Raabe , Wilhelm Stopfkuchen . Eine See- und Mordgeschichte www.digitale-bibliothek.de / ebooks & nbsp ; Diese Datei wurde aus den Daten des Bandes DB125 : Deutsche Literatur von Luther bis Tucholsky mit der Software der Digitalen Bibliothek 5 erstellt und ist nur für den privaten Gebrauch des Nutzers der CD-ROM bzw. der DVD-ROM bestimmt . Bitte beachten Sie die Urheber- und Leistungsschutzrechte der Rechteinhaber der Daten . Wilhelm Raabe Stopfkuchen Eine See- und Mordgeschichte Wieder an Bord ! - Es liegt mir daran , gleich in den ersten Zeilen dieser Niederschrift zu beweisen oder darzutun , daß ich noch zu den Gebildeten mich zählen darf . Nämlich ich habe es in Südafrika zu einem Vermögen gebracht , und das bringen Leute ohne tote Sprachen , Literatur , Kunstgeschichte und Philosophie eigentlich am leichtesten und besten zustande . Und so ist es im Grunde auch das Richtige und Dienlichste zur Ausbreitung der Kultur ; denn man kann doch nicht von jedem deutschen Professor verlangen , daß er auch nach Afrika gehe und sein Wissen an den Mann , das heißt an den Buschmann bringe oder es im Busche sitzenlasse , bloß - um ein Vermögen zu machen . » Geben wir den Beweis aus der Verhängnisvollen Gabel , Eduard , daß wir immer noch unsere Literaturkunde am Bändchen haben ! « Eduard ist nämlich mein Taufname , und Mopsus heißt bei August von Platen der Schäfer in Arkadien , welcher » auf dem Vorgebürg der guten Hoffnung mit der Zeit ein Rittergut zu kaufen wünscht und alles diesem Zweck erspart « . » Wie kam er drauf ? « fragt Damon , der Schultheiß von Arkadien , und dieselbe Frage an mich zu stellen , ist die Welt vollauf berechtigt . Aber vielleicht weiß grade sie das mir mitzuteilen ! Wie kommen Menschen dahin , wo sie sich , sich besinnend , zu eigener Verwunderung dann und wann finden ? Ich an dieser Stelle kann nur so viel sagen , daß ich glaube , den Landbriefträger Störzer als dafür verantwortlich halten zu dürfen . Meinen alten Freund Störzer . Meinen alten guten Freund von der Landstraße der Kinderzeit in der nächsten Umgebung meiner Heimatstadt in Arkadien , also - von allen Landstraßen und Seewegen der weitesten Welt . Nachdem man also seinen Berechtigungsgrund , im alten Vaterlande mitzusprechen , wo gebildete Leute reden , auf den Tisch gelegt hat , kann man hoffentlich weitergehen . Dieses tue ich jetzt mit der Zwischenbemerkung , daß ich absolut nicht sagen kann , ob ich für das heutige Vaterland bloß nur allein orthographisch noch recht oder richtig schreiben kann . Es sind selbst in dieser Richtung während meiner Abwesenheit zu große kleine Leute am Werke gewesen und können unter polizeilicher Beglaubigung das wundervolle ironische Wort des französischen Erbfeindes gebrauchen : Nous avons changé tout cela . Das haben wir am verkehrten Ende aufgenommen , sagt freilich leider der deutsche Mann nicht ! Der nimmt immer die Sache ernst , vorzüglich wo sein Vorteil , sein Ehrgeiz oder seine Eitelkeit mit im Spiel ist . Aber es ist doch hübsch im Vaterlande , und wenn dem nicht so wäre , so würde ich dieses sicherlich nicht der Rückreise-Unterhaltung wegen an Bord des » Hagebucher « auf den langen Wogen des Atlantischen Ozeans niederschreiben . Zum wenigsten werde ich mir , wenn das Wetter gut bleibt , dreißig nicht ganz unnütz verträumte Seefahrtstage - von Hamburg aus gerechnet - durch die ungewohnte Federarbeit verschaffen . Wie aber würden sich meine Nachbarn am Oranjefluß und im Transvaalschen über unsern gemeinsamen Vetter Stopfkuchen wundern und freuen , wenn sie das Kajüten-Gekritzel lesen könnten , so sie es in die Hände kriegten ! Zu dem letztern ist aber sowenig eine Aussicht wie zu dem erstern , und unser Präsident , mein guter Freund daheim im Burenlande , hat wirklich auch wenig Zeit zu so was , sonst täte er mir wohl den Gefallen und sagte mir seine Meinung über mein Manuskript . Es war eine sternenklare Nacht , und wir waren auf dem Heimwege . Nicht nach dem Kap der Guten Hoffnung , sondern vom » Brummersumm « . Einer gottlob unter einem ganzen , ja auch unter einem halben Dutzend deutscher Männer hat immer Astronomie ein wenig gründlicher getrieben als die übrigen und weiß Auskunft zu gehen , Namen zu nennen und mit seinem Stabe zu deuten , wo die andern vorübergehend in der schauerlichen Pracht des Weltalls verlorengehen und kopfschüttelnd sagen : Es ist großartig . Man kann in vielen Wissenschaften Bescheid wissen und sich doch bei passender , stimmungsvoller Gelegenheit belehren lassen müssen , wo der Sirius zu finden ist , wo die Beteigeuze und wo der Arktur und der Aldebaran . Die den Orion kennen , sind den andern schon weit voraus ; denn auch was die Sternbilder anbetrifft , tappen die meisten im dunkeln . So allein und einfach wie mein Südliches Kreuz steht das nicht am Himmel , und wenn nördliche Männer den Großen Bären zu finden wissen , ist das schon viel , doch verfallen auch hierbei nicht üble Kenner manchmal in den Irrtum , daß sie den Polarstern ihm zurechnen und nicht dem Kleinen Bären . Wir sahen auf dem Heimwege vom Brummersumm nach den Sternen . So gegen Mitternacht , wo sie dann und wann am schönsten zu sehen sind und einer am wenigsten bei seiner Betrachtung gestört wird . Zu den Stunden auf einem Feldwege allein mit den noch übrigen Genossen seiner Jugend zu sein - das ist etwas ! Wovon man reden mag , ob Politik , Börsengeschäften , Fabrikangelegenheiten , Ästhetik : jeder Mann und berufenste Mitredner in allem diesen darf ungehöhnt sein gescheitestes Wort abbrechen und aufblinzelnd bemerken : Da liegt doch auch was drin ! - Nachher darf er natürlich eine Prise nehmen , wenn er schnupft ; ich für mein Teil rauche und zünde mir gern beim Anblick des unendlichen Heeres der himmlischen Lichter eine frische Zigarre an , denn das leuchtet doch auch