Felder , Franz Michael Reich und arm www.digitale-bibliothek.de / ebooks & nbsp ; Diese Datei wurde aus den Daten des Bandes DB125 : Deutsche Literatur von Luther bis Tucholsky mit der Software der Digitalen Bibliothek 5 erstellt und ist nur für den privaten Gebrauch des Nutzers der CD-ROM bzw. der DVD-ROM bestimmt . Bitte beachten Sie die Urheber- und Leistungsschutzrechte der Rechteinhaber der Daten . Franz Michael Felder Reich und Arm Erstes Kapitel Wie zwei Helden dieser Erzählung sich auf das Osterfest vorbereiten Mit aller möglichen Pracht und Herrlichkeit ward am Karsamstag abends in der Auer Pfarrkirche die Auferstehung des Herrn gefeiert . Unzählige Lichter erhellten die überall verhängte Kirche und beleuchteten das unter Singen und Glockenläuten hinter dem Heiligen Grabe in die Höhe gezogene Auferstehungsbild . Kurz , es war himmlisch , göttlich , flüsterten hernach die aus der Kirche kommenden Weiber und Mädchen einander zu , während sie sich die von der Tageshelle erschreckten Augen rieben . Sogar die zarten , schneeweißen Hände der armen Stickerinnen legten rasch einen Taglohn auf den Teller , welcher zur Aufnahme freiwilliger Beiträge für das neuerrichtete Heilige Grab vor der Kirchentür angebracht war . Die roten Kupferkreuzer , die sich wie recht verdächtige Kerle hinter breiten Sechsbätzlern versteckten , waren wohl nur aus engen Lederhosentaschen herausgelangt worden . Wenigstens war nicht zu leugnen , daß fast alle Männer das » Schauspiel « etwas kühl aufnahmen ; sogar einiges Kopfschütteln war zu bemerken . Auf dem Platz neben der Kirche stellten sie sich schweigend zusammen . Jeder schien warten zu wollen , bis das rechte Wort zur Beurteilung der etwas teuern » neuen Mode « , die zwar alles in die Kirche lockte , doch keine Andacht in derselben aufkommen ließ , gefunden sein würde . Lächelnd schauten sie hinauf zu den glühenden und leuchtenden Bergen oder hinaus über den schon etwas dunkeln , geheimnisvoll rauschenden Schnepfauer Wald , neben welchem die Ach den bereits zu Wasser gewordenen Winter laut scheltend hinaustrug . Rechts ob dem Wald erhob sich die stolze Liggsteinpyramide , die kühn emporragte zum blauen Himmel , welchen links neben der Ach die Kanisfluh zu tragen schien . Weiter draußen , dort , wo die äußersten Tannenwipfel des Waldes ins rötlichblaue Licht hineinragten , trugen goldige Engelchen mit Feuerflügeln der scheidenden Sonne den Strahlenmantel nach und winkten dabei mit weiß und rötlich schimmernden Händen ihre letzten Grüße zurück ins Tal . » Viel schöner doch und so , daß man dabei auch etwas empfindet , ist die Art , wie die Natur ihr Auferstehungsfest feiert « , begannen jetzt auf einmal mehrere . Gleich fielen auch andere ein : » Das Osterlied der Vögel im weihrauchduftenden Walde draußen - hört , hört ! Und droben in den Bergen das Wiedergeben der angeschwollenen , tosenden Ach - oh , das geht einem durch Leib und Seele , ganz , ganz anders noch als das lateinische Osterlied , welches der Kaplan bis von Innsbruck heraus hat kommen lassen . « Ganze Minuten lang schlug man jetzt überall Feuer , doch der Zunder wollte gar nicht recht » empfangen « . Die krummrohrigen Tiroler Pfeifen blieben kalt , wie gewöhnlich vor der glücklichen Zeit der Zündhölzchen , wenn es einmal etwas zu sehen und auszukopfen gab . Noch hatten viele nicht eingeheizt , als das Mathisle , ein ärmlich gekleidetes Bäuerlein , welches den Wolkengestalten nicht nachblicken mochte , bis es sich die scharfen grauen Augen verdarb , auf einmal ausrief : » Sehet dort ! Jetzt kommt der Bot ' und geht ins Kronenwirtshaus . Was er wohl alles drin hat in der großen Tasche , daß er gar so eilt ? « » Nun , der bringt ja jeden Samstag Zeitungen für die Wirtin oder die , welche vornehm und reich genug sind , ins Herrenstüble . « » Es wäre doch nun ganz in der Ordnung « , begann das Mathisle nach einer Weile wieder , » wenn endlich Hansjörg , der Soldat , ein Briefchen schickte . Ist ' s doch schon mehr als ein halbes Jahr seit dem letzten , und es wäre die einzige Freude , die er mir machen könnte . Nun , eine Frag ' ist wohl jedem erlaubt « , fügte er , das Kopfschütteln der Umstehenden bemerkend , bei und eilte dem Wirtshause zu . » Möchte doch sehen , was das Männchen für ein Gesicht macht , wenn wieder nichts gekommen ist « , lachte der frühere Gemeindevorsteher , der bei den Bauern mehr galt als der behagliche Patron , welcher jetzt diesen Titel hatte . Schon im nächsten Augenblick war ' s , als ob es da drüben halbe Batzen zu schneien angefangen hätte bei heiterem Himmel ; sogar sehr sparsame Hausväter , die sonst nicht einmal jedes Vierteljahr ein Bierglas zu sehen , geschweige denn ein Glas Bier zu trinken bekamen , vermochten jetzt dem Drange nicht zu widerstehen und folgten dem Altvorsteher auf den Tritt , so daß die Gasse beinahe zu schmal wurde . Staunend , mit einer Art von Ehrfurcht sahen viele , die noch ihr Lebtag keinen Brief erhielten , wie das Mathisle jetzt einen solchen gleich einer Siegesfahne jubelnd emporhielt . Es war und blieb halt doch merkwürdig , wie so ein Blatt für dieses kleine , ganz unbedeutende Männchen aus der weiten Welt sich bis da hereinfinden konnte . » Nun , was schreibt der Spitzbube ? « fragte der Altvorsteher lächelnd . » Ich hab ' erst angefangen , aber kommt nun Ihr und leset es , bevor es ganz dunkel wird « , sagte das Mathisle , indem es davon in die Stube eilte . Mit einer Langsamkeit , die das ihm geschenkte Vertrauen nur schlecht zu würdigen schien , folgte der Altvorsteher dem an ihn ergangenen freundlichen Ruf . Ruhig legte er Mathisles Brief auf den noch etwas feuchten Tisch vor sich hin , bestellte sich einen halben Schoppen Wein , zog dann die Hornbrille heraus , wischte eine Weile mit