Ganghofer , Ludwig Der Ochsenkrieg www.digitale-bibliothek.de / ebooks & nbsp ; Diese Datei wurde aus den Daten des Bandes DB125 : Deutsche Literatur von Luther bis Tucholsky mit der Software der Digitalen Bibliothek 5 erstellt und ist nur für den privaten Gebrauch des Nutzers der CD-ROM bzw. der DVD-ROM bestimmt . Bitte beachten Sie die Urheber- und Leistungsschutzrechte der Rechteinhaber der Daten . Ludwig Ganghofer Der Ochsenkrieg Roman aus dem 15. Jahrhundert Peter Rosegger in Verehrung Erstes Buch 1 Er nahm den Zügel straffer und versetzte dem schnaubenden Gaul einen Hieb mit der Reitpeitsche . Das Tier zuckte zusammen , bewegte aber keinen Huf , stierte mit vorgequollenen Augen auf die grauen Tümpel des Sumpfbodens und fing zu zittern an . Dem jungen Reiter brannte der Zorn im Gesicht . Wieder hob er die Peitsche . Doch er schlug nicht , ließ die Gerte sinken und schob sie hinter den Ledergürtel . Während er unter beruhigendem Zureden dem Pferde den Hals tätschelte , sah er prüfend an dem Tier hinunter . Der schlanke Pongauer Rappe hatte ein reichlich Teil seiner glänzenden Schwärze eingebüßt . Die Beine waren bis an den Bauch herauf in das Grau des zähen Schlammes gewickelt , durch den der Weg des Tieres gegangen war . Die Hand auf die Kuppe des Pferdes stützend , sah der Reiter hinter sich . Zwischen Moosbüscheln konnte er auf eine weite Strecke , bis hinüber zum Waldsaum , die Spuren seines Rittes gewahren , diese tiefen , schon mit Wasser vollgelaufenen Stapfen des Pferdes . Die fernsten dieser kreisrunden Wasserlöcher glänzten in der späten Sonne des Sommertages wie blanke Goldstücke . Umkehren ? Der Reiter schüttelte den Kopf . Er guckte über die unruhig bewegten Ohren des Pferdes hinüber . Da vorne war der Boden nicht besser als da hinten . Aber nur vierzig , fünfzig feste Sprünge müßte der Pongauer machen , dann wäre der gute , grüne Almboden da ! Und wie zum Hohn für den ratlosen Reiter schritt da drüben das Weidevieh gemütlich umher : junge , blökende Kalben , Kühe mit schwer schlenkernden Eutern , mächtige Ochsen mit blechig rasselnden Glocken . Der diese heiseren Schellen gehämmert hatte , das war kein guter Glockenschmied . Der Reiter machte einen gütlichen Versuch , das Pferd in Gang zu bringen . Doch der Pongauer zitterte und wollte die tragende Insel , die er nach seinem grauenvollen Einsinken gefunden hatte , nicht verlassen . Sie war so klein , daß der Gaul keinen Schritt nach vorne oder rückwärts machen konnte , ohne in dieses linde Grau zu treten , das keinen Boden hatte . » Moorle « , sagte der Reiter , während er das Pferd an der dicken Mähne zauste , » da wird nichts helfen ! Hinüber müssen wir ! Oder im Dreck das Jüngste Gericht erwarten ! « Langsam gab er dem Pferd die Eisen , immer schärfer . Der Pongauer keuchte . Doch er stand , als wären seine Beine in Stahl verwandelt . » In Herrgotts Namen , so tu noch rasten , ich will geduldig sein ! « Der junge Reiter besah sich die Gegend . Hinter ihm lag der stille Waldberg , über den er von der Berchtesgadener Grenzwach am Hallturm herübergeritten war - ein Ritt , so herrlich wie töricht . Aber das ist so : Alles Schönste des Lebens braucht immer als Vater den Leichtsinn , den man schelten möchte . Und vor ihm , in der Ferne da drüben , stiegen die blauen Bergriesen auf , die Mühlsturzhörner , der Hochkalter und der Steinberg . Da mußte in dem sonnendunstigen Tal dort draußen der Hintersee liegen . Und gleich da drunten , wo sich die lange Waldschlucht gegen halbversteckte Felder weitete , blitzte eine große , weiße Wassersichel , von Röhricht umstanden . Der Taubensee ? Dann mußte der böse Boden , auf den er da geraten war , das verrufene Hängmoos sein , auf das sich die Berchtesgadener Herren bei ihren Pirschgängen nicht gerne verirrten . Verrufen ? Und da drüben lag die schönste Weide , die eine Herde von Kühen und Ochsen nährte ! Und aus einer Grasmulde des tieferen Almgehänges stieg wie ein feiner , blauer Strich der Rauch eines Herdfeuers zum Himmel auf . Mit klingender Stimme schrie der Reiter nach dem Hirten . So ein Viehhirt kennt doch die Wege im Sumpf , wie Gott das Gute kennt im Herzen eines schlechten Menschen . Doch niemand antwortete . Und hinter den westlichen Bergen ging schon die Sonne hinunter . » Moorle ! Jetzt müssen wir vorwärts . « Der Pongauer war anderer Meinung . Kein Zureden , kein Zorn , kein Eisen , keine Peitsche half . Da gab es keinen andern Rat mehr als absteigen und das Moorle führen . Der Reiter tappte gleich beim ersten Schritt hinunter bis übers Knie ; mit Widerstreben gehorchte das Pferd der ungeduldigen Kraft , die den Zügel straffte ; unsicher trat es über den Moosbuckel hinaus , versank bis an die Gurten , schlug verzweifelt mit den Hufen , machte kehrt und kletterte , den am Zügel hängenden Menschen hinter sich herreißend , wieder empor , auf die tragende Insel . Und der Reiter , bis an die Hüften mit Schlamm behangen , schwang sich in den Sattel , um von der Unruhe des Pferdes nicht in den Sumpf gestoßen zu werden . Während der Pongauer heftig zitterte , drehte er den Kopf mit einem Blick , der zu fragen schien : » Wer war jetzt der Klügere von uns beiden ? « Dann schüttelte sich der Gaul , daß die abgeschleuderten Schlammflocken weit hinausflogen über das sumpfige Gehäng . Irgendwo ein Lachen . Der junge Reiter drehte flink das Gesicht . Oberhalb des Bruchbodens sah er zwischen dicken Wacholderbüschen einen roten Fleck - zu groß für eine Blume . Da drüben hockte wohl die Hirtin ? Und die saß wohl schon lange da und guckte zu ? Und lachte ? In Zorn wollte der junge