Boy-Ed , Ida Fanny Förster www.digitale-bibliothek.de / ebooks & nbsp ; Diese Datei wurde aus den Daten des Bandes DB125 : Deutsche Literatur von Luther bis Tucholsky mit der Software der Digitalen Bibliothek 5 erstellt und ist nur für den privaten Gebrauch des Nutzers der CD-ROM bzw. der DVD-ROM bestimmt . Bitte beachten Sie die Urheber- und Leistungsschutzrechte der Rechteinhaber der Daten . Ida Boy-Ed Fanny Förster Meiner lieben Freundin Alexandra von der Gabelentz geb . Freiin von Rothkirch-Trach zur Erinnerung an manche fröhliche und manche ernste Stunde . I. B.-E. Erstes Kapitel » Sie wird nicht weinen , nein , sie wird nicht weinen , « sagte Arnold von Herebrecht vor sich hin und legte die Faust schwer auf das vor ihm ausgebreitete Schriftstück . Dies trug ein kaiserliches Siegel und die Unterschrift des Marineministers . Der Inhalt des Schreibens kam übrigens dem Empfänger nicht unerwartet ; längst wußte man , daß die Korvette » Maria « im Herbst eine zweijährige Reise anzutreten habe , um die neuen Kolonien zu besuchen , und dort vielleicht so Schutz wie Besitzvermehrung bewirken solle . Auch daß ihn , den Kapitän zur See von Herebrecht , diesmal der Ruf treffen würde , unter den das Schiff begleitenden Offizieren zu sein , hatte er wohl vermutet , aber kein Wort von dieser Voraussicht war ihm seinem Weibe gegenüber von den Lippen gegangen . Jetzt jedoch mußte er ihr die Berufung , der schon nach acht Tagen die Trennung zu folgen hatte , jetzt mußte er sie ihr mitteilen . Er stand langsam auf , das Papier knitterte unter seiner Faust , die er wie zur Stütze beim Erheben auf Schriftstück und Tischplatte belassen . Er besann sich , wie er es ihr sagen solle und was sie antworten würde . » Sie mag es lesen , « entschied er sich endlich . Er fühlte es wohl , daß ihr dann Zeit bleibe , eine höfliche , ja vielleicht eine gütige Antwort zu finden , während dem gesprochenen , raschen Wort » Ich gehe « ebenso rasch ein froher Ruf folgen konnte . Die Thür , welche von dem Arbeitszimmer des Kapitäns in das Wohngemach seiner Frau führte , ging langsam auf , Adrienne , die am Fenster saß und nähte , hob nicht einmal die tief auf die Arbeit geneigte Stirn . Herebrecht stand , am Thürpfosten gelehnt , eine Weile still und überschaute das Bild , das ihm sein Weib , sein Kind und sein Heim so boten . Die Stube hatte zwei Fenster , welche auf eine der engen und überaus geräuschvollen Straßen Kiels sahen ; Sonnenschein fand hier keinen Eingang , denn wenn das Zimmer auch nicht nach Norden gelegen hätte , würde die gegenüberliegende nahe Flucht der hohen Häuser doch jeden Sonnenstrahl abgewehrt haben . Die Möbel , welche durch Form und Ueberzug verrieten , daß sie höchstens zwei Jahre alt sein mochten , waren ebenso weit von Eleganz wie von Dürftigkeit entfernt und zeigten in ihrer ganzen Anordnung jenen erschrecklichen Allerweltsgeschmack , der es verbietet , aus dem Gepräge eines Wohngemachs auf die Liebhabereien der Bewohner zu schließen . An der Hauptwand befand sich ein Sofa , davor auf mäßig großem Teppich ein Tisch mit Decke und epheuumkränzter Alabasterschale , über dem Sofa ein Bild der Königin Luise von Richter ; rechts und links vom Tisch standen zwei nie benützte Lehnstühle ; dann an der einen Wand ein verschlossenes Piano und an der andern ein Damenschreibtisch , dessen Platte jedoch von peinlich symmetrisch geordneten Nippes besetzt war . Die Zwischenräume an den Wänden waren von Stühlen ausgefüllt , die so von allen vier Seiten ihre Sitze und Vorderbeine steif von der Mauer dem Stubeninnern zukehrten wie in einem Wartesaal , weniger zum Sitzen einladend , als ihr vorschriftsmäßiges Dasein zeigend . Auf den beiden Fensterbrettern standen einige blütenlose Topfgewächse ; vor dem einen Fenster , zwischen den weißen Gardinen , saß die junge Frau an einem Nähtischchen und nähte , die Hand wie eine bezahlte Nähterin mit unermüdlicher Gleichmäßigkeit hebend und senkend . Dieses Bild , in immer derselben Färbung des sonnenlosen Lichts auf den graubraunen Möbeln , dem dunklen Frauengewand und dem rötlichen Weiberkopf , sah Arnold von Herebrecht so schon seit zwei Jahren , er mochte eintreten , zu welcher Tageszeit er wollte . Nur einmal hatte es sich verändert : da fehlte die nähende Frau vier Wochen an ihrem Fensterplatz , und als sie ihn wieder einnahm , stand neben ihr eine Wiege mit dem schlummernden Söhnchen . Das war jetzt ein Vierteljahr her . Nun , da ihm dies einförmige Gemälde eines regelmäßigen Frauendaseins vielleicht zum letztenmal vor Augen trat , da vor seinem geistigen Auge schon das farbenspielende Meer und die glühende Tropenwelt aufstiegen , sagte er sich plötzlich : » Es ist wahr , ihre Tage waren unendlich gleichtönig . « » Adrienne , « sprach er , » Du hast so oft eine Veränderung unseres Lebens ersehnt , hier die Kunde einer sehr bedeutungsvollen . « Er trat zu ihr und reichte ihr den Einberufungsbefehl . Sie nahm und las . In ihr feines weißes Gesicht stieg ein Erröten . Es war das einzige Zeichen einer innern Bewegung , denn mit einem ruhigen Aufblick ihrer dunklen Augen reichte sie ihm das Papier zurück . Sie schwieg . Sein männliches Gesicht , das durch einen großen Bart und peinlich straff aus der Stirn gebürstetes Haar ohnehin einen Eindruck von Strenge machte , wurde noch herber , seine kurzsichtigen , scharfen Augen kniffen sich zusammen , wie es seine Art war , wenn er jemand durchdringend ansehen wollte . » Du hast kein Wort ? « » Was soll ich dazu sagen ? « fragte sie entgegen . » Dein Kaiser ruft , es ist Deine Pflicht und Dein Beruf , zu gehorchen . « » Freust Du Dich , daß ich gehe ? « sagte er wider Willen halblaut und mit einem gewissen Drängen in der Stimme . Sie sah ihn traurig