war schön , blond , sanftmütig , wir gingen vertraulich zusammen , faßten uns bald bei der Hand und schienen nichts Besseres zu wünschen . So gingen wir an Tulpenbeeten vorüber , so an gereihten Narzissen und Jonquillen ; sie zeigte mir verschiedene Stellen , wo eben die herrlichsten Hyazinthenglocken schon abgeblüht hatten . Dagegen war auch für die folgenden Jahrszeiten gesorgt : schon grünten die Büsche der künftigen Ranunkeln und Anemonen ; die auf zahlreiche Nelkenstöcke verwendete Sorgfalt versprach den mannigfaltigsten Flor ; näher aber knospete schon die Hoffnung vielblumiger Lilienstengel gar weislich zwischen Rosen verteilt . Und wie manche Laube versprach nicht zunächst mit Geißblatt , Jasmin , reben-und rankenartigen Gewächsen zu prangen und zu schatten . Betracht ' ich nach so viel Jahren meinen damaligen Zustand , so scheint er mir wirklich beneidenswert . Unerwartet , in demselbigen Augenblick , ergriff mich das Vorgefühl von Freundschaft und Liebe . Denn als ich ungern Abschied nahm von dem schönen Kinde , tröstete mich der Gedanke , diese Gefühle meinem jungen Freunde zu eröffnen , zu vertrauen und seiner Teilnahme zugleich mit diesen frischen Empfindungen mich zu freuen . Und wenn ich hier noch eine Betrachtung anknüpfe , so darf ich wohl bekennen : daß im Laufe des Lebens mir jenes erste Aufblühen der Außenwelt als die eigentliche Originalnatur vorkam , gegen die alles übrige , was uns nachher zu den Sinnen kommt , nur Kopien zu sein scheinen , die bei aller Annäherung an jenes doch des eigentlich ursprünglichen Geistes und Sinnes ermangeln . Wie müßten wir verzweifeln , das Äußere so kalt , so leblos zu erblicken , wenn nicht in unserm Innern sich etwas entwickelte , das auf eine ganz andere Weise die Natur verherrlicht , indem es uns selbst in ihr zu verschönen eine schöpferische Kraft erweist . Es dämmerte schon , als wir uns der Waldecke wieder näherten , wo der junge Freund meiner zu warten versprochen hatte . Ich strengte die Sehkraft möglichst an , um seine Gegenwart zu erforschen ; als es mir nicht gelingen wollte , lief ich ungeduldig der langsam schreitenden Gesellschaft voraus , rannte durchs Gebüsche hin und wider . Ich rief , ich ängstigte mich ; er war nicht zu sehen und antwortete nicht ; ich empfand zum erstenmal einen leidenschaftlichen Schmerz , doppelt und vielfach . Schon entwickelte sich in mir die unmäßige Forderung vertraulicher Zuneigung , schon war es ein unwiderstehlich Bedürfnis , meinen Geist von dem Bilde jener Blondine durch Plaudern zu befreien , mein Herz von den Gefühlen zu erlösen , die sie in mir aufgeregt hatte . Es war voll , der Mund lispelte schon , um überzufließen ; ich tadelte laut den guten Knaben wegen verletzter Freundschaft , wegen vernachlässigter Zusage . Bald aber sollten mir schwerere Prüfungen zugedacht sein . Aus den ersten Häusern des Ortes stürzten Weiber schreiend heraus , heulende Kinder folgten , niemand gab Red ' und Antwort . Von der einen Seite her um das Eckhaus sahen wir einen Trauerzug herumziehen , er bewegte sich langsam die lange Straße hin ; es schien wie ein Leichenzug , aber ein vielfacher ; des Tragens und Schleppens war kein Ende . Das Geschrei dauerte fort , es vermehrte sich , die Menge lief zusammen . » Sie sind ertrunken , alle , sämtlich ertrunken ! Der ! wer ? welcher ? « Die Mütter , die ihre Kinder um sich sahen , schienen getröstet . Aber ein ernster Mann trat heran und sprach zur Pfarrerin : » Unglücklicherweise bin ich zu lange außen geblieben , ertrunken ist Adolf selbfünfe , er wollte sein Versprechen halten und meins . « Der Mann , der Fischer selbst war es , ging weiter dem Zuge nach , wir standen erschreckt und erstarrt . Da trat ein kleiner Knabe heran , reichte einen Sack dar : » Hier die Krebse , Frau Pfarrerin « , und hielt das Zeichen hoch in die Höhe . Man entsetzte sich davor wie vor dem Schädlichsten , man fragte , man forschte und erfuhr so viel : dieser letzte Kleine war am Ufer geblieben , er las die Krebse auf , die sie ihm von unten zuwarfen . Alsdann aber nach vielem Fragen und Widerfragen erfuhr man : Adolf mit zwei verständigen Knaben sei unten am und im Wasser hingegangen , zwei andere , jüngere haben sich ungebeten dazu gesellt , die durch kein Schelten und Drohen abzuhalten gewesen . Nun waren über eine steinige , gefährliche Stelle die ersten fast hinaus , die letzten gleiteten , griffen zu und zerrten immer einer den andern hinunter ; so geschah es zuletzt auch dem Vordersten , und alle stürzten in die Tiefe . Adolf , als guter Schwimmer , hätte sich gerettet , alles aber hielt in der Angst sich an ihn , er ward niedergezogen . Dieser Kleine sodann war schreiend ins Dorf gelaufen , seinen Sack mit Krebsen fest in den Händen . Mit andern Aufgerufenen eilte der zufällig spät rückkehrende Fischer dorthin ; man hatte sie nach und nach herausgezogen , tot gefunden , und nun trug man sie herein . Der Pfarrherr mit dem Vater gingen bedenklich dem Gemeindehause zu ; der volle Mond war aufgegangen und beleuchtete die Pfade des Todes ; ich folgte leidenschaftlich , man wollte mich nicht einlassen ; ich war im schrecklichsten Zustande . Ich umging das Haus und rastete nicht ; endlich ersah ich meinen Vorteil und sprang zum offenen Fenster hinein . In dem großen Saale , wo Versammlungen aller Art gehalten werden , lagen die Unglückseligen auf Stroh , nackt , ausgestreckt , glänzend-weiße Leiber , auch bei düsterm Lampenschein hervorleuchtend . Ich warf mich auf den größten , auf meinen Freund ; ich wüßte nicht von meinem Zustand zu sagen , ich weinte bitterlich und überschwemmte seine breite Brust mit unendlichen Tränen . Ich hatte etwas von Reiben gehört , das in solchem Falle hülfreich sein sollte , ich rieb meine Tränen ein und belog