Heyking , Elisabeth von Briefe , die ihn nicht erreichten www.digitale-bibliothek.de / ebooks & nbsp ; Diese Datei wurde aus den Daten des Bandes DB125 : Deutsche Literatur von Luther bis Tucholsky mit der Software der Digitalen Bibliothek 5 erstellt und ist nur für den privaten Gebrauch des Nutzers der CD-ROM bzw. der DVD-ROM bestimmt . Bitte beachten Sie die Urheber- und Leistungsschutzrechte der Rechteinhaber der Daten . Elisabeth von Heyking Briefe , die ihn nicht erreichten 1 Vancouver , August 1899 . Ihr Brief hat mich unendlich erfreut - vor allem , weil er weniger traurig klingt , als ich gefürchtet hatte . Es wäre mir ja beinahe beschämend , wenn Ihnen Peking ohne mich nicht ein bisschen grauer und öder erschiene , und ich möchte etwas von Ihnen vermisst werden - aber nicht zu sehr . Es ist alles eine Frage von Nüancen , und Sie haben , vielleicht durch das jahrelange Studium alter chinesischer Brokate und Porzellane , ein merkwürdig feines Verständnis für Nüancen , und haben genau diejenige getroffen , die mir wohltuend sein musste . Haben Sie also Dank für Ihren Brief , wie für so manches andere ! Unsere kurzen Ferien in Japan sind mit jener erschreckenden Geschwindigkeit vergangen , die den guten Zeiten nun einmal eigen ist . Ich will Ihnen keine nachträgliche Reisebeschreibung schicken , kennen Sie doch Madame Chrysanthêmes Heimat so viel besser als ich ; ich will Ihnen nur sagen , dass ich dort viel an Sie gedacht habe , denn durch alles , was Sie mir erzählt , und durch die Bücher , die Sie mir darüber geliehen , kannte ich Japan schon , als ich hinkam . Es war mir , als fände ich dort lauter alte Bekannte wieder ; in den Teehausmädchen , die unsern Rickshaw-Kulis mit derselben Grazie und Höflichkeit wie uns selbst Tee servierten , wie in den Landarbeitern , welche , hoch aufgeschürzt , oft bis an die Kniee in den sumpfigen Reisfeldern versanken und sich bei Regenwetter Strohdecken überbanden , deren abstehende Halmenden ihnen das Aussehen riesiger , emsiger Igel verliehen . Sie alle erschienen mir wie Gestalten aus einem wohlbekannten Bilderbuch , denen man zunickt : sieh da , sieh da , da seid ihr ja alle . Das erfreulichste Wiedersehen feierte ich aber in Japan mit den vielen Blumen , die ich daheim und anderswo als japonica oder japonicum kennen gelernt hatte , und die ich nun in ihrer Heimat wiedersah , nur viel schöner und duftender ; wie ja auch wahrhaft nette Menschen meist am nettesten in ihrem eigenen Hause sind . Japan ist das erste und einzige aussereuropäische Land , in dem ich mich ankaufen und » for good « bleiben möchte ; oder vielmehr » for better for worse « , was ja ein so viel grösseres Versprechen und Zeichen von Vertrauen enthält . An unserem letzten Morgen in Yokohama hatten wir noch zwei Erlebnisse , ohne die Japan nicht recht Japan gewesen wäre : wir wurden früh durch ein Erdbeben geweckt , und wir sahen den Fusiyama . Der hohe weisse Herr hatte sich bis dahin übellaunig hinter einer Wolkenkappe verborgen , was ich den hohen , einsamen Bergesgipfeln nie verdenke , denn auch jüngeren , geringeren Wesen ist der Anblick der Welt ja oft verdriesslich genug . Als wir schon im Boot sassen , um hinaus an unseren Dampfer zu fahren , ward es plötzlich lichter , und wir sahen die schneeweisse Kuppe , die in Wirklichkeit ganz ebenso unwahrscheinlich aussieht wie auf ihren zahllosen Abbildungen . Es war mir gesagt worden , dass wer am Tage der Abfahrt den grossen Herrn Fusi sieht , sicher nach Japan zurückkehrt . Sie wissen , dass ich , faute de mieux , ziemlich abergläubisch bin - nun wollen wir sehen , ob mich mein Nomaden-Schicksal noch einmal nach dem Lande des Lächelns und der Blumen zurückführen wird . Der erste Mensch , den wir auf dem Dampfer trafen , war Bartolo , der grosse Konzessionenjäger , der so viele Monate im Hotel de Pékin sass , während Sie gerade eine Ihrer geheimnisvollen Reisen in das Innere Chinas unternommen hatten . Damals wollte Bartolo zuerst die nicht vorhandene chinesische Armee mit einem von ihm selbst erfundenen Gewehr versehen , später versuchte er dann einen Plan zur Bewässerung der Wüste Gobi an die chinesische Regierung zu verkaufen . - Wer alle Projekte gehört , die Bartolo und ausser ihm so viele andere zur Beglückung der Chinesen ersannen , der kann das tiefe Mitleid begreifen , mit dem Sie » pauvre , pauvre Chine « zu sagen pflegten . Viel weniger Mitleid hatten Sie für die armen Gesandten , die alle einige Bartolos besassen , von denen sie gedrängt wurden , ihre Wünsche nach phantastischen Konzessionen mit politischer Pression zu unterstützen und nach deren Ansicht die Gesandten nie genug taten , was sich bisweilen in Zeitungsangriffen oder parlamentarischen Interpellationen äusserte . Bartolo erzählte uns gleich strahlend , er hätte seine letzte Konzession erlangt , nicht die von der Wüste Gobi , sondern eine allerletzte , zur Ausbeutung von Rubinminen . Anfänglich sei er nicht recht sicher gewesen , für welche Provinz er die Konzession erbitten solle , ob Kwangsü oder Kwangtung , da er ja beide nicht persönlich kannte und nicht wisse , ob es dort Rubinen gäbe . Schliesslich habe er sich für Kwangtung entschieden , nachdem er etwas im Richthofen nachgeschlagen , diesem Evangelium aller Jünger des neuen Glaubens » Heil durch China « . Mein Bruder und ich waren etwas erstaunt , dass Bartolo diese Konzession so rasch erlangt haben will , um so mehr als die Chinesen ja gerade eine Minenbehörde ernannt haben , deren Hauptaufgabe darin besteht , derartige Angelegenheiten zu verschleppen . Bartolo erzählte uns aber , in dieser Behörde sässen als einflussreichste Mitglieder der alte Tsü und der junge Tsi - dem jungen Tsi habe er in Tientsin die Bekanntschaft einer ebenso gefälligen wie schönen Amerikanerin vermittelt , und der » Nebenfrau « des