Scheerbart , Paul Tarub , Bagdads berühmte Köchin www.digitale-bibliothek.de / ebooks & nbsp ; Diese Datei wurde aus den Daten des Bandes DB125 : Deutsche Literatur von Luther bis Tucholsky mit der Software der Digitalen Bibliothek 5 erstellt und ist nur für den privaten Gebrauch des Nutzers der CD-ROM bzw. der DVD-ROM bestimmt . Bitte beachten Sie die Urheber- und Leistungsschutzrechte der Rechteinhaber der Daten . Paul Scheerbart Tarub , Bagdads berühmte Köchin Ein arabischer Kultur-Roman Erstes Kapitel Helles Gelächter scholl durch ganz Bagdad . Der Prinz Ali war aus Ägypten zurückgekehrt . Und er war gekommen hoch zu Roß mit stolzem Gefolge . Doch das Roß , auf dem der Prinz saß , war ein Schimmel gewesen . Und diesen Schimmel hatte der Prinz grün färben lassen . Da mußte natürlich ganz Bagdad hell auflachen . Alis grüner Schimmel war ein Ereignis . Es hatte sich wieder einmal gezeigt , wie gut es der Prinz verstand , von sich reden zu machen . Kein Mensch wurde klug aus diesem Ali . War er durch sein Selbstbewußtsein wirklich geschmacklos geworden ? Oder gab er sich nur so geschmacklos aus Berechnung ? Wäre der Schimmel nach alter Sitte mit Henna rot gefärbt gewesen , dann würde Niemand gelacht haben - doch grün ? Nein , das ging übern Spaß . Man konnte sich ja erklären , was sich der Prinz gedacht hatte - er wollte die neue Farbe der Abbassiden zu höheren Ehren bringen . Einst glänzte das Haus Abbas unter der schwarzen Flagge . Diese schwarze Flagge vertauschte man später mit der grünen . Das gefiel nun dem jungen Ali so gut , daß er die neue Farbe seines Hauses überall sehen wollte . Und so mußte denn schließlich auch der Schimmel - grün werden . Unglaublich ! Unzählige Sterne glänzen aus dem tiefblauen Himmel auf Bagdad hinab ; sie spiegeln sich in den lauen Fluten des Tigris , und an den bunten Kacheln der Minarette , der Palast- und Moscheekuppeln werden auch die Glanzlichter der Sternenwelt glitzernd umhergestrahlt . Die Chalifenburg mit ihren prächtigen Türmen , Kiosken und Galerieen hebt sich hoch heraus aus dem Häusergewirr der großen Stadt , aus der ein Nebeldunst - magisch leuchtend - aufsteigt . Und am Tigris entlang leuchten die weißen Mauern der Landhäuser ; in deren Gärten schwanken die ruhigen Palmen im Abendwinde ... Aber aus den Straßen und Gassen der herrlichen Stadt schallt helles Gelächter zu den ewigen Sternen empor . Jetzt endlich in der stillen Nacht kann ganz Bagdad lachen nach Herzenslust , denn der Prinz Ali hört das Lachen nicht ; der ruht schon wieder in den weiten kühlen Prunkgemächern der Chalifenburg von seinen vielen Reisen aus . Der Chalif Mutadid hat seinen Sohn wohlwollend empfangen , und die Sklaven eilen in den Palästen auf den Zehen umher , um die Ruhe des gefeierten Prinzen nicht zu stören . Wie Ali am frühen Morgen auf seinem grünen Schimmel durch das große Tor im Westen stolz hineinritt in die festlich geschmückte Stadt , da mußten seine Kammerdiener Goldmünzen unter die Menge streuen . Dadurch entstand ein wüstes Geschrei . Kein Araber war zu stolz . Alle balgten sich um die Goldstücke , sodaß es viele blutige Köpfe gab . Durch die langen breiten Straßen , die zur Chalifenburg führen , zog der lange Zug des stattlichen Gefolges auf Pferden und Kamelen unter betäubendem Lärm dahin . Das Volk jubelte wie rasend dem freigebigen Prinzen zu . Es wurde beim Herumschwirren der Goldstücke gejohlt und gelacht - als hätte sich der blaue Himmel aufgetan , wie wenn sich die Huris aus dem Paradiese zur Erde niederbeugten . Jetzt ist es Nacht , und die Araber freuen sich über das blanke Gold . Sie werfen jetzt die Münzen ebenso verschwenderisch wie die Prinzen auf die Straße . Die guten Araber geben das gute Gold den dicken Weinhändlern , guten Freunden und lustig lachenden Mädchen . Dabei fällt ihnen aber der grüne Schimmel öfters wieder ein - und über den freuen sich Alle schließlich noch viel mehr als über das Gold . Der Prinz Ali ist ein guter Mensch , aber die Bürger Bagdads lachen ihn doch von ganzem Herzen aus . Und wenn er noch viel viel besser wäre , sie würden ihn trotzdem auslachen . In dieser Nacht tragen die reichen Jünglinge Bagdads ihre Säbel an grünen Schärpen , um das Volk an Ali zu erinnern . Das Volk versteht den Scherz und lacht darüber immer wieder von Neuem - immer wieder von Neuem . Ausgelassene Spottlieder , wüste Zechgesänge , mekkanische und persische Liebesweisentolle wilde Jubelstürme brausen und wogen durch die Straßen und Gassen der herrlichen Chalifenstadt . In allen Weinkneipen , in den Buden , in denen getanzt wird , in den Häusern , in denen reizende Sängerinnen mit feiner Kunst zu singen verstehen - überall wird gepraßt und gezecht . Eine sehr lustige Nacht ! Abseits in einem kleinen Gäßchen steht vor seiner Haustür ein christlicher Weinhändler mit einem alten Parsenpriester im Gespräch . Sie schütteln sich beide Hände zum Abschied . Doch der Wirt redet noch immer , obgleich der Priester Eile zu haben scheint . Der christliche Wirt sagt : » Bedenkt nur das Eine ! 892 Jahre , man schreibe und sage : achthundertundzweiundneunzig Jahre - die sind nun schon vergangen , seit Christus geboren ward , und seine Lehren sind hier noch immer verachtet . Man läßt wohl uns Christen in Ruh , läßt uns auch unsern Glauben - aber das beweist doch nur , daß sich diese Araber garnicht um religiöse Dinge kümmern , ihnen ist die Religion überhaupt ganz gleichgültig - selbst ihre eigene . In Bagdad gibt es gar keine Religion mehr . « Der Christ schüttelt traurig den Kopf . Der Parse versetzt aber hastig : » Verzeiht ! Ihr übertreibt ! In nächster Woche hol ich Euch ab . Die Parsen - die sollt Ihr kennenlernen - die haben noch Religion . « Der Parse entfernt sich schnell ,