Meysenbug , Malwida Freiin von Himmlische und irdische Liebe www.digitale-bibliothek.de / ebooks & nbsp ; Diese Datei wurde aus den Daten des Bandes DB125 : Deutsche Literatur von Luther bis Tucholsky mit der Software der Digitalen Bibliothek 5 erstellt und ist nur für den privaten Gebrauch des Nutzers der CD-ROM bzw. der DVD-ROM bestimmt . Bitte beachten Sie die Urheber- und Leistungsschutzrechte der Rechteinhaber der Daten . Malwida von Meysenbug Himmlische und irdische Liebe Es war noch im päpstlichen Rom , wo eines Abends vor dem Eingangstor eines der alten großen Paläste eine Menge müßiger Zuschauer stillstand , Arbeiter , Mädchen und Frauen , die von der Arbeit heimkehrten und offenbar hier etwas Sehenswertes zu erblicken hofften . » Höre , Checco , « sagte eine schwarzäugige Dirne , die einen abgefärbten alten Schal nachlässig um die Schultern gezogen hatte , zu einem jungen Burschen , der neben ihr stand , » da ist heute wohl wieder eine große Versammlung da oben in der Arkadia , etwas Besonderes ? « » Das will ich meinen , Peppina , « erwiderte der Gefragte ; » eine berühmte Improvisatrice wird sich hören lassen , sie soll prächtige Verse machen , so gleich frisch weg , wenn man ihr eine Aufgabe gibt . Ich habe immer gedacht , da müßte man viel studieren , um Verse zu machen , wie unser Ariosto und Tasso . « » Ach was , ich kann ' s auch , « versetzte Peppina lachend ; » da hör mal : Der Checco schwätzt dumme Sachen , die machen mich nur lachen . « » Ei , wie artig ! Nicht einmal solche Lumperei hätt ' ich dir zugetraut , « versetzte Checco spöttisch . » Ach , du bist ein Grobian , « sagte Peppina und machte ihm eine Grimasse ; » aber sieh , « rief sie , als ein heranrollender Wagen ihre Aufmerksamkeit erregte , » wer kommt in der prächtigen Kutsche - hm , und die goldbesetzten Livreen der Diener , das muß was Großes sein ! « » Ja , das ist was Großes und was Schönes , « sagte der Bursch ; » das ist die Herzogin Giulia von Santomara , die schönste Frau der Welt , das wollt ich meinen ! « » Und wer ist der schöne junge Blonde neben ihr ? « fragte das Mädchen . » Na , das ist ein deutscher Prinz , der den Winter hier zubringt ; er wohnt im großen Hotel auf der Piazza di Spagna , wo ich am Morgen beschäftigt bin . Da seh ich ihn oft die Treppe herunterkommen , auch seine zwei Begleiter , und mit dem Diener spreche ich oft , das heißt was man sprechen nennt , er kann kein Wort italienisch , ich kein Wort deutsch , ich zeig ' s ihm aber mit den Fingern , was ich meine , und er versteht ' s , und wir lachen dann zusammen . Er gibt mir auch manchmal ein Glas guten Weines zu trinken , denn er lebt wie ein Signore und hat Essen und Trinken die Fülle . « Inzwischen war der Wagen herangerollt und fuhr eben , dicht an den zwei Schwatzenden vorüber , in den großen Torweg des Palastes ein . » Ach , ist die hübsch , die Blonde ! Die könnte mir gefallen , « sagte Checco , indem er auf ein junges Mädchen zeigte , das in einem neu heranrollenden Wagen neben einer älteren Frau saß . Der Wagen hielt einen Augenblick still , weil zwei andere Kutschen , dem Wagen der Herzogin folgend , noch unter dem Torweg hielten , und eine Frau aus dem Volke trat rasch hervor und reichte dem jungen Mädchen im Wagen einen schönen Blumenstrauß , indem sie einige Worte dabei sagte , die dieses mit freundlichem Neigen des Kopfes und einem Dankeswort annahm . » Wer ist denn die Signorina , Sora Vittoria ? « fragte Peppina , sich an die Frau wendend , während der Wagen in den Torweg einfuhr . » O , das ist ja die berühmte Improvisatrice , « entgegnete die Gefragte ; » sie wohnt oben im Haus , wo ich unten meine Bottega habe , da kommt sie öfter zu mir herein , um Gemüse oder Obst zu kaufen und bleibt dann ein Weilchen , um von diesem oder jenem zu reden , und dabei lerne ich sie kennen . O , sie ist lieb und gut wie ein Engel aus dem Paradies . « » Und die andere , ist das ihre Mutter ? « fragte Peppina . » Nein , ihre Mutter und ihr Vater sind tot ; das ist eine alte Verwandte , glaub ich , die bei ihr lebt , weil sie zu jung ist , um so allein zu reisen . « » Ist die auch so gut ? « fragte Checco ; » sie sieht garstig aus , pfui ! « » Nein , die ist auch nicht gut , sie hat immer was zu zanken , besieht erst alle Ware , wirft sie dann hin und behauptet , sie wäre schlecht und ich habe doch nichts als gute zum Verkauf , nie klagen meine anderen Kunden . Und dabei tut sie so stolz , als ob sie etwas viel Besseres wäre wie unsereiner . Aber es ist spät , ich muß nach Haus , ich habe nur der lieben Signorina ein schönes Bukett bringen wollen . « Mit diesen Worten , » buona sera « wünschend , ging sie eilig von dannen , und auch Peppina und Checco begaben sich , miteinander lachend und plaudernd , auf den Heimweg . Unterdessen hatte sich oben in den Sälen der Arkadia eine zahlreiche Versammlung eingefunden . Viele Mitglieder der römischen Aristokratie , vornehme Prälaten und Kardinäle , eine große Anzahl geistlicher Herren , Gelehrte und viele Angehörige des römischen Bürgerstandes nahmen an den Sitzungen der Akademie , zu jener Zeit die einzige derartige literarische