Janitschek , Maria Die Amazonenschlacht www.digitale-bibliothek.de / ebooks & nbsp ; Diese Datei wurde aus den Daten des Bandes DB125 : Deutsche Literatur von Luther bis Tucholsky mit der Software der Digitalen Bibliothek 5 erstellt und ist nur für den privaten Gebrauch des Nutzers der CD-ROM bzw. der DVD-ROM bestimmt . Bitte beachten Sie die Urheber- und Leistungsschutzrechte der Rechteinhaber der Daten . Maria Janitschek Die Amazonenschlacht 1 Also das war ihr Zimmer . Sie streifte die Handschuhe ab und sah sich um . Das eiserne Bett , der Schrank aus weichem gestrichenen Holz , die fleckige Tischdecke , das in der Mitte eingesessene Sofa machten keinen besonders freundlichen Eindruck . Aber das Ärgste , nein , das konnte sie nicht sehen . » Fräulein ! « » Jawoll . « » Sagen Sie , müssen diese Öldrucke da hängen ? « » Die Bilder ? I Jott bewahre ! Wenn die gnä Frau schönere hat , können wir die da wechnehmen . « » Schönere ? Ich führe keine Bilder bei mir . Ich habe ja ein möbliertes Zimmer gemietet , aber diese grellen Gemälde schmerzen meine Augen . « » Wollen se fortnehmen . Nachdem , wenn die gnä Frau zum Essen jehn , denn et wird Staub jeben . Die Bilder hängen schon manchet Jahr da . Den Herrn Mietern haben se immer jefalln . « » Ich danke Ihnen . Wasser ist in der Kanne , nicht wahr ? « Die junge Frau neigte sich über den Waschtisch . » Det will ick meenen , dat Wasser drinne is : wenn man von de Reise kommt , det weeß ick schon . Habn Se sonst noch ' n Wunsch ? « Das fahle Gesicht des Dienstmädchens sah mit impertinentem Lächeln auf die junge Dame . » Sonst nischt , denn ziehe ick mir zurück . « Die Thüre fiel ins Schloß . Draußen drehte die Magd die Visitenkarte der Dame zwischen den Fingern . Hildegard Wallner . Also die soll an de Dhüre kommen ? Na meintswejen . Een besonderer Name is det nich . Un nich ' mal Frau steht druf . Nu , man weeß ja ooch nich . - Sie heftete das Kärtchen mit vier kleinen Nägeln an die Korridorthüre . Während dessen tauchte Frau Hildegard ihr Gesicht in die Waschschüssel und wunderte sich , daß man ihr warmes Wasser gebracht hatte . Nach einer Weile steckte sie den Kopf durch die Thür . » Fräulein . « » Jawoll . « » Könnt ich nicht etwas kaltes Wasser haben ? « » Habn Se ja schon . « » Wie ? Ich meine ganz kaltes , von der Leitung . « » Haben Se ja schon , Frau Wallnerchen , haben Se ja schon . Bei uns is det det kältste Wasser . Sonst müssen Se sich von ' n Konditer Eis holen lassen . « Frau Hildegards Lippen verzogen sich leicht . » Danke . « Sie zog den Kopf wieder herein , trocknete sich das Gesicht , kämmte ihr schönes dunkelbraunes Haar , und schlüpfte in ihr Kleid . Dann ließ sie sich auf das Sofa nieder und stützte den Kopf in die Hand . Nun , so arg war es ja wohl nicht , wie es im ersten Augenblick erschien . Natürlich , sie war ihre Kleinstadt gewöhnt mit der schneeweißen Sauberkeit und dem kalten Quellwasser . Dafür hatte sie ja jetzt ein anderes Gut eingetauscht , ein Gut , nach dem sie lange geschmachtet : die Freiheit . Was lag an all den Nebenumständen , die vielleicht jetzt ungünstiger als früher wurden ? Sie würde nun sicher zufrieden werden , besonders wenn sie erst eine Beschäftigung gefunden hatte . Wer , der jahrelang in einer unglücklichen Ehe geseufzt , wird nicht den ersten Tag , da er sich frei weiß , einen glücklichen nennen ? Wenn man bloß denken , Einiges noch überlegen könnte ; aber der Lärm , der von der Straße heraufdrang , war zu toll . Sie schloß das Fenster . Ob das immer und ewig so forttollte ? oder ob heute ein besonderer Tag war , Markttag , oder so etwas ? Sie mußte über sich selbst lachen . Hatte sie sich doch wieder in ihre kleinstädtischen Verhältnisse zurückversetzt . Hier in der Millionenstadt war vermutlich jeder Tag ein Markttag . Sie versank in Gedanken ; dann trat sie zum Fenster , um es zu öffnen . Die Luft hier war gar zu erstickend . Wonach roch es nur eigentlich ? Sie grübelte eine zeitlang ; dann entschloß sie sich auszugehen - irgendwohin zum Mittagessen . Es war ein Uhr , die Stunde in der sie auch zu Hause gespeist hatten . Sie zog das Jaquet an , setzte das Hütchen auf , das sie sorgfältig einer Pappschachtel entnommen hatte , und ging hinaus . Draußen im Vorzimmer am Fenster saß das Mädchen und las . Es war ein Leihbibliotheksband , über und über von Fettflecken bedeckt . Die Lesende ließ ihn langsam in ihren Schooß gleiten . » Juten Apptit , Se jehn woll frühstücken ? « » Nein , ich gehe zum Mittagsbrod ; wo kann man hier essen ? « » Wo ? In ' n Franziskaner , jleich um de Ecke links . Eene Mark det Kuvert . « » So , das wäre nicht zu teuer ; kann eine Dame auch allein hingehen ? « » Det will ick meenen . Ick zum Beispiel dhus ooch . Freilein Schulze jiebt mich Speisejeld , da jeh ick jedn Mittag los . « » Essen auch Sie beim Franziskaner ? « » Nee , ick jeh zur Lachmuskel . Hintn im Hof is eene famose Stube ; in de vorn jelegene jeh ick nich , weils da dheurer is . « » Weshalb kochen Sie nicht zu Hause ? « » I wo denken Se hin ? Bei den weiten Weg , den Freilein Schulze int Jeschäft hat . Un für