Spielhagen , Friedrich Zum Zeitvertreib www.digitale-bibliothek.de / ebooks & nbsp ; Diese Datei wurde aus den Daten des Bandes DB125 : Deutsche Literatur von Luther bis Tucholsky mit der Software der Digitalen Bibliothek 5 erstellt und ist nur für den privaten Gebrauch des Nutzers der CD-ROM bzw. der DVD-ROM bestimmt . Bitte beachten Sie die Urheber- und Leistungsschutzrechte der Rechteinhaber der Daten . Friedrich Spielhagen Zum Zeitvertreib Erstes Kapitel Jetzt nur noch die Speisekammer , rief Adele , von der Küche aus eine schmale , niedrige Thür nach einem winzigen Gelaß öffnend , das durch ein viereckiges , vergittertes Fensterchen spärlich erhellt wurde . Bewunderungswürdig , sagte Klotilde mit einem gelangweilten Blick über die Schulter der Freundin . Nicht wahr ? erwiderte Adele , sich so schnell wendend , daß Klotilde eben nur noch ihr Gähnen verbergen konnte . Zwölf Fuß im Quadrat - nicht mehr - Elimar hat es ausgemessen . Und alles darin untergebracht - selbst die zwanzig Einmachebüchsen , die mir die gute Mama gestern geschickt hat ! Aber Eure Berliner Baumeister habe ich doch auf dem Strich . Alles für den äußeren Schein : Keine Spur von einem Verständnis für das , was eine Hausfrau braucht . Na ! nun wollen wir wieder nach vorn gehen . Das heißt , erst mußt Du mein Kleid für heute abend sehen . Bei der Gelegenheit kann ich Dir gleich auch noch unser Schlafzimmer zeigen . Elimar mag das zwar nicht . Er findet es undelikat . Ich weiß nicht , warum . Dabei ist doch nichts Schlimmes . Meinst Du nicht auch ? Gewiß nicht , sagte Klotilde , honni soit qui mal y pense . Nicht wahr ? Besonders wenn wir Frauen unter uns sind . Und nun gar wir beide ! Lieber Gott , wir haben doch keine Geheimnisse vor einander ! Ach , Klotilde , wenn ich Dich nicht hier hätte in diesem gräßlichen Berlin ! Freust Du Dich nicht auch , daß wir nun wieder beisammen sind ? Ob ich mich freue ! Also das ist Euer Schlafzimmer ? Das ist unser Schlafzimmer ! Klein , aber furchtbar nett . Findest Du nicht ? Und Morgensonne , sagt der Wirt , haben wir auch . Na , in den acht Tagen , daß wir hier sind , hat noch keine geschienen ; und Elimar ist zweifelhaft , ob sie , wenn sie mal scheint , bis zu uns kommt - im Hochsommer , meint er , wäre es möglich . Abwarten , sage ich . Na , wie findest Du es ? Das Kleid , meine ich . Dein Brautkleid ! Also doch ! Also was ? Ich dachte , Du würdest es nicht wiedererkennen . Ich habe es nämlich während der zwei Jahre schon sechsmal angehabt - zuletzt auf dem Kommandanturball - und jedesmal ein bißchen verändert . Das heißt : diesmal nicht - ich hatte keine Zeit . Meinst Du , daß es noch geht ? Die Damen standen vor dem Bett , über welches das Kleid gebreitet war . Das heißt : es muß gehen , fuhr Adele eifrig fort , während Klotilde hier und da einen Zipfel musternd aufhob ; ich habe kein anderes . Dann ist die Sache ja erledigt , sagte Klotilde lächelnd . Ganz meine Ansicht ! rief Adele . Mein Gott , von einer armen Hauptmannsfrau kann man doch nicht verlangen , daß sie wie eine Prinzessin ausstaffiert ist , besonders wenn man eben einen kostspieligen Umzug durchgemacht hat . Ich deutete so etwas gegen Frau Sudenburg an , und weißt Du , was sie erwiderte : Die Tochter meiner besten Freundin ist mir in jedem Kleide willkommen . War das nicht furchtbar nett von ihr . Was wirst Du denn anziehen ? Meine Auswahl ist nicht viel größer , als Deine : arme Hauptmanns- und arme Assessorenfrauen - c ' est toute la même chose . Ich denke , Dein Viktor steht dicht vor dem Regierungsrat ? Dann haben wir was Rechtes . Aber Kind , es ist Zeit , daß ich nach Hause komme . Eile doch nicht so ! Ich habe mich die ganzen gräßlichen acht Tage auf diese Stunde gefreut . Und bin Dir so dankbar , daß Du gleich heute morgen angetreten bist , nach der langen Nachtfahrt . Es war nicht so schlimm , bloß schauderhaft langweilig . Habt Ihr Euch gut amüsiert ? Amüsiert ? In dem miserablen Ostseenest ? Vier Wochen lang dieselben Alltagsgesichter : shopkeepers , Weiber aus Berlin O. , und , wenn es hoch kam , eine pommersche oder mecklenburgische dicke Gutsbesitzerfrau . Das wird für Viktor auch nicht gerade etwas gewesen sein . Viktor ? Er hat mich bloß hingebracht und wieder abgeholt . Die ganze übrige Zeit in Kopenhagen , Stockholm , und ich weiß nicht wo . Du kennst ihn doch . Die Rosinen in dem Kuchen kommen immer auf sein Teil . Aber den Kindern ist es doch gut bekommen ? Hoffentlich . Ich freue mich so furchtbar darauf , sie endlich einmal zu sehen . Nach den Photographien , die Du mir geschickt hast , müssen es wahre Engel sein . Ich kann es nicht finden . Du wirst Dich ja morgen überzeugen . Ich muß jetzt wirklich fort . Viktor kommt um vier Uhr aus dem Amt . Elimar schon um Drei . Er muß gleich hier sein . Er wird mir es nicht vergeben , wenn ich Dich fortgelassen habe - seine alte Flamme ! Warum hat er dann Dich geheiratet ? Du hattest es gar so eilig , unter die Haube zu kommen . Weißt Du übrigens , daß Kurt Platow nun doch die Comtesse Gardewitz heiraten wird ? Ich wüßte nichts , was mir gleichgültiger wäre . Hast recht , Schatz ! Schwamm drüber ! Ganz meine Maxime . Wenn mir irgend was gegen den Strich gegangen ist - Schwamm drüber ! Das konserviert die gute Laune . Und die glänzenden Augen und die rosigen Backen