Reventlow , Franziska Gräfin zu Von Paul zu Pedro www.digitale-bibliothek.de / ebooks & nbsp ; Diese Datei wurde aus den Daten des Bandes DB125 : Deutsche Literatur von Luther bis Tucholsky mit der Software der Digitalen Bibliothek 5 erstellt und ist nur für den privaten Gebrauch des Nutzers der CD-ROM bzw. der DVD-ROM bestimmt . Bitte beachten Sie die Urheber- und Leistungsschutzrechte der Rechteinhaber der Daten . Franziska Gräfin zu Reventlow Von Paul zu Pedro Amouresken 1 Ja , nun sind Sie wieder fort , lieber Freund - Sie fehlen mir sehr , und ich denke mit einiger Wehmut an unser Beisammensein , vor allem an unsere Teegespräche zurück . Es war doch recht hübsch , wenn wir uns aus Regen und Wind in den Tea-room flüchteten und jedesmal Angst hatten , ob unser Kaminplatz auch frei sein würde . Wenn wir anderswo sitzen mußten , waren wir eigentlich immer melancholisch . Man wurde auf einmal gewahr , daß die Welt recht ungemütlich sein kann , und wurde selbst ungemütlich . Sie , lieber Doktor , in erster Linie - oh , Sie konnten sehr ungemütlich sein , wenn Sie anfingen , es ernsthaft zu nehmen und mir die Seele aus dem Leibe herauszufragen . Ich weiß schon - gescheite Männer können das manchmal nicht lassen , aber es ist eine üble Angewohnheit , und ich glaube , sie ist schuld daran , daß man so oft die Dummen vorzieht . Und das könnt Ihr dann wieder nicht begreifen . Lieber Gott , ich denke ja auch manchmal nach , aber es ist immer ungemütlich . Und nun erst zu Zweien - davon bekommt man regelmäßig eine Art moralischen Kater . Sie dürfen mir jetzt auch brieflich nicht zu seriös werden und mich nicht wieder als Problem behandeln - ich bin keines - , sonst prophezeie ich unserer Korrespondenz einen frühen Tod . Einstweilen bin ich noch recht schreibselig aufgelegt , es ist gar so fad , allein in einer fremden Stadt zu sitzen , wenn es regnet , ununterbrochen regnet . Das vielbesprochene Abenteuer , dem ich mein Hiersein verdanke , ist zu Ende . Es lag ja schon in den letzten Zügen , als Sie herkamen . Sie waren wohl etwas mit schuld daran - er wurde mir so langweilig , er war auch wirklich und wahrhaftig langweilig , aber im Anfang habe ich es nicht so gemerkt . Mit Ihnen konnte ich mich jedenfalls viel besser unterhalten . Wenn ich mit ihm drei Stunden hier am Kamin sitzen sollte - du liebe Zeit - ich wäre einfach zersprungen . Ich habe ihn auch nie mit hergenommen , aus Pietät für Sie - in solchen Dingen bin ich sehr pietätvoll , Sie können ganz zufrieden sein . Also , er ist fort - zu seiner Frau und seinen Kindern . Lächeln Sie nicht so niederträchtig , ich kann doch nichts dafür , daß alle möglichen Leute Frau und Kinder haben . Man darf schon froh sein , wenn sie sich nicht scheiden lassen wollen , um einem fürs Leben anzugehören . Davor habe ich schon in frühen Jugendjahren einen nachhaltigen Schrecken bekommen . Da wollte einer mit mir durchgehen , der sechs Kinder hatte und natürlich auch eine Frau . Er sagte mir , ich sei eine Sphinx und er selbst ein Schurke - und das machte mir tiefen Eindruck - ich war noch so ganz dumm . Die große Szene spielte sich in einem Büro ab , und ich hatte das Gefühl , man könne doch eigentlich nicht nein sagen , wenn es so dramatisch herginge . Die Sphinx wirkte wie eine Verpflichtung zu irgend etwas Ungeheuerlichem . - Aber schließlich löste ich mich in Tränen auf und sagte doch nein . Wir sind uns nachher noch oft auf der Straße begegnet , haben aber nie wieder miteinander gesprochen . Er hat mich nur stumm und leidenschaftlich angesehen . Das war eigentlich recht guter Stil , er bekam dadurch eine Art Nimbus für mich , und ich verzieh ihm die sechs Kinder , die mich erst so entsetzt hatten . Aber denken Sie nur , wenn ich damals Romantik und schauervolle Wirklichkeit verwechselt hätte , wie es mir leider späterhin noch manchmal passiert ist ... Nein , ich war meinem Abenteurer hier in der Regenstadt von Herzen dankbar , daß er nicht zum Schurken werden wollte und ruhig heimfuhr . Er hoffte allerdings auf Fortsetzung , aber ich bin nicht dafür . Fortsetzung mit verheirateten Männern ist überhaupt nichts Rechtes , ich hab ' das Ausleihen niemals gerne gehabt . Es ist gerade so , wie wenn man sich von Freundinnen einen Mantel oder Pelz leiht - dann gefällt er mir , kleidet mich besonders gut , und ich ärgere mich , wenn ich ihn zurückgeben soll . Man kann es auch vergessen oder etwas daran ruinieren , und dann ärgert sich die Freundin . Es gibt immer leicht Unannehmlichkeiten für beide Teile . Übrigens habe ich gar nicht erst versucht , ihm das zu erklären , es ist unpraktisch , sich mit dem objet aime über diese Fragen zu unterhalten . Ich finde es viel hübscher , wenn er sich bei der Heimreise auf ein Wiedersehen freut . Und Sie ? - Sie können es sicher immer noch nicht begreifen , daß ich mich in ein objet verlieben kann , aus dem ich mir im Grunde gar nichts mache , mit dem man sich nach zwei , drei Stunden zu Tode langweilt und nie im Leben ein richtiges Teegespräch führen könnte . Aber Sie dürfen eigentlich ganz damit einverstanden sein , ich meine , es hat sich doch immer alles aufs schönste ergänzt . Mir schien auch , daß Sie sich in Ihrer diesmaligen Rolle als Konversationsliebe ganz wohl fühlten . Zu Ihnen flüchtete ich mich immer wieder , wenn er gar zu stumpfsinnig wurde . Nur , wenn wir einmal unseren richtigen Platz nicht bekamen und Sie , fern vom Kamin , zu tiefgründig waren