François , Louise von Stufenjahre eines Glücklichen www.digitale-bibliothek.de / ebooks & nbsp ; Diese Datei wurde aus den Daten des Bandes DB125 : Deutsche Literatur von Luther bis Tucholsky mit der Software der Digitalen Bibliothek 5 erstellt und ist nur für den privaten Gebrauch des Nutzers der CD-ROM bzw. der DVD-ROM bestimmt . Bitte beachten Sie die Urheber- und Leistungsschutzrechte der Rechteinhaber der Daten . Louise von François Stufenjahre eines Glücklichen Wiegensegen In der Pfarre von Werben hat man den letzten freien Ausblick in das Tal , das sich von da ab zur Aue verflacht . Der Garten umzieht nach drei Seiten das Haus ; gegen Mittag trennt es nur ein Fußpfad von dem rebenbepflanzten steilen Uferhange ; rasch bewegt strömt unten der Fluß ; seine jenseitigen Ränder steigen , mit Laubwald bedeckt , mählich empor hinter saftigen Wiesenflächen , die rings das untere Dorf nebst dem Talgute umschließen , während auf der nördlichen Hochfläche unübersehbare Korngebreite sich dehnen . Die Kirche , vom Friedhof umschlossen , wie auch weiterhin das Oberdorf , liegen eine Strecke rückwärts im freien Felde ; das Schloßgut aber , mit seinen sich zum Fluß absenkenden Terrassen , steht nur auf halber Uferhöhe und zieht die Auffahrt zu ihm sich entlang einer Schlucht , deren beide Seiten von ärmlichen Frönerhütten eingefaßt sind . Die alleräußerste , die allerärmlichste von ihnen , wie ein Nest an den Felsen geklebt , ist die des Gemeindehirten , das Hutmannshaus . So hat man in der Pfarre den Blick weder zum Grunde hinab noch zum Himmel hinan beschränkt ; sie bildet ein herzerquickendes Lug ins Land ; ein Odem gesunder Frische und Fülle umweht sie von allen Seiten , und gesunde , herzerquickende Menschen sind es auch , die sie bewohnen . Es ist Johannisnachmittag ; sieben Kornblumenkränze vor den Fenstern deuten den Kindersegen an , der dem Hause entsprossen ist ; der Vater mustert im kleinen Vorgarten seinen Rosenflor ; Stock für Stock werden die vollreifen Blüten abgeschnitten , auf daß die Knospen sich zu entfalten Saft und Raum gewinnen und die gesammelten Blätter , in der Wäschtruhe verduftend , mitten im Winter an die köstlichste Blumenzeit gemahnen . In der Weinlaube , dicht neben der Haustür , sitzt die Frau Pastorin ; der Strickstrumpf ruht in ihrem Schoß und der Blick auf dem jüngsten der Sieben , das vor ihr in der Korbwiege schlummert . Es zählt erst vierzehn Lebenstage , und wäre heute nicht das Fest des Täufers , an welchem jegliches Unternehmen zum Segen gedeiht , hätte es wohl noch ein Weilchen sich in der verhüllten Wochenstube gedulden müssen . Es ist ein unruhiges , spärliches Geschöpfchen ; nun aber hat die hohe , stille Junisonne und hat die Würze der Rebenblüte es dem kleinen Unhold angetan ; er schläft seit einer Stunde nach Wiegenkinder Art und Pflicht . So zart und bläßlich das Kind , so rund und rotbäckig ist die Mutter ; und sie ist keine junge Mutter mehr . Sie könnte gut und gern schon Großmutter sein , und daß sie mit den Freuden und Sorgen einer Kinderstube nicht kärglich bedacht worden ist , bekunden die Johanniskränze an ihrem Haus . Dennoch hat sie den kleinen Spätling sieben Jahre lang mit Sehnsucht erwartet und sich seiner Anmeldung wie der eines Erstlings erfreut . Denn die sechs Vorläufer sind Mädchen , lauter Mädchen , und nun sollte und mußte die Siebenzahl durch einen Knaben abgeschlossen werden . Nicht um ihrer selbst willen ; Frau Hanna Blümel fühlte sich von Grund aus eine Töchtermutter , meinte auch - es ist ein Menschenalter her , daß sie also meinte , und die Meinungen ändern sich in einem Menschenalter - , dazumal aber meinte sie , daß doppelt so viel Mädchen leichter zu erziehen und dereinst leichter zu versorgen seien als halb so viel Knaben . Nein , nicht sich selbst , aber ihrem Gatten hätte sie doch so herzlich einen Sohn gewünscht , mit dem er wiederum so jung werden konnte , wie sie es zwischen ihren Töchtern geblieben war ; wiederum jung werden , indem er ihn durch die Reihen seiner geliebten alten Heiden und Christen führte . Und nun war es zum siebenten Mal ein Mädchen , das kein Vater durch alte Heiden- und Christenreihen zu führen Verlangen trägt , und Frau Hanna Blümel fühlte sich nahezu beschämt , als hätte sie ihren irdischen Beruf nur zur Hälfte erfüllt . Zwar hatte der fromme Herr ob der Enttäuschung weder gemurrt , noch geklagt , noch auch nur geseufzt . Er hatte einfach geschwiegen . Es gibt aber ein sehr beredsames Schweigen , und für Pastor Blümel gab es ein speziell beredsames . Pastor Blümel war Blumist ; von allen Gottesgeschöpfen liebte er keine zärtlicher als die , welche lautlos am Boden erblühen ; - die , wenn auch mitunter etwas allzu lauten Menschenblüten selbstverständlich ausgenommen . » Zwischen Kindern und Blumen ist Wohlsein , « sagte er gern . Nachdem er daher seine älteste Tochter , die noch während der Leidenszeit der hehren Königin geboren ward , auf deren Namen und die beiden nächstfolgenden auf die ihrer Großmütter getauft hatte , wußte er für die drei nachfolgenden , - da seine Hanna , häuslicher Verwechslungen halber , auf eine Namensteilung verzichtete , - keine ansprechenderen zu wählen als einen von denen seiner Blumenkinder ; die kluge Hausfrau aber ließ sich neben dem Luischen , Lorchen und Dorchen eine Liane , Balsamine und Erika bereitwillig gefallen . Sie sah ein Liebeszeichen in der Wahl , und das botanische Namenserbe für den Hausgebrauch gätlich in ein Linchen , Minchen und Riekchen umzuwandeln , war ja so leicht . Nun aber hatte der Vater sein Letztgeborenes noch nicht ein einziges Mal auf seine Blumenverwandtschaft hin angeschaut , sich keine Blumenpatenschaft für dasselbe auserkoren . Tauftag und Taufzeugen waren festgestellt . Die älteste Tochter sollte das Schwesterchen über das heiligende Wasser halten ; der Amtsbruder Kurze in Bielitz und Frau Amtmann Mehlborn , die Gutspächterin , sollten