Organisation übrig bleiben könnte , als der Kopf , an welchen etwa noch ein paar Flügel gesetzt werden könnten , die ihm zugleich zur Bewegung und zur Einhüllung dienen würden . Wirklich gefällt mir diese Idee immer besser je mehr ich ihr nachdenke , und mir ist ich würde mich an eine so leichte geistige Existenz in Gesellschaft guter und schöner Köpfe sehr bald gewöhnen können . - » Aber ein bloßer Kopf , meint die kleine Musarion , wäre doch ihre Sache nicht ; sie kann sich keine Glückseligkeit ohne Liebe denken , und eine Liebe , die bloß im Kopfe sitzt , scheint ihr etwas so Kaltes und Langweiliges , daß sie lieber ganz darauf Verzicht thun wollte . « - Du kannst leicht denken , Aristipp , daß ich mich der Köpfe mit gehörigem Eifer annahm , und behauptete : was ihnen allenfalls an Feuer und Innigkeit abginge , würde reichlich dadurch ersetzt , daß sie die Liebe desto feiner zu behandeln , ihr mehr Reiz der Mannigfaltigkeit zu geben , und sie dadurch viel besser zu unterhalten und vor langer Weile und Sättigung zu verwahren wüßten , als wenn sich die Hypochondrien168 mit ins Spiel mischten . Wir stritten uns lange darüber , und kamen zuletzt doch darin überein , daß unsre dermalige Art zu seyn vor der Hand wohl die beste seyn möchte . Dabei , lieber Aristipp , wollen wir ' s denn auch einstweilen bewenden lassen , und der guten Mutter Natur zutrauen , sie würde uns weder das Verlangen noch die Kraft ins Unendliche fort zu leben gegeben haben , wenn es nicht ihr Ernst wäre , daß mit der Zeit noch etwas Besser ' s aus uns werden sollte . Wie sie das anstellen will , ist ihre Sache ; genug daß sie unser vollständigstes Zutrauen verdient , und ( wie Plato weislich sagt ) in allem andern so verständig zu Werke geht , daß wir nicht zu besorgen haben , sie werde in diesem Punkte allein sich selbst ungleich seyn und nicht wissen , was sie mit uns anfangen wolle . 63. Aristipp an Lais . Es ist sehr natürlich , daß die Besitzerin eines Körpers , der den größten Künstlern das unerreichbare Ideal der Schönheit darstellt , sich nie von ihm zu trennen wünschet , und also wenigstens seine Gestalt , wäre sie auch nur aus Wolkenstoff gewebt , ins andere Leben mit hinüber nehmen möchte . Denn die Feinheit des Stoffes würde der Schönheit so wenig nachtheilig seyn , daß sie vielmehr dadurch erhöht werden müßte . Dessen ungeachtet , schöne Lais , scheint dein Widerwille gegen das , was du eine splitternackte Seele nennst , mehr von einer irrigen Vorstellung als von der Sache selbst herzurühren . Warum sollte es , was die Schönheit betrifft , mit der Seele nicht eben dieselbe Bewandtniß haben wie mit dem Leibe ? So wie , nach der sehr wahrscheinlichen Behauptung unsers Freundes Skopas , ein untadelig schöner Leib durch jede Bedeckung in den Augen der Anschauer nur verlieren kann , und sich erst alsdann in seiner ganzen Glorie zeigt , wenn er ohne alle Hülle gesehen wird : so mag auch vermuthlich eine schöne Seele nur dann , wenn sie nach gänzlicher Entkleidung vom Stoff in ihrer eigenthümlichen Gestalt erscheint , durch unmittelbares Anschauen des reinen Ebenmaßes aller ihrer Verhältnisse , und der Harmonie und Einheit , die in allen Theilen und Ausschmückungen ihres Innern herrschet , dem anschauenden Geist einen ungleich höhern Genuß der Vollkommenheit gewähren , als die Einwindelung in einen Körper zulassen kann , der , wenn er auch aus Licht und Aether gewebt wäre , doch nie so durchsichtig seyn könnte , daß er einem wahren Seelenliebhaber nicht noch viel zu wünschen übrig lassen sollte . Doch , ich will auf dieser Idee um so weniger bestehen , da der plötzliche Uebergang aus unsrer gegenwärtigen Art zu seyn in die rein geistige ein Sprung wäre , dergleichen die Natur nicht zu machen pflegt . Ich halte mich also an deine Flügelköpfe , Laiska ! eine so glückliche Vermuthung , daß ich beinahe schwören wollte , du müßtest es wirklich errathen haben . Freilich wird bei dieser Art von Seelenbekleidung niemand mehr gewinnen als du ; aber dieß ist auch nur billig , da niemand mehr dabei aufopfert als du . Gewiß kann kein verständiger Schätzer des Werths der Dinge das letztere höher würdigen als ich ; aber gleichwohl muß ich gestehen , ich habe mich in die Idee einer Welt von lauter Flügelköpfen bereits so stark verliebt , daß ich , wenn es nur auf mich ankäme , keinen Augenblick zögern wollte , dich und mich und alle die wir lieben auf der Stelle in eine solche Welt zu versetzen . Sollte die holde Musarion darauf bestehen , daß sie sich an dem bloßen Kopfe des schönen Kleonidas nicht begnügen könne , so könnten wir ihr zu Gefallen etwa noch so viel Leib hinzuthun , daß die Bewohner unsrer künftigen Welt die Gestalt geflügelter Brustbilder bekämen ; aber mit recht gutem Willen würde ich mich nie dazu bequemen . Denn es fällt auf den ersten Anblick in die Augen , daß die Idee der Flügelköpfe durch diesen üppigen Zuwachs an Masse die Hälfte von ihrer Schönheit verliert . Und warum ? Bloß weil die gute Musarion sich die Mühe noch nicht genommen hat , ihr Vorurtheil gegen den Kopf in etwas genauere Untersuchung zu ziehen . Ich getraue mir zu behaupten , daß die Liebe , die ihren Sitz im Kopfe hat , nicht nur von edlerer und zärterer Natur , sondern auch schmeichelhafter sowohl für den Geliebten als den Liebenden ist , als die andere . Denn sie gründet sich , anstatt auf eine blinde und dem Verstande zuvoreilende Neigung , auf reines Anschauen der Vollkommenheiten des Geliebten . Sie ist weniger feurig und lodernd ; aber ihre Flamme brennt desto heller , gleicher und anhaltender , verzehrt sich nicht selbst , und vermischt sich