Suttner , Bertha von Martha ' s Kinder www.digitale-bibliothek.de / ebooks & nbsp ; Diese Datei wurde aus den Daten des Bandes DB125 : Deutsche Literatur von Luther bis Tucholsky mit der Software der Digitalen Bibliothek 5 erstellt und ist nur für den privaten Gebrauch des Nutzers der CD-ROM bzw. der DVD-ROM bestimmt . Bitte beachten Sie die Urheber- und Leistungsschutzrechte der Rechteinhaber der Daten . Bertha von Suttner Martha ' s Kinder Fortsetzung zu » Die Waffen nieder ! « I » Es lebe die Zukunft ! « Mit diesen Worten schloß Graf Rudolf Dotzky seine Tafelrede . » Und aus diesem Glase , « fügte er hinzu , indem er den Champagnerkelch an die Wand warf , daß er klirrend zerschellte , » darf kein anderer Trunk mehr gemacht werden , und heute , zu meines Erstgeborenen Tauffest , soll auch kein anderer Toast mehr gesprochen werden als dieser : Es lebe die Zukunft ! Nicht unserer Vätersväter - wie die alte Phrase lautet - wollen wir trachten , uns würdig zu zeigen , sondern unserer Enkelsöhne ... Mutter « unterbrach er sich - » was ist Dir ? ... Du weinst ? ... Was siehst Du dort ? « Baronin Martha Tilling hatte ihre großen schwarzen Augen , die so seltsam von dem weißen Haare abstachen , und aus welchen ihr jetzt zwei große Thränen über die Wangen rannen , starr nach dem Garten gerichtet , der vor der offenen Terrassenthür lag . Was sie dort sah , war ein Halluzinationsbild , das oft in ihren Träumen auftauchte : ein alter Mann - ihr Mann , der im Abendsonnenschein mit einer Gartenscheere Rosenbäumchen stutzt . Sie hatten einst , die glücklichen jungen Eheleute , von ihrer fernen Zukunft gesprochen : » Weißt Du , Martha , wenn ich einmal über die Siebzig bin und für das Weltgetriebe nicht mehr tauge , da werde ich mich meiner Liebe zu den Blumen hingeben und Gärtnerei betreiben . « - » O , ich sehe Dich vor mir , ein Hauskäppchen - nicht etwa von mir gehäkelt , derlei grauenvolle Arbeiten mache ich nie - ein Hauskäppchen auf den Silberlocken , in der Hand eine Gartenscheere , mit der Du die welken Blüten von den Rosenstämmen trennst . « - » Ja - und Du sitzest auf der Gartenbank - ein duftiges Spitzentuch auf Deinem ebenfalls schon gebleichten Haar geschmackvoll gesteckt - denn kokett wirst Du immer bleiben - ; in der Hand - also keine Häkelei , sondern das noch geschlossene Buch , aus dem Du mir später vorlesen wirst , und lächelnd siehst Du meiner Arbeit zu ... Wir werden ein glückliches altes Paar sein , Martha ! « Diese Vorstellung hatte sich ihr so eingeprägt , daß sie sich in ihren Träumen wie ein Erlebnis zu wiederholen pflegte . Achtzehn Jahre schon war sie verwitwet und immer noch , wenn sie von ihrem verlorenen Friedrich träumte , sah sie ihn lebend vor sich ; meist so , wie er in der Brautzeit gewesen , und manchmal auch in jene Gestalt , die nur in beider Phantasie entstanden war . An diesem Tage , beim Tauffest ihres Enkelkindes , als Rudolf in seinem Trinkspruch gesagt : » Ja , Mutter , dieses Glas bringe ich dem Andenken Deines ewig Geliebten und ewig Betrauerten , dem auch ich alles verdanke , was ich denke und was ich bin « - da war ihr furchtbar weh ums Herz geworden . Sie saß der offenen Fensterthür gegenüber . Die Strahlen der untergehenden Sonne umwoben einen Rosenstrauch mit zittergoldigem Dunst und davon sich abhebend - ihr Traumbild : sie sieht die Gartenscheere flimmern , das weiße Haupthaar glänzen ... » Nicht wahr , « lächelte er zu ihr herüber , » wir sind ein glückliches altes Paar ? « Durch Rudolfs Frage aufgeschreckt , trocknete sie rasch ihre Augen und erhob sich . Sie nahm den Arm ihres Nachbars zur Rechten - Ritter von Wegemann , Minister a. D. , im Hause unter dem Spitznamen » Minister Allerdings « - oder eines neuerlich angenommenen Gewohnheitswortes wegen - » Minister Andrerseits « bekannt . Man begab sich in den anstoßenden Salon . Es war nur eine kleine Tischgesellschaft gewesen : Außer den schon Genannten Rudolfs Halbschwester Sylvia - der Mutter lebendes Jugendbild ; Gräfin Lori Griesbach , Rudolfs Schwiegermutter ; Doktor Bresser , der langjährige Freund des Hauses und sein Sohn Hugo Bresser ; Graf Anton Delnitzky , der junge Pate des Täuflings ; Oberst Baron Schrauffer , ein alter Anbeter Gräfin Loris und der Ortspfarrer , Pater Protus . Sylvia schänkte den schwarzen Kaffee in die Schalen und reichte diese den Gästen . Jede Bewegung der schlanken , geschmeidigen Gestalt atmete Anmut ; auf dem rosigen Gesichtchen lag ein Schein von gehobener Glückstimmung . Martha und Lori nahmen auf einem kleinen Eckdivan Platz , während die Herren in der Nähe Sylvias blieben . » Also wirklich , « sagte Gräfin Griesbach , » der Toni Delnitzky hat sich erklärt ? Da gratuliere ich ... Und darf man schon laut - - ? « » Nein , nein , ich bitte Dich ! ... Sylvia hat mir die Sache auf dem Wege von der Kirche mitgeteilt - erst morgen wird er bei mir um ihre Hand anhalten . Erst dann , bis ich ja gesagt habe , kann die Verlobung verkündet werden - wenn ich ja sage ... « » Du wirst doch nichts einzuwenden haben ? Einer der größten Epouseure Österreichs ! Daß er ein leichter Vogel war - je nun , das sind sie mehr oder weniger alle - solche junge Leute wie Rudolf findet man nicht wieder . « » Und wenn ich auch einzuwenden hätte ... ich glaube wirklich , daß der beiden Charaktere nicht zueinander passen ... aber Sylvia ist kein Kind mehr ... « » Du kommst mir sehr unschlüssig vor : zuerst wenn ich ja sage und dann wenn ich auch Einwendungen machen wollte , so