Fontane , Theodor Vor dem Sturm www.digitale-bibliothek.de / ebooks & nbsp ; Diese Datei wurde aus den Daten des Bandes DB125 : Deutsche Literatur von Luther bis Tucholsky mit der Software der Digitalen Bibliothek 5 erstellt und ist nur für den privaten Gebrauch des Nutzers der CD-ROM bzw. der DVD-ROM bestimmt . Bitte beachten Sie die Urheber- und Leistungsschutzrechte der Rechteinhaber der Daten . Theodor Fontane Vor dem Sturm Roman aus dem Winter 1812 auf 13 Erster Band Hohen-Vietz Erstes Kapitel Heiligabend Es war Weihnachten 1812 , Heiliger Abend . Einzelne Schneeflocken fielen und legten sich auf die weiße Decke , die schon seit Tagen in den Straßen der Hauptstadt lag . Die Laternen , die an lang ausgespannten Ketten hingen , gaben nur spärliches Licht ; in den Häusern aber wurde es von Minute zu Minute heller , und der » Heilige Christ « , der hier und dort schon einzuziehen begann , warf seinen Glanz auch in das draußen liegende Dunkel . So war es auch in der Klosterstraße . Die Singuhr der Parochialkirche setzte eben ein , um die ersten Takte ihres Liedes zu spielen , als ein Schlitten aus dem Gasthof » Zum grünen Baum « herausfuhr und gleich darauf schräg gegenüber vor einem zweistöckigen Hause hielt , dessen hohes Dach noch eine Mansardenwohnung trug . Der Kutscher des Schlittens , in einem abgetragenen , aber mit drei Kragen ausstaffierten Mantel , beugte sich vor und sah nach den obersten Fenstern hinauf ; als er jedoch wahrnahm , daß alles ruhig blieb , stieg er von seinem Sitz , strängte die Pferde ab und schritt auf das Haus zu , um durch die halb offenstehende Tür in dem dunklen Flur desselben zu verschwinden . Wer ihm dahin gefolgt wäre , hätte notwendig das stufenweise Stapfen und Stoßen hören müssen , mit dem er sich , vorsichtig und ungeschickt , die drei Treppen hinauffühlte . Der Schlitten , eine einfache Schleife , auf der ein mit einem sogenannten » Plan « überspannter Korbwagen befestigt war , stand all die Zeit über ruhig auf dem Fahrdamm , hart an der Öffnung einer hier aufgeschütteten Schneemauer . Der Korbwagen selbst , mutmaßlich um mehr Wärme und Bequemlichkeit zu geben , war nach hinten zu , bis an die Plandecke hinauf , mit Stroh gefüllt ; vorn lag ein Häckselsack , gerade breit genug , um zwei Personen Platz zu gönnen . Alles so primitiv wie möglich . Auch die Pferde waren unscheinbar genug , kleine Ponies , die gerade jetzt in ihrem winterlich rauhen Haar ungeputzt und dadurch ziemlich vernachlässigt aussahen . Aber wie immer auch , die russischen Sielen , dazu das Schellengeläut , das auf rot eingefaßten , breiten Ledergurten über den Rücken der Pferde hing , ließen keinen Zweifel darüber , daß das Fuhrwerk aus einem guten Hause sei . So waren fünf Minuten vergangen oder mehr , als es auf dem Flur hell wurde . Eine Alte in einer weißen Nachthaube , das Licht mit der Hand schützend , streckte den Kopf neugierig in die Straße hinaus ; dann kam der Kutscher mit Mantelsack und Pappkarton ; hinter diesem , den Schluß bildend , ein hochaufgeschossener junger Mann von leichter , vornehmer Haltung . Er trug eine Jagdmütze , kurzen Rock und war in seiner ganzen Oberhälfte unwinterlich gekleidet . Nur seine Füße steckten in hohen Filzstiefeln . » Frohe Feiertage , Frau Hulen « , damit reichte er der Alten die Hand , stieg auf die Deichsel und nahm Platz neben dem Kutscher . » Nun vorwärts , Krist ; Mitternacht sind wir in Hohen-Vietz . Das ist recht , daß Papa die Ponies geschickt hat . « Die Pferde zogen an und versuchten es , ihrer Natur nach , in einen leichten Trab zu fallen ; aber erst als sie die Königsstraße mit ihrem Weihnachtsgedränge und Waldteufelgebrumm im Rücken hatten , ging es in immer rascherem Tempo die Landsberger Straße entlang und endlich unter immer munterer werdendem Schellengeläut zum Frankfurter Tore hinaus . Draußen umfing sie Nacht und Stille ; der Himmel klärte sich , und die ersten Sterne traten hervor . Ein leiser , aber scharfer Ostwind fuhr über das Schneefeld , und der Held unserer Geschichte , Lewin von Vitzewitz , der seinem väterlichen Gute Hohen-Vietz zufuhr , um die Weihnachtsfeiertage daselbst zu verbringen , wandte sich jetzt , mit einem Anflug von märkischem Dialekt , an den neben ihm sitzenden Gefährten . » Nun , Krist , wie wär es ? Wir müssen wohl einheizen . « Dabei legte er Daumen und Zeigefinger ans Kinn und paffte mit den Lippen . Dies » wir « war nur eine Vertraulichkeitswendung ; Lewin selbst rauchte nicht . Krist aber , der von dem Augenblick an , wo sie die Stadt im Rücken hatten , diese Aufforderung erwartet haben mochte , legte ohne weiteres die Leinen in die Hand seines jungen Herrn und fuhr in die Manteltasche , erst um eine kurze Pfeife mit bleiernem Abguß , dann um ein neues Paket Tabak daraus hervorzuholen . Er nahm beides zwischen die Knie , öffnete das mit braunem Lack gesiegelte Paket , stopfte und begann dann mit derselben langsamen Sorglichkeit nach Stahl und Schwamm zu suchen . Endlich brannte es ; er tat , indem er wieder die Leine nahm , die ersten Züge , und während jetzt kleine Funken aus dem Drahtdeckel hervorsprühten , ging es auf Friedrichsfelde zu , dessen Lichter ihnen über das weiße Feld her entgegenschienen . Das Dorf lag bald hinter ihnen . Lewin , der sich ' s inzwischen bequem gemacht und durch festeren Aufbau einiger Strohbündel eine Rückenlehne hergerichtet hatte , schien jetzt in der Stimmung , eine Unterhaltung aufzunehmen . Ehe des Kutschers Pfeife brannte , wär es ohnehin nicht rätlich gewesen . » Nichts Neues , Krist ? « begann Lewin , indem er sich fester in die Strohpolster drückte . » Was macht Willem , mein Päth ? « » Dank schön , junger