May , Karl Und Friede auf Erden ! www.digitale-bibliothek.de / ebooks & nbsp ; Diese Datei wurde aus den Daten des Bandes DB125 : Deutsche Literatur von Luther bis Tucholsky mit der Software der Digitalen Bibliothek 5 erstellt und ist nur für den privaten Gebrauch des Nutzers der CD-ROM bzw. der DVD-ROM bestimmt . Bitte beachten Sie die Urheber- und Leistungsschutzrechte der Rechteinhaber der Daten . Karl May Und Friede auf Erden ! Erstes Kapitel Ein Eiferer » Ich bin Sejjid Omar ! « Wie stolz das klang , und wie beweiseskräftig die Gebärde war , mit welcher er diese Worte zu begleiten pflegte ! » Ich bin Sejjid Omar , « das sollte sagen : » Ich , Herr Omar , bin ein studierter , schriftkundiger Abkömmling des Propheten , welcher der Liebling Allahs ist . Mein Name wurde mit allen meinen persönlichen Vorzügen in die heilige Stammrolle zu Mekka eingetragen ; darum habe ich das Recht , ein grünes Oberkleid und einen grünen Turban zu tragen . Wenn ich sterbe , wird die Kuppel meines Grabmals grün angestrichen und mir die Tür des obersten der Himmel gleich geöffnet sein . Respekt also vor mir ! « Was aber war dieser Sejjid Omar ? Ein Eselsjunge ! Er hatte seinen » Stand « an der Esbekije in Kairo , dem Hotel Kontinental , in welchem ich wohnte , gegenüber . Ein schön und kräftig gebauter , junger Mann von wenig über zwanzig Jahren , war er mir durch seinen steten Ernst und die angeborne Würde seiner Bewegungen aufgefallen . Ich beobachtete ihn gern von meinem Balkon aus , und wenn ich unten auf dem prächtigen Vorplatze des Hotels meinen Kaffee trank , konnte ich ihn sprechen hören . Sein Gesicht zeigte zwar auch den Zug von Verschlagenheit , der allen Eseltreibern eigen ist , aber er war nicht aufdringlich und lag seinem Geschäfte in einer Weise ob , als werde Jedem , der sich seines Esels bediente , eine ganz besondere Gunst erwiesen . Er gab sich so wenig wie möglich mit Berufsgenossen ab , und wenn sie ihn für diese Zurückhaltung mit spöttischen Redensarten zu ärgern versuchten , bekamen sie nichts als ein verächtliches » Ich bin Sejjid Omar « zu hören . Wollte ein Fremder mit ihm feilschen , oder wurde ihm irgend Etwas gesagt oder zugemutet , was er für gegen seine Ehre hielt , so wendete er sich mit einem geringschätzenden » Ich bin Sejjid Omar « ab und war dann für den Betreffenden nicht mehr zu sprechen . Die Folge war , daß ich ihm ein ganz besonderes Interesse schenkte , obgleich sich mir keine Gelegenheit bot , ihm dies in Beziehung auf sein Geschäft zu beweisen . Aber Blicke ziehen einander bekanntlich an . Ich bemerkte , daß auch er sehr oft zu mir herübersah . Er schien unruhig zu werden , wenn ich nach dem Mittag- und dem Abendessen mich nicht sofort auf der Terrasse sehen ließ , und so oft ich beim Ausgehen an ihm vorüberkam , trat er , obgleich ich ihn gar nicht zu beachten schien , einen Schritt zurück und legte , still grüßend , die Hände auf die Brust . In dem erwähnten Hotel gibt es zu Seiten des Speisesaales zwischen den Säulen kleinere Tische für Gäste , welche es nicht lieben , an der Tafel enggepfercht zu sitzen . Ich hatte mir einen dieser Tische für mich allein reservieren lassen . Der links davon war nicht besetzt ; an dem zu meiner rechten Hand gab es seit gestern zwei Fremde , welche nicht nur die allgemeine Aufmerksamkeit , sondern auch die meinige auf sich zogen , obgleich ich mir das nicht so wie die Andern merken ließ . Sie waren Chinesen , und zwar Vater und Sohn . Ich erriet das zunächst aus ihrer Aehnlichkeit und hörte es dann aus ihrem Gespräch , denn ihr Tisch stand dem meinen so nahe , daß ich jedes ihrer Worte verstehen konnte . Sie waren nicht in heimische Tracht gekleidet , sondern trugen weiße Reiseanzüge nach französischem Schnitte . Ihre Zöpfe wurden von den Tropenhelmen verborgen , die sie nur während der Tafel abzunehmen pflegten . Gleich als sie gestern den Speisesaal betraten , war mir die ebenso tiefe wie herzlich aufrichtige Ehrerbietung aufgefallen , welche der Sohn dem Vater entgegenbrachte . Das war eine geradezu rührende Aufmerksamkeit und Dienstfertigkeit , welche sogar dem servierenden Kellner jede Handreichung und jeden Griff abzunehmen strebte , um dem Vater Kindesdank und Kindesliebe zu erweisen . Und man sah deutlich , daß dies nichts Gemachtes , nichts Aeußerliches war , sondern als etwas frei und gern Gegebenes aus dem Innern kam . Der Vater trug Augengläser in schwer goldenem Gestell ; der Sohn hatte keine Brille . Sie speisten genau nach unserer Art und taten dies so geläufig und so fehlerlos , so unhörbar und unauffällig , daß manche der übrigen Gäste sich an ihnen hätten ein Beispiel nehmen können . Der mich bedienende Garçon flüsterte mir in Hoffnung auf ein dafür gebotenes Extratrinkgeld zu : » Monsieur Fu und Monsieur Tsi aus China . Kommen aus Paris . Sind wahrscheinlich verwandt miteinander . « » Haben sie sich selbst so eingetragen ? « erkundigte ich mich . » Nein , aber dem Portier so gesagt . « Er sprach die beiden Worte nicht in der richtigen Weise aus ; aber es war klar , daß Fu Vater und Tsi Sohn bedeutete . Im Chinesischen hat dasselbe Wort oft sehr verschiedenen Sinn . Die beiden Gäste hatten ihre Namen nicht genannt und sich einfach als Vater und Sohn bezeichnet . Da hier im Hause Niemand ihrer Sprache mächtig war , so hatte man sie als Monsieur » Vater « und Monsieur » Sohn « in das Fremdenbuch eingetragen und glaubte noch besonders pfiffig zu sein , indem man sie für Verwandte hielt . Sie aber ließen es sich lächelnd gefallen , daß ihr Verwandtschaftsgrad als Namen ausgesprochen wurde . Dem Personale gegenüber