Rosegger , Peter Die Schriften des Waldschulmeisters www.digitale-bibliothek.de / ebooks & nbsp ; Diese Datei wurde aus den Daten des Bandes DB125 : Deutsche Literatur von Luther bis Tucholsky mit der Software der Digitalen Bibliothek 5 erstellt und ist nur für den privaten Gebrauch des Nutzers der CD-ROM bzw. der DVD-ROM bestimmt . Bitte beachten Sie die Urheber- und Leistungsschutzrechte der Rechteinhaber der Daten . Peter Rosegger Die Schriften des Waldschulmeisters Lebensbeschreibung des Verfassers , von ihm selbst Einer , der vom Geschicke so hinausgestellt worden ist , daß voraussichtlich , ja schon bei seinen Lebzeiten , mythisch gestimmte Leute seine Lebensgeschichte nachdichten und weiter erzählen , ein solcher tut gut , wenn er ihnen zuvorkommt . Am Ende weiß doch jeder selbst am besten , was es mit ihm ist . Nur aufrichtig muß er sein . Bei einem Poeten tut sich das selten ganz leicht , weil die Erinnerung gerne ein wenig umgebogen wird durch eine zudringliche Phantasie . In dem Berichte , der hier folgt , wird das nicht so sein . Knapp und der Wirklichkeit gemäß soll da mein unbedeutendes , aber nicht armes Menschenleben aufgeschrieben werden . - Als ich mich auf dieser Erde fand , war ich ein Knabe auf einem schönen Berge , wo es grüne Matten gab und viele Wälder , und wo , so weit das Auge trug , andere Berge standen , die ich damals aber noch kaum angeschaut haben werde . Ich lebte mit Vater und Mutter und etlichen Knechten und Mägden in einem alten , hölzernen Hause , und es gab in Hof und Stall , auf Feld und Wiese und im Walde immer alle Hände voll zu tun , und das Arbeiten vom frühen Morgen bis in die späte Nacht war etwas ganz Selbstverständliches , sogar schon bei mir ; und wenn ich auf dem Anger mit Steinchen , Erde , Holzstückchen usw. spielte , so hatte ich immer Angst , des Vaters Stimme würde mich jetzt und jetzt zu einer Arbeit rufen . Ich habe das Spiel mit Hast getrieben , um es noch vor der Arbeit Rande zu bringen , und ich habe die Arbeit mit Hast vollbracht , um wieder zum Spiele zu kommen . Und so hat sich eine gewisse Eilfertigkeit in mein Wesen eingewachsen , der - war es im Studium oder im Schaffen - die Geduld und Bedächtigkeit nicht immer die rechte Wage hielt . Mein Geburtsjahr ist 1843 . Den Geburtstag - 31. Juli - habe ich mir erst später aus dem Pfarrbuche zu Krieglach heraussuchen lassen , denn bei uns daheim wurde nur mein Namenstag , Petri Kettenfeier , am 1. August , und zwar allemal dadurch gefeiert , daß mir meine Mutter an diesem Tage einen Eierkuchen buk . Unsere kleine Gemeinde , die aus etwa vierundzwanzig auf Höhen und in Engtälern zerstreuten Bauernhäusern bestand , hieß Alpel , oder wie wir sagten : die Alm ; war von großen Wäldern umgeben und durch solche stundenlange Wälder auch getrennt von unserem Pfarrdorfe Krieglach , wo die Kirche und der Friedhof standen . Mitten in diesen schwarzen Fichtenwäldern , unweit von anderen kleinen Gehöften , die zerstreut lagen , und in denen es genau so zuging wie bei uns , lag denn meine Heimat mit den Hochmatten , Wiesen und Feldlehnen , auf denen das Wenige kümmerlich wuchs , was wir zum Leben brauchten . Krieglach liegt im Mürztale , an der Südbahn , die damals schon eröffnet war . Wir waren nur drei Stunden von dieser Hauptverkehrsstraße entfernt , trotzdem aber durch die schlechten Wege , und besonders durch unsere Unbeweglichkeit , fast ganz von der Welt abgeschlossen . Mein Heimatshaus hieß : beim Klupenegger . Mein Vater war auch in demselben geboren , ebenso sein Vater , Groß- und Urgroßvater ; dann verliert sich der Stammbaum . Die Geschwister meines Vaters waren als Hausbesitzer oder Dienstboten in der Gegend zerstreut . Meine Mutter war die Tochter eines Kohlenbrenners , dieser konnte den Bücherdruck lesen , was in Alpel zu jener Zeit etwas Außerordentliches war . Er erteilte neben seinem Gewerbe auch Unterricht im Lesen , aber es sollen wenig Lernbegierige zu seiner Hütte gekommen sein . Seine Tochter - die nachmals meine Mutter geworden - hatte die Kunst in unser Haus mitgebracht . Die Geschwister meiner Mutter lebten als Holzleute und Köhler in den Wäldern . Ich mochte fünf Jahre alt gewesen sein , als in Alpel die Mär ging , man höre auf unseren hohen Bergen die Kanonenschüsse der Revolution in Wien . Das war nun wohl nicht möglich , doch aber ein Beweis , wie die Beunruhigung auch in unsere stille Gegend gedrungen war . Was die Befreiung von Zehent und Abgaben , von Robot und Untertänigkeit bei meinen Landsleuten für einen Eindruck gemacht hat , weiß ich nicht ; wahrscheinlich nicht den besten , denn sie waren sehr vom Althergebrachten befangen . Mir kleinem Jungen aber hatte die Revolution etwas Gutes gebracht . In einer Nachbarspfarre jenseits der nahen oberländischen Grenze gerieten der Pfarrer und der Schulmeister in Zwiespalt , der Neuerungen wegen . Der Schulmeister hielt es so ein wenig mit der neuen Zeit . Als aber das Jahr 1849 kam , war der Pfarrer auf einmal wieder obenauf und verjagte den Schullehrer mit Verweigerung eines entsprechenden Zeugnisses . Nun war der Schulmann ein Bettelmann und kam als solcher auch in unsere Gemeinde Alpel . In dieser befanden sich ein paar Bauern , die dem streitbaren Pfarrer nicht grün waren und den Schulmeister aufnahmen . Der Schulmeister - sein Name war Michel Patterer - ging umher und lehrte den Kindern das Lesen , Schreiben und Rechnen . Er bekam dafür das Essen und Tabaksgeld . Die Kinder folgten ihm von Haus zu Haus , und unter ihnen war auch ich . Endlich wurde ihm ein bestimmtes Wohnhäuschen angewiesen , wo er im Jahre 1857 gestorben ist . Mein Schulbesuch war aber ein sehr mangelhafter ; da war ' s die größere Entfernung ,