Thoma , Ludwig Der Wittiber www.digitale-bibliothek.de / ebooks & nbsp ; Diese Datei wurde aus den Daten des Bandes DB125 : Deutsche Literatur von Luther bis Tucholsky mit der Software der Digitalen Bibliothek 5 erstellt und ist nur für den privaten Gebrauch des Nutzers der CD-ROM bzw. der DVD-ROM bestimmt . Bitte beachten Sie die Urheber- und Leistungsschutzrechte der Rechteinhaber der Daten . Ludwig Thoma Der Wittiber Ein Bauernroman Erstes Kapitel » Um d ' Kathi is schad ; dös behaupt ' i , weil ' s wahr is , und koa besserne Hauserin is weit umadum net g ' wes ' n « , sagte der Zwerger von Arnbach , und Männer und Weiber , die beim Leichentrunk saßen , nickten beistimmend . » De Ehr ' muaß ihr a niada Mensch lass ' n , daß ihr d ' Arbet guat vo da Hand ganga is . « » Han ? « Die Fischerbäuerin von Neuried redete undeutlich , weil sie ein tüchtiges Stück Wurst kaute ; aber wie sie es hinuntergeschluckt hatte , wiederholte sie ihre Worte . » Daß ihr d ' Arbet guat von da Hand ganga is , sag i. « » Und halt vastanna hat sie ' s aa « , rief einer über den Tisch hinüber . » Freili hot sie ' s vastanna . Und gar so viel a guate Melcherin is sie g ' wesen , « sagte die Fischerbäuerin , die als Schwester der Verstorbenen heute ein Aufhebens machen durfte . » Solchene muaß it viel geb ' n , und it leicht , daß a mal a Kuah nach ihr ausg ' schlag ' n hat , und vo drei Strich hat sie so viel Milli ausg ' molka , wia ' r an anderene aus vieri . « » Und g ' rat ' n is ihr alssammete , « rief die Huberin von Glonn , » sie hat a niad ' s Kaibi durchbracht ; und bal sie oans no so g ' ring herg ' schaugt hat , is ihr it umg ' stanna . « » Was mög ' st ? « fragte der Zwerger , den die Fischerbäuerin anstieß . » Ah so ! Geh , teat ' s d ' Würscht no mal her ! « Und er gab der Nachbarin hinaus , die mit Messer und Gabel darüberging und wehleidig sagte : » Es is schad um sie , weil sie gar so viel a guate Melcherin war . « Der Schormayer von Kollbach hörte die Lobreden oder hörte sie nicht ; er schaute verloren an sein Bierglas hin ; und wenn er den Deckel aufmachte und eines trank , geschah es auch gedankenlos und ohne Genuß . » Was hoscht jetzt an Sinn ? « fragte ihr der Zwerger . » Wia ? « » Was d ' an Sinn hoscht ? Übergibst , oda machst alloa furt ? « » I bin do it alloa . « » Ja no , die Tochta werd aa it ledi bleib ' n mög ' n ; und bal sie heiret , was is nacha ? « » Dös woaß i jetzt aa it . « » Geh , Zwerger , laß guat sei ! Wer red ' t denn von Übageb ' n , bal ma d ' Muatta erst vor a Stund ei ' grab ' n hamm ? « Der Schormayer Lenz sagte es , und zeigte sich überhaupt als rechtsinnigen Menschen , der auch im Unglück seine fünf Sinne beisammen hat , indem er acht gab , daß beim Leichenmahl alles mit Ordnung ging und Verwandte und Gefreundete herzhaft zugriffen . » Ja no , « antwortete der Zwerger , » mi red ' t grad ; und wer woaß , wann mi wieda beinand is . Und es is guat g ' moant g ' wen , Schormayer ; des sell derfst g ' wiß glaab ' n. « » Wia ? « » I sag , daß i dir nix Schlecht ' s moan , und nix für unguat ! « » Na , na ! « » Bal d ' Kathi bei ' n Leb ' n blieb ' n waar , kunnt ' st freili no a fünf Jahr regier ' n , aber a so werd ' s dir hart o ' kemma . « » Ja , ja . « » Sie is so viel a guate Melcherin g ' wen , und in Stall überhaupts hat ' s koa besserne gar it geb ' n , « sagte die Fischerbäuerin , indes sie einen Löffel Rübenkraut zum Schweinefleisch nahm . » Der Herr gebe ihr die ewige Seligkeit und lasse sie ruhen in Frieden , Amen ! « rief am untern Ende eine scharfe Stimme , die zu den frommen Worten nicht recht paßte . Und sie ging von der Asamin aus , die mit einem kleinen Gütler ein armseliges und streiterfülltes Leben führte . Sie hatte aber auch mit der Katharina Schormayer eine Schwester begraben und mußte deswegen an diesem traurigen Tage gehört werden . » Amen ! « responsierten die Verwandten und Gefreundeten , und räusperten sich dazu ; denn sie gönnten der Asamin nicht , daß sie das Wort führen sollte . Dann war es still ; bloß daß man Gabeln und Messer auf den Tellern kratzen hörte , oder auch einen , der seufzte , oder einen , der sagte : » Ja no ! Jetzt is scho amal a so . « Nach einer Weile jedoch brachte der Zwerger die Unterhaltung wieder in Fluß . » Des muaß mi sag ' n , schö hat da Herr Pfarra g ' redt , und g ' rad fei ' hat a sei Sach ' fürbracht . « » Er hot überhaupts a guat ' s Mäuwerk « , lobte der Schneiderbauer ; » da is er ganz anderst wia der inser in Arnbach . Der sell ko