Um hohen Preis . Von E. Werner . Nachdruck verboten und Uebersetzungsrecht vorbehalten . Heller Sonnenschein lag auf der Landschaft ringsum ; der Spiegel des Sees dehnte sich weit und glänzend aus und warf das Bild der Stadt zurück , die sich in ihrer ganzen malerischen Schönheit am Ufer erhob , während das fern aufsteigende Gebirge , mit seinen zackigen Gipfeln und seinen Schneehäuptern sich in voller Klarheit zeigte . Inmitten der villen- und gartenreichen Vorstadt , die sich am Ufer hinzog , lag eine kleine Besitzung von bescheidenem Ansehen . Das einstöckige Wohnhaus bot weder viel Raum , noch schien es besonderen Luxus zu bergen . Eine offene , weinumrankte Veranda bildete fast den einzigen Schmuck desselben ; dennoch machte es mit seinen hellen Mauern und grünen Jalousien einen äußerst freundlichen Eindruck , und der nicht große , oder sorgfältig gepflegte Garten , der sich bis an den Rand des Sees erstreckte , gab dem kleinen Landsitze noch einen besonderen Reiz . In der Veranda , die vollen Schutz gegen die Sonnengluth und selbst einige Kühlung gewährte , gingen zwei Herren , im Gespräch begriffen , auf und nieder . Der Aeltere der beiden war ein Mann von etwa fünfzig Jahren , aber das Alter schien ihm früh genaht zu sein , denn die Gestalt war gebeugt und das Haar bereits vollständig ergraut . Das tief durchfurchte Gesicht verrieth , daß Kämpfe und vielleicht Leiden mancher Art darin gewühlt hatten , und der scharfe bittere Zug um die schmalen Lippen gab dem Antlitz ein beinahe feindseliges Gepräge . Nur in dem Auge blitzte noch ein Feuer , das weder Jahre noch Erfahrungen hatten dämpfen können und das einen seltsamen Contrast zu den grauen Haaren und der gebeugten Haltung bildete . Sein Gefährte war um vieles jünger , eine schlanke mittelgroße Gestalt mit keineswegs regelmäßigen , aber im höchsten Grade anziehenden Zügen und ernsten blauen Augen . Das hellbraune Haar fiel auf eine schöne klare Stirn ; die Gesichtsfarbe zeigte jene leichte Blässe , die , ohne krankhaft zu sein , doch auf angestrengte geistige Thätigkeit deutet , und der vorherrschende Ausdruck war der einer ruhigen Festigkeit , wie man sie bei einem Alter von sieben- oder achtundzwanzig Jahren nur selten ausgeprägt findet . Es konnte kaum einen schärferen Gegensatz geben als diese beiden Männergestalten . „ Also Sie wollen uns wirklich schon jetzt verlassen , Georg ? “ fragte der Aeltere im Tone des Bedauerns . Der junge Mann lächelte . „ Schon jetzt ? Ich dächte , Herr Doctor , ich hätte Ihre Gastfreundschaft lange genug in Anspruch genommen . Meine Absicht war es nicht , wochenlang zu bleiben , aber Sie nahmen den Fremden , der nichts weiter als eine Universitätsfreundschaft mit Ihrem Sohne geltend machen konnte , so herzlich auf , wie einen nahen , lieben Verwandten . Ich werde nie – “ „ Nur keinen Dank für das , was mir eine Freude gewesen ist ! “ unterbrach ihn der Doctor . „ Ich fürchte nur , Sie werden die genossene Gastfreundschaft daheim büßen müssen . Man verzeiht dem Assessor Winterfeld schwerlich den Aufenthalt in meinem Hause . Ich habe Ihnen nie verhehlt , daß Ihr Besuch bei uns ein Wagniß ist und Ihre ganze Stellung gefährden kann . “ Der ironische Ton dieser Warnung rief eine flüchtige Röthe auf die Stirn des jungen Winterfeld und verschuldete jedenfalls die Lebhaftigkeit , mit der er antwortete : „ Ich denke Ihnen bewiesen zu haben , daß ich meine Selbständigkeit unter allen Umständen zu wahren weiß . Meine Stellung legt mir hoffentlich nicht die Verpflichtung auf , Freundschaftsbeziehungen zu meiden , die rein privater Natur sind . “ „ Nicht ? Ich bin vom Gegentheil überzeugt . Es wird sich bei Ihrer Rückkehr ja zeigen . Vergessen Sie nicht , Georg , daß Sie unter dem Regimente eines Raven stehen ! “ „ Ich glaube nicht , daß mein Chef sich so eingehend um die Ferienreisen seiner Beamten kümmert , “ sagte Georg ruhig . „ Er ist allerdings von einer eisernen Strenge in allem , was den Dienst betrifft , macht sich aber niemals in Privatverhältnisse . Die Gerechtigkeit muß ich ihm widerfahren lassen , wenn ich auch sonst keineswegs zu seinen Freunden gehöre . Sie wissen ja , ich bin ein entschiedener Gegner der Richtung , die er vertritt , also auch der seinige , wenn ich als sein Untergebener auch vorläufig noch zum Schweigen und Gehorchen verurtheilt bin . “ „ Vorläufig ? “ wiederholte der Doctor in schneidendem Tone . „ Ich sage Ihnen , er wird Sie dauernd Schweigen und Gehorsam lehren , und wenn Sie sich nicht gelehrig zeigen , wird er Sie erdrücken und verderben . Das ist so seine Art , wie die all dieser verächtlichen Emporkömmlinge . “ Georg schüttelte ernst den Kopf . „ Sie gehen zu weit . Der Freiherr hat viele Feinde , und ich glaube , daß im Geheimen sehr viel Haß und Bitterkeit gegen ihn genährt wird – Verachtung aber hat ihm noch Niemand zu bieten gewagt . “ „ Nun wohl , so thue ich es , “ rief der Doctor mit ausbrechender Heftigkeit . „ Und ich habe wahrlich Grund dazu . “ Der junge Mann sah ihn schweigend an ; dann , nach einer secundenlangen Pause , legte er die Hand auf seinen Arm . „ Herr Doctor Brunnow , verzeihen Sie eine vielleicht indiscrete Frage . Was liegt eigentlich zwischen Ihnen und meinem [ 144 ] Chef ? So oft sein Name genannt wird , verrathen Sie eine Bitterkeit , die unmöglich nur der politischen Gegnerschaft entstammen kann . Sie scheinen ihn genau zu kennen . “ Brunnow ’ s Lippen zuckten . „ Wir waren einst Jugendfreunde , “ entgegnete er dumpf . „ Unmöglich ! “ rief Georg . „ Sie und – “ „ Freiherr Arno von Raven Excellenz , Gouverneur der -schen . Provinz und intimer Freund und Günstling der jetzigen Machthaber , “