nähere Erklärung aus , so erfuhr man , daß es nach Griechenland gegen die Türken gehe . Da kreuzigten sich die Leute , wünschten dem Philhellenen einen guten Morgen und flüsterten , wenn er mit dröhnenden Schritten einen Fußpfad nach Hellas einschlug , Der muß wenig taugen , daß er im Reich keine Anstellung bekommt und bis nach Griechenland laufen muß . « » Ist ' s möglich ? « rief der Marquis , » so teilnahmelos sprachen die Deutschen von diesen Männern ? « » Gewiß ; es ging mancher hin mit einem schönen Gefühl , einer unterdrückten Sache beizustehen ; mancher um sich Kriegsruhm zu erkämpfen , der nun einmal auf den Billards in den Garnisonen nicht zu erlangen ist ; aber alle barbierte man über einen Löffel , wie mein Vater zu sagen pflegte , und schalt sie Landläufer . « » Mylord « , sagte der Franzose ; » es sind doch dumme Leute , diese Deutschen ! « » O ja « , entgegnete jener mit großer Ruhe , indem er sein Rumglas gegen das Licht hielt . » Zuweilen ; aber dennoch sind die Franzosen unerträglicher , weil sie allen Witz allein haben wollen . « Der Marquis lachte und schwieg . Der Baron aber fuhrt fort : » Auf diese Sitte der Deutschen hatte jener Mann seinen Plan gebaut , und noch oft muß ich mich wundern , wie richtig sein Kalkül war . Die Deutschen , dachte er , kommen nicht dazu , etwas für einen weit aussehenden Plan , für ein fernes Land und dergleichen zu tun ; entweder sagen sie : Es war ja vorher auch so , lasset der Sache ihren Lauf , wer wird da etwas Neues machen wollen . Oder sie sagen : Gut , wir wollen erst einmal sehen , wie die Sache geht , vielleicht läßt sich hernach etwas tun . Fällt aber etwas in ihrer Nähe vor , können sie selbst etwas Seltenes mit eigenen Augen sehen , so lassen sie es sich etwas kosten . Man war dem Griechen früher oft in mancher kleinen Stadt sehr dankbar , daß er doch wieder eine Materie zum Sprechen herbeigeführt habe , eine Seltenheit , welche die Weiber beim Kaffee , die Männer beim Bier traktieren konnten . Was für Aussichten blieben mir übrig ? mein Oncle war tot , ich hatte nichts gelernt , so schlug ich ein , Grieche zu werden . Jetzt fing ein Unterricht an , bei welchem wir bald so vertraut miteinander wurden , daß mir mein Führer sogar Schläge beibrachte . Er lehrte mich alle Gegenstände auf neugriechisch nennen , bleute mir einige Floskeln in dieser Sprache ein , und nachdem ich hinlänglich instruiert war , schwärzte er mir Haar und Augbraunen mit einer Salbe , färbte mein Gesicht gelblich , und - ich war ein Grieche . Mein Kostüm , besonders das für vornehme Präsentationen war sehr glänzend , manches sogar von Seide . So zogen wir im Land umher , und gewannen viel Geld . « » Aber mein Gott « , unterbrach ihn der Franzose , » sagen Sie doch , in Deutschland soll es so viele gelehrte Männer geben , die sogar Griechisch schreiben . Diese müssen doch auch sprechen können ; wie haben Sie sich vor diesen durchbringen können ? « » Nichts leichter als dies , und gerade bei diesen hatte ich meinen größten Spaß ; diese Leute schreiben und lesen das Griechische so gut , daß sie vor zweitausend Jahren mit Thukydides hätten korrespondieren können , aber mit dem Sprechen will es nicht recht gehen ; sie mußten zu Haus immer die Phrasen im Lexikon aufschlagen , wenn sie sprechen wollten ; da hatte ich nun , um aus aller Verlegenheit zu kommen , eine herrliche Floskel bereit : - - - - Mein Herr ! das ist nicht griechisch . Mein Führer unterließ nicht , sogleich , was ich gesagt , dem Publikum ins Deutsche zu übersetzen , und jene Kathedermänner kamen gewöhnlich über das Lächeln der Menschen dergestalt außer Fassung , daß sie es nie wieder wagten , Griechisch zu sprechen . So zogen wir längere Zeit umher , bis endlich in Karlsbad die ganze Komödie auf einmal aufhörte . Wir kamen dorthin zur Zeit der Saison und hatten viele Besuche . Unter andern fiel mir besonders ein Herr mit einem Band im Knopfloch auf , der mir große Ähnlichkeit mit meinem Vater zu haben schien . Er besuchte uns einigemal und endlich , denken Sie sich mein Erstaunen , höre ich , wie man ihn Herrn von Garnmacher tituliert . Ich stürzte zu ihm hin , fragte ihn mit zärtlichen Worten , ob er mein verehrter Herr Oncle sei , und entdeckte ihm auf der Stelle wie ich eigentlich nicht auf klassischem Boden in Athen , sondern als köngl . sächsisches Landeskind in Dresden geboren sei . Es war eine rührende Erkennungsszene . Das Staunen des Publikums , als der Grieche auf einmal gutes Deutsch sprach , die Verlegenheit meines Oheims , der mit vornehmer Gesellschaft zugegen war , und nicht gerne an meinen Vater den marchand tailleur erinnert sein wollte , die Wut meines Führers , alles dies kam mir trotz meiner tiefen Rührung höchst komisch vor . Der Führer wurde verhaftet , mein Oncle nahm sich meiner an , ließ mir Kleider machen und führte mich nach Berlin . Und dort begann für mich eine neue Katastrophe . « 2. Der Baron wird ein Rezensent » Mein Oncle war ein nicht sehr berühmter Schriftsteller , aber ein berüchtigter , anonymer Kritiker . Er arbeitete an zehn Journalen , und ich wurde anfänglich dazu verwendet , seine Hahnenfüße ins reine zu schreiben . Schon hier lernte ich nach und nach in meines Oncles Geist denken , faßte die gewöhnlichen Wendungen und Ausdrücke auf und bildete mich so zum Rezensenten . Bald kam ich weiter ; der herrliche Mann brachte mir die verschiedenen Klassen und Formen der Kritik bei ,