Am Altar . Von E. Werner , Verfasser des „ Helden der Feder “ . Der Herbstmorgen war grau und trübe . Der Nebel lagerte noch feucht und dicht auf der Erde , er hing in schweren Tropfen an den dunklen Tannenzweigen und deckte als leichter weißer Reif den Boden der kleinen Waldlichtung , die inmitten der umfangreichen S. ’ schen Forsten lag . Am Rande der Lichtung stand ein junger Bursche von vielleicht sechszehn oder siebzehn Jahren in der groben Uniform , wie sie die Leute des königlichen Försters gewöhnlich trugen , eine gedrungene kräftige Gestalt , die Jagdtasche an der Seite , das Gewehr auf der Schulter . Er schien augenblicklich jedoch keine Jagdzwecke zu verfolgen , sondern stand ruhig an einen Baum gelehnt und blickte mit gleichgültiger Miene in den Wald hinaus , als ein fernes Geräusch seine Aufmerksamkeit erregte . Es klang wie der Galopp von Pferden , der immer näher kam und in einiger Entfernung von der Wiese plötzlich aufhörte ; [ 2 ] statt dessen vernahm man Fußtritte , gedämpfte Stimmen wurden laut , Sporen klirrten ; gleich darauf rauschten die Gebüsche und mehrere Officiere traten auf den freien Platz . „ Wir sind die Ersten , scheint es ! “ sagte der eine von ihnen , ein schöner hochgewachsener Mann in der Uniform eines Cavallerierittmeisters , indem er flüchtig den Ort musterte . Einer seiner Begleiter zog die Uhr . „ Erst drei Viertel auf Acht ! Wir sind zu scharf geritten ; vor Acht werden sie schwerlich hier sein . Ihr hättet übrigens keinen schlechtern Morgen wählen können ; der verdammte Nebel hindert ja überall ! “ Der Rittmeister zuckte leicht die Achseln . „ Bah ! Auf unsere Distance sieht man klar genug . Wer von Euch hat die Pistolen ? “ „ Halt ! “ rief plötzlich einer der jüngeren Officiere . „ Wir sind nicht allein ! Wer steht dort ? “ Er wies auf den jungen Jäger am andern Ende der Wiese , der die Ankommenden mit einem raschen scharfen Blick gemustert hatte , aber , ohne sich weiter um sie zu kümmern , stehen geblieben war . „ Irgend ein Jägerbursche , “ sagte der Rittmeister gleichgültig hinübersehend . „ Indessen , er scheint hier Posto gefaßt zu haben . Saalfeld , sieh zu , daß Du den Menschen wegbringst ; er könnte uns stören . “ Der Angeredete folgte der Weisung , indem er über die Wiese schritt und die Unterhandlung mit dem Betreffenden einzuleiten begann ; diese schien aber nicht das gewünschte Resultat zu haben , denn nach Verlauf von fünf Minuten kehrte der Lieutenant aufgeregt und hochroth im ganzen Gesicht zu seinen Cameraden zurück . „ Nun ? Was giebt es ? “ trat ihm der Rittmeister entgegen . „ Der Mensch will nicht fort ! “ rief Saalfeld heftig . „ Er ist widerspenstig und unverschämt im höchsten Grade ; wir werden ihn zwingen müssen ! “ „ Damit er Lärm macht , uns seine Cameraden oder gar den Förster auf den Hals hetzt und dadurch vielleicht das ganze Recontre in Frage stellt , nicht wahr ? Mit Zwang ist hier nichts auszurichten ; Du wirst den Burschen mit Deiner brüsken Manier gereizt und uns wieder unnöthige Schwierigkeiten bereitet haben . Ich werde selbst mit ihm sprechen . “ Damit schritt der Rittmeister , von den übrigen Officieren gefolgt , auf den Jäger zu und redete ihn leutselig an . „ Hast Du hier an dem Orte irgend etwas zu thun , mein Junge ? “ „ Nein ! “ lautete die sehr lakonische Antwort . „ Oder wartest Du vielleicht auf den Förster oder auf sonst Jemand ? “ „ Nein ! “ „ Nun , dann wirst Du uns wohl auch ohne Schwierigkeit den Platz räumen . Wir beabsichtigen hier Schußwaffen zu probiren und wünschen dabei ungestört zu sein . Hier ist ein Trinkgeld für Deine Gefälligkeit ; geh jetzt und laß uns allein ! “ Die Worte wurden mit ruhiger , freundlicher Herablassung , aber doch in einem Tone gesprochen , der keinen Widerspruch zuließ , und die ganze Art und Weise hatte etwas so Imponirendes , daß das Gehorchen sich von selbst zu verstehen schien ; aber ob der Jägerbursche nun zu Denen gehörte , die sich nicht imponiren ließen , oder ob die brüske Art des Lieutenant Saalfeld , der im Tone des Befehls seine Entfernung verlangt , ihn in der That gereizt hatte , – er kümmerte sich durchaus nicht um den dargebotenen Thaler , sondern entgegnete trocken : „ Danke , Herr Officier ! Ich bleibe hier ! “ „ Aber ich sage Dir doch , daß wir hier Schießübungen vornehmen wollen ! “ In der Stimme des Rittmeisters verrieth sich bereits einige Ungeduld . „ Meinetwegen ! “ war die kaltblütige Antwort . „ Mich hindert das nicht . “ „ Aber uns ! “ rief der Officier , nun auch gereizt werdend . „ Wir wünschen überhaupt keinen Zuschauer , Du hörst es ja ! “ Der junge Jäger lehnte sich ruhig wieder an seinen Baum . „ Ja , das höre ich . Ich bleibe aber nun einmal hier . Wenn also durchaus Einer von uns gehen muß , so – “ „ Unverschämter Bursche ! “ brauste Lieutenant Saalfeld auf und legte die Hand an seinen Degen . Der junge Mensch trat einen Schritt zurück , sah ihn von oben bis unten an , nahm dann langsam sein Gewehr von der Schulter und untersuchte den Hahn desselben . So ruhig und kaltblütig diese Bewegung auch ausgeführt wurde , den Officieren trat doch das Herausfordernde derselben vor Augen ; sie nahmen eine drohende Haltung an , und der Widerspenstige hätte seinen Trotz vielleicht arg büßen müssen , wäre der Rittmeister nicht dazwischen getreten ; auch er war offenbar heftig gereizt , aber er beherrschte sich . „ Keine Gewaltthätigkeiten ! “ sagte er leise , doch in sehr entschiedenem Tone . „