unserer Mannlehngüter mitgetheilt ; es ist unmöglich , daß sie es sey . « » Ach Gott ! sie wird es wohl seyn , « rief kläglich Graf Hippolit , der gegenwärtige Verehrer der Markise , » sie wird es seyn , die Mondscheinsdame ; sie wird zu allgemein gepriesen , als daß wir viel von ihr erwarten könnten ! « » Also Ihre Kusine ? liebe Rosenberg , nun ich sterbe vor Neugier , wenn ich nicht bald dieses Wunder der Welt zu Gesichte bekomme ! « fiel halb jähnend die Markise ein . » Ach , wie gerne thäte ich das auch , « rief lustig Hippolit , » aber mir sind leider schon in der Welt zu viele dergleichen Wunder vorgekommen , die , entschleiert , eigentlich alle sehr gewöhnlich und natürlich dastanden . Es ist immer das alte Buch mit einem neuen Titel , das nehmliche Räthsel in ein anderes Gewand eingekleidet , was man uns da zu studiren giebt . Bei alle dem bleibt es aber doch ein Studium , dessen man nie überdrüssig wird , besonders wenn uns , wie hier , jede Stunde mit einer neuen ganz unerhörten Kaprize beglückt . « Indem er dieß hinzusetzte , wollte er die Hand der Markise an seine Lippen drücken , sie entzog sie ihm aber , heftig und unwillig sich sträubend . » Schöne Dame , « rief Hippolit in seinem Uebermuth , » indem Sie zürnen , beweisen Sie , daß ich Recht habe ; die kleine Wuth steht Ihnen so allerliebst , daß ich dadurch leicht verleitet werden könnte , Sie alle Tage halb todt zu ärgern . Die Versöhnungen , die doch auch nicht zu verachten sind , hätte ich dann für meine Mühe noch obendrein . « Die Markise begann recht ernstlich sich zu erzürnen , doch nicht auf lange ; die Gräfin warf sich zur Vermittlerin auf , und der Friede war bald geschlossen . Der glänzende Graf Hippolit , entsprossen aus einem der edelsten Geschlechter in Ungarn , schön wie Apoll , kaum zwanzig Jahre alt , und dabei schon unumschränkter Herr großer Reichthümer , war allerdings eine Eroberung , welche eine Frau , wie die Markise , sich auf alle Weise zu erhalten streben mußte . Auch war es ihr seit dem Moment gelungen , da er in Paris , als ein weitläufiger Verwandter der Gräfin ihr vorgestellt ward . Ihre seltene Schönheit , ihr leichter Sinn , vor allem eine gewisse pickante Ungleichheit in ihrem Betragen entzückte ihn , und Gewohnheit , Ueberdruß am Wechsel , hatten bis jetzt ihn fest gehalten . Als die Damen Paris verließen , wußte er eben nichts besseres zu thun , als ihnen nach Deutschland zu folgen , und bei dieser Gelegenheit späterhin einen Besuch in seinem Vaterlande und auf seinen Gütern abzustatten . Vor jetzt war er der tägliche Gast in ihrem Hause , ihr steter Begleiter außer demselben , aber die Strenge , mit welcher die Gräfin über die Gesetze des Anstandes zu wachen gewohnt war , hatte ihn veranlaßt , sich eine von ihnen abgesonderte eigene Wohnung zu wählen . Ungeachtet seiner frivolen Außenseite , war Hippolit von Natur zu allem Großen und Edlen geeignet , aber das Schicksal , welches sein äußeres Leben mit jedem Vorzuge reichlich ausstattete , hatte ihn schon früh im Innern tief verletzt und sein Entwickeln verhindert . Von einer leichtsinnigen Mutter als fünfjähriger Knabe verlassen , von einem durch das Betragen seiner Gattin mit der Welt und dem Leben entzweiten , verbitterten Vater erzogen , war der arme Hippolit um jenes Vertrauen in die Menschen gebracht worden , ohne welches keine Jugendblüthe fröhlich gedeiht . Sein ganzes Wesen widerstrebte der strengen klösterlichen Zucht , in welcher er bis in sein funfzehntes Jahr gehalten ward , er fühlte zur Freude sich geboren , aber jede Jugendlust , wie jede sanftere Regung , ward von der Strenge seiner Zuchtmeister niedergedrückt . Er war zu stolz , die Hülfe der , in ihm ihren künftigen Herrn schmeichelnden Diener anzunehmen , und seinen Vater zu betrügen , um wenigstens Stundenlang seinem Kerker zu entgehen , aber in ihm wogte ein verzehrendes Feuer , das , weit entfernt sein Herz zu erwärmen , es nur immer enger zusammenzog , während seine Fantasie ihm das Glück künftiger Freiheit in den glühendsten Farben mahlte . Das jedem gutgearteten Kinde eigene Sehnen nach Liebe sprach zwar auch mächtig in seiner Brust , aber er drückte es , als seiner unwürdig , nieder , denn wen sollte er lieben ? Rings um sich sah er nur fühllose Strenge oder erbärmliche Kriecherei . Künftiger Genuß ward ihm die Loosung des Lebens . Worin dieser bestehen sollte , wußte er nicht deutlich sich zu sagen , aber einstweilen gedachte er , die freudenlose Zeit , welche er jetzt verlebte , durch eifriges Bestreben nach Wissen als vorbereitend zu benutzen . Mit dem größten Eifer verfolgte er daher den Gang der ihm von seinem Vater vorgeschriebenen Studien , jede Stunde bereicherte seinen Geist , aber in seinem Gemüth ward es immer ärmer , immer mehr erstorben , bis der Zufall den einzigen Bruder seines Vaters in seine Nähe führte . Hippolit war jetzt funfzehn Jahr alt , und zum erstenmal seit seiner frühesten Kindheit hörte er nun wieder mit milden Worten sich anreden . Da brach die Eisrinde , in welcher sein Herz beinahe erstarrt war . Mit der kindlichsten Liebe , mit der innigsten Treue eines jugendlichen Gemüths hing er sich nun an den Oheim , der wie eine himmlische Erscheinung in die Nacht seines Daseyns strahlte und sogar auch die düstere Stimmung seines Vaters milderte , als letzterer plötzlich erkrankte . Ein seit langen Jahren allmählig heranschleichendes Uebel warf den alten Grafen wenig Monate nach der Ankunft seines Bruders auf das Sterbebette . Bleich und bebend kniete Hippolit neben demselben , als der Vater zum erstenmal liebend und segnend die schwere kalte Todtenhand auf sein lockiges Haupt legte , in den rührendsten