' s zum Treffen kommt , läßt Dein Knecht so wenig von Dir , als Du von ihm zu lassen gedenkst . Es müssen nur erst einige Tage über dem Zwist vergangen seyn . Laß mir den Burschen heute . Ich habe einen Ritt zu thun , der mich bis Übermorgen aussen halten dürfte . Vollbrecht soll wohl genährt werden , während dieser Frist , und ich verspreche Dir im Voraus , daß er wieder bei Dir eintritt , wenn Du die Zusage leisten willst , ihn nicht mehr gar so schmählich hungern zu lassen , als bisher . « - » Von Herzen gern ! « versicherte der Edelknecht : » allein , - wie sagtet Ihr ? Ihr habt einen Ritt vor ? heut an diesem Ehren- und Freudentage sämmtlicher Ritterschaft ? Wie ist das zu verstehen ? « - » Das heißt so viel als : Dich kümmert ' s nicht ; « entgegnete Dagobert . » Wo finde ich den Langen ? « - » Im Maulbeerbaume sitzt er ; « maulte Gerhard : » Ihr seyd aber ein Geheimnißkrämer , mit dem nicht auszukommen ist . Schon gut indessen . Ich hole mir Ruhm und Preiße , während Ihr - ich schwör es - auf irgend ein verliebtes Abenteuer zu Dorfe reitet , und am Ende mit zerbläutem Rücken heimkehrt . « Sie trennten sich , und Dagobert ging nach dem bezeichneten Hause . Wer indessen Füße hatte zu laufen , und Ellenbogen , sich in dem Gedränge Platz zu machen , stürmte dem Turnierplatze zu . Die Mittagsstunde kam und ging . Die Sonne schien heiß auf die Scheitel der gaffenden Menge , aber unbeweglich wie eine Mauer hielt das Volk den Platz besetzt . Die Fenster und Erker und Söller der umliegenden Häuser füllten sich mit Neugierigen , die Giebelzacken und Dachrücken trugen unzählige von kecken , schwindelfreien Gesellen , die , gleichsam in freier Luft schwebend , sich etwas darauf einbildeten , höher zu sitzen als der Kaiser selbst . Nach und nach wurde allenthalben der Raum enger , denn die zum Kampf gemeldeten und schildfähigen Ritter und Edle kamen langsam zu Rosse angerückt , umgeben von reisigen Wappnern mit Fähnleinträgern und Trompetenbläsern . In doppelter und dreifacher Reihe schaarten sie sich um die noch verschlossenen Schranken der Stechbahn . Zugweise kamen nun auch die anmuthig und köstlich geschmückten Frauen herbei , und bildeten den schönsten Kranz auf den überfüllten Emporbühnen . Die vornehmen Würdenträger der Kirche , die , adelicher Geburt und selbst unter Inful und Cardinalshut weltlicher Ritterlust nicht entsagend , den Abscheu nicht theilten , mit welchem die Geistlichkeit niedren Ranges die Kampfspiele betrachtete , nahmen die für sie bestimmten Bänke ein , und musterten lächelnd , in fremder wie einheimischer Zunge scherzend , das schöne , überzählig anwesende Geschlecht . Noch war die Bahn leer , noch lagen die Fallbäume und Gitter im Schloß ; da eilten geschäftig die Kampfrichter herbei , begaben sich durch das engste Pförtlein in den Rennkreis , bestiegen ihre Stühle , und winkten den Turniervögten zur Ordnung , den Spielleuten zur Pflicht . Von den Söllern der Letztern ertönte ein vollstimmiger andauernder Jubel , und festlich prangende Klänge . Denn der Kaiser langte so eben , von dem leuchtenden Geschwader prächtig gerüsteter Fürsten und Herren umringt , auf dem Platze an . Sein lenksamer Schimmel , bunt verziert mit Straußen- etc. Federn und Goldbändern tanzte stolz daher , indessen neben ihm der schwarze Hengst des Herzogs von Österreich-Tyrol seinen schweren gewichtigen Schritt hielt . Der Herr der Pfalz und Baierns Fürst ritten dicht hinter Friedrich , welcher , den Wirthspflichten getreu , schnell an der Treppe , die zu des Kaisers Stuhl führte , absprang , mit der linken Hand eine Geberde machte , als berühre er den Steigbügel , und mit der Rechten dem absteigenden Sigmund die äussersten Fingerspitzen zur Hülfe darreichte , die aber auch von dem König nicht angenommen wurden . Hierauf begnügte sich Friedrich mit der Hand nach der Treppe zu weisen , und dem dahingehenden Sigmund noch einmal seinen Arm als Stütze anzubieten , der aber ebenfalls versagt wurde . Ein lautes Lebehoch und Trompetengeschmetter empfieng die Fürsten , da sie in dem goldnen Zelte angelangt waren , und Sigmund ließ sich huldvoll nickend , am Rande der Brüstung auf den Brokatsessel nieder . Die Fürsten im Kreise um ihn her , Friedrich zu seiner Linken . Alle noch freien Plätze waren in einem Nu von den Rittern und Edelknechten , Hofjunkern und Dienstmannen der Gewaltigen eingenommen , und auf ein mit