Glück auf ! Von E. Werner , Verfasser von „ Ein Held der Feder “ und „ Am Altar “ . Die Hauptkirche der Residenz war trotz der späten Nachmittagsstunde noch dicht gefüllt . Die Menge der Anwesenden und der reiche Blumenschmuck des Altars drinnen , sowie die lange Reihe wartender eleganter Equipagen draußen ließen darauf schließen , daß die Trauung , welche hier vollzogen werden sollte , auch in weiteren Kreisen Interesse und Theilnahme erregte . Die Haltung der Zuhörer war die gewöhnliche bei solchem Anlaß , wo die Heiligkeit des Ortes jede lautere Aeußerung der Neugierde oder Theilnahme verbietet , eine erwartungsvolle Unruhe , ein Flüstern und Zusammenstecken der Köpfe in einzelnen Gruppen , und eine gespannte Aufmerksamkeit für alles , was in der Nähe der Sacristei vorging , endlich ein allgemeines Ah ! der Befriedigung , als die Thüren derselben geöffnet wurden und mit den ersten Tönen der Orgel , die jetzt einfielen , der Brautzug erschien . Es war eine zahlreiche und glänzende Versammlung , die sich hier um den Altar und das Brautpaar gruppirte . Reiche Uniformen , schwere Sammet- und Atlasroben , duftiges Spitzengewebe , Blumen und Diamanten , das alles schimmerte , wogte und rauschte durcheinander , in einer wahrhaft blendenden Pracht . Die Geburts- und die Geldaristokratie schienen in ihren hauptsächlichsten Vertretern anwesend zu sein , um der Ceremonie einen erhöhten Glanz zu verleihen . Zur Rechten der Braut , als der Erste unter den Gästen , stand ein hoher stattlicher Officier , dessen Uniform und dessen zahlreiche Orden auf eine längere militärische Laufbahn deuteten . Seine Haltung war einfach und würdevoll , der bevorstehenden Feierlichkeit angemessen , und doch schien es , als berge sich hinter dem Ernste dieser Züge etwas , das nicht zu dem frohen Anlaß passen wollte . Es war ein eigenthümlich düsterer Blick , der auf dem Brautpaar ruhte , und als er , sich von diesem abwendend , die dicht gefüllte Kirche streifte , da zuckte es wie unterdrückter Schmerz oder Zorn durch die stolzen Züge , und die festgeschlossenen Lippen zitterten leise . Ihm gegenüber , in unmittelbarer Nähe des Bräutigams , stand ein anderer Herr in Civiltracht , gleichfalls schon in vorgerücktem Alter , gleichfalls , wie es schien , zum nächsten Verwandtenkreise gehörig , aber weder die Brillantenverschwendung , die er in Uhr , Ringen und Tuchnadeln zur Schau trug , noch die ungeheuer selbstbewußte Haltung vermochten ihm auch nur einen Schimmer jener Vornehmheit zu geben , die sein Gegenüber in so hohem Maße besaß . Die ganze Erscheinung war entschieden gewöhnlich , um nicht zu sagen gemein , und selbst der Ausdruck unverhohlenen Triumphes , der jetzt darauf lag , war nicht im Stande , ihr ein anderes Gepräge zu geben . Es war in der That ein unendlicher Triumph , mit dem er das Brautpaar betrachtete und dann auf die glänzende Versammlung , auf die dicht besetzten Reihen der Kirchstühle schaute , eine Genugthuung , mit der man die Erreichung eines langerstrebten Zieles begrüßt und empfindet ; ihm trübte sicher kein Schatten die Freude an der bevorstehenden Festlichkeit . Diese beiden Männer schienen aber auch die einzigen zu sein , die ihr ein tieferes Interesse widmeten , das Brautpaar zum Mindesten that es nicht . Der fremdeste , unbetheiligtste der Gäste hätte keine vollendetere Gleichgültigkeit bei dem feierlichen Act zur Schau tragen können , als diese beiden Menschen , die in wenig Minuten einander für immer angehören sollten . Die etwa neunzehnjährige Braut war unleugbar ein schönes Mädchen , aber es wehte etwas wie ein eisiger Hauch um sie her , der wenig zu dem Ort und der Stunde paßte . Das Licht der Altarkerzen spielte in den schweren Falten des weißen Atlasgewandes , es blitzte in den Diamanten des kostbaren Schmuckes , aber es fiel auf ein Antlitz , das mit der Schönheit des Marmors auch dessen ganze Kälte und Starrheit empfangen zu haben schien , wenigstens für diese Stunde , die doch sonst selbst die kälteste Ruhe zu beleben pflegt . Das Aschblond der schweren Flechten , in denen der Myrthenkranz lag , contrastirte seltsam mit den dunklen Augenbrauen und den dunklen , fast schwarzen Augen , die sie kaum ein- oder zweimal während der ganzen Ceremonie zu dem Geistlichen emporhob . Das regelmäßige , etwas bleiche Gesicht , an dessen Seiten der Brautschleier niederfloß , trug den Ausdruck jener Vornehmheit , die wohl angeboren , aber nicht anerzogen werden kann . Vornehmheit war überhaupt das vorherrschende Element in dieser Erscheinung , sie verrieth sich nicht blos in den zart und [ 2 ] edel gezeichneten Linien der Züge , auch in der Haltung , in dem ganzen Wesen prägte sie sich so deutlich aus , daß jede andere , vielleicht charakteristischere Eigenschaft davor in den Hintergrund trat . Die junge Dame schien nur geschaffen , um auf den Höhen des Lebens einherzuschweben und nie mit dem in Berührung zu kommen , was sich etwa noch von Menschen und Verhältnissen da unten regte . Und trotz alledem lag in den dunklen Augen etwas , das mehr Energie und Charakter verrieth , als man bei einer Salondame zu finden pflegt , und vielleicht forderte gerade die jetzige Stunde diese Energie und diesen Charakter in die Schranken , denn die Blicke des Herrn in Uniform zu ihrer Rechten und der drei jüngeren Officiere , die hinter ihm standen , hafteten , je weiter die Ceremonie vorschritt , desto forschender , ängstlicher auf ihrem Gesichte , das indessen so kalt und ruhig blieb , wie es vom ersten Momente an gewesen . Der Bräutigam an ihrer Seite war ein junger Mann von etwa achtundzwanzig Jahren , eine jener nicht eben seltenen Gestalten , die wie eigens geschaffen scheinen für den glänzenden Rahmen der Salons , die nur auf diesem Boden ihre Bedeutung finden , ihre Triumphe feiern und ihr Leben hinbringen . Von tadelloser Eleganz in Haltung und Toilette , verrieth sein ganzes Wesen gleichwohl den Höhepunkt der Blasirtheit . Die