Se dohn sick wat to gude » Nu will wi uns wat to gude dohn « , sagte Frau Marthe ; da ging ihr Mann , der Schustermeister , aus der Haustür , und die Frau » Naversch « watschelte hinein . › Aha ‹ , dachte der Meister , der es gehört hatte , › nu geit ' t över Koffee und Zucker her . ‹ Als er aber nach einer halben Stunde wieder nach Hause kam , da ging » Fru Naversch « eben wieder aus der Stube , und die Kaffeetassen standen unberührt auf dem Brett über der Tür . Da konnte der Mann gar nicht begreifen , was doch die Weiber sich zugute täten . Es dauerte aber nicht lange , so ging er wieder aus dem Hause und sagte , daß er so bald nicht wiederkommen würde . Kaum ist er um die nächste Ecke , so hört er noch seine Frau rufen : » Kumm Se ' n bät um , Naversch , nu will wi uns recht wat to gude dohn « ; und wie er so über die Straßensteine schreitet , so kann er ' s immer nicht loswerden , und er muß immer denken : › Wat willt se sick denn to gude dohn ? ‹ Kaum kommt er wieder nach Hause , so geht » Naversch « aus der Tür , und die Tassen stehen ruhig auf ihrem Platz , ist auch sonst nichts gerührt . Da nimmt der Mann seine Marthe vor und fragt : » Na , laat mi doch oock mal wäten , wat jüm jüm denn to gude doht ! « Die Frau aber sagt , daß sei nur so eine Redensart , und was sie sich wohl zugute tun sollten ; sie täte sich nichts zugute als mit Arbeit und Plagen den ganzen Tag ; genug , der Mann bekommt ' s nicht heraus . Da dacht er ' s mit List anzufangen – denn es ließ ihm nun einmal keine Ruhe mehr – und sagte eines Nachmittags , er wolle aufs Land gehen . Damit geht er um die nächste Ecke und hört sein Weib an » Fru Naversch « Fensterscheiben klopfen und wie gewöhnlich sagen : » Kumm Se ' rum , Naversch , min Ohl ' is uut ; wi willt uns en bät to gude dohn . « Der Mann aber geht hinten wieder ins Haus hinein und steigt leise die Bodentreppe hinauf ; als er oben ist , bohrt er ebenso leise ein Loch in den Boden und sieht nun deutlich in die Stube hinab . Da sitzen Frau Marthe und Frau Naversch gegeneinander über , die Arme ineinandergeschlagen auf dem Tisch und die Feuerkieken unter den Füßen . › Na ‹ , denkt der Mann , › dohn se sick all wat to gude ? ‹ Aber auf dem Tisch liegt nichts als der wollne Strickstrumpf der Frau Marthe . Und wie die Weiber sich so einander gegenübersitzen , so fangen ihre Augen ordentlich an zu brennen und zu funkeln , so als wenn die Katz einen Kanarienvogel oder eine feine Nachtigall zerreißen will . › Na ‹ , denkt der Mann , › nu geit ' t los ‹ , und erwartet jeden Augenblick , daß die Magd das heimliche Gericht auf den Tisch tragen solle . Es kam aber keins , und doch ging ' s nun in der Tat los , und die Zungen hatten heiße Arbeit . Das war ein ganz anderes Gericht , das blieb nicht bei einem gebratenen Täubchen oder Hühnchen ; die ganze Stadt verschlangen die beiden Weiber ; Väter , Mütter , Bräute , Kinder , alle mußten herhalten , kaum die Wiegenkinder blieben verschont , und war bald von allen kein Haar mehr übrig . Dabei schmatzten sie mit den Lippen , und die Zungen gingen ihnen wie zwei Messerspitzen , und ihre Augen wurden immer brennender und gieriger , daß es genau den Anschein bekam , als wenn sie sich zum Beschluß noch selber verschlingen wollten , damit doch alles verputzt sei und es morgen schön Wetter werde . › Tööf still ‹ , denkt der Meister , steigt leise die Bodentreppe herunter und platzt mit einem Male in die Stube hinein . Da wurden die Weiber auf der Stelle ruhig , Frau Marthe nahm hastig den Strickstrumpf in die Hand ; Fru Naversch wickelte die Schürze um die Arme und wollte zur Tür hinaus . » Tööf still « , sagte der Mann und verschloß die Tür , » nu paß mal op , nu will ick mi mal wat to gude dohn . « Somit nahm er den Knieriemen von seinem Schustertisch , kriegte seine Frau Marthe beim Kranshaken und fing an , sie etwas durchzugerben , wobei er in einem fort ausrief : » Dat is för Hans und dat is för Greth , und dat is för Greth und dat för Hans « , und dabei ging es immer : » Hast du mich gesehen ! « – » Sieh so , « sagte er endlich und warf den Knieriemen wieder auf den Tisch , » up so ' n Maaltied , as du von Dag holen hest , schall so ' n Motschion di wull gut dohn . « Dann schloß er die Tür auf , und Fru Naversch schlich wie ' ne Katze aus der Stube . » Nu nehm Se sick in acht « , rief der Meister hinterdrein , » dat ick mi nich ock ' n mal bi Är to Gaste laad . « Seit der Zeit haben Frau Naversch und Frau Marthe sich niemals etwas wieder zugute getan ; denn Frau Marthe hatte allen Appetit auf ihre Nebenmenschen verloren ; und – Schnipp , schnapp , schnuut , min Stück is uut ! – » Das ist ein sonderbares Stück , Claas « , sagte ich und putzte mit meinem Taschenmesser unser Lichtendchen ; » das hast du wohl