Scheffel , Joseph Viktor von Ekkehard www.digitale-bibliothek.de / ebooks & nbsp ; Diese Datei wurde aus den Daten des Bandes DB125 : Deutsche Literatur von Luther bis Tucholsky mit der Software der Digitalen Bibliothek 5 erstellt und ist nur für den privaten Gebrauch des Nutzers der CD-ROM bzw. der DVD-ROM bestimmt . Bitte beachten Sie die Urheber- und Leistungsschutzrechte der Rechteinhaber der Daten . Joseph Viktor von Scheffel Ekkehard Vorwort . Dies Buch ward verfaßt in dem guten Glauben , daß es weder der Geschichtschreibung noch der Poesie etwas schaden kann , wenn sie innige Freundschaft miteinander schließen und sich zu gemeinsamer Arbeit vereinen . Seit Jahrzehnten ist die Hinterlassenschaft unserer Vorfahren Gegenstand allseitiger Forschung ; ein Schwarm fröhlicher Maulwürfe hat den Boden des Mittelalters nach allen Richtungen durchwühlt und in fleißiger Bergmanns arbeit eine solche Masse alten Stoffes zutage gefördert , daß die Sammelnden oft selbst davor erstaunten : eine ganze , schöne , in sich abgeschlossene Literatur , eine Fülle von Denkmalen bildender Kunst , ein organisch in sich aufgebautes politisches und soziales Leben liegt ausgebreitet vor unsern Augen . Und doch ist es all der guten auf diese Bestrebungen gerichteten Kraft kaum gelungen , die Freude am geschichtlichen Verständnis auch in weitere Kreise zu tragen ; die zahllosen Bände stehen ruhig auf den Brettern unserer Bibliotheken , da und dort hat sich schon wieder gedeihliches Spinnweb angesetzt , und der Staub , der mitleidlos alles bedeckende , ist auch nicht ausgeblieben , so daß der Gedanke nicht zu den undenkbaren gehört , die ganze altdeutsche Herrlichkeit , kaum erst ans Tageslicht zurückbeschworen , möchte eines Morgens , wenn der Hahn kräht , wieder versunken sein in Schutt und Moder der Vergessenheit , gleich jenem gespenstigen Kloster am See , von dem nur ein leise klingendes Glöcklein tief unter den Wellen dunkle Kunde gibt . Es ist hier nicht der Ort zu untersuchen , inwiefern der Grund dieser Erscheinung dem Treiben und der Methode unserer Gelehrsamkeit beizumessen . Das Sammeln altertümlichen Stoffes kann wie das Sammeln von Goldkörnern zu einer Leidenschaft werden , die zusammenträgt und zusammenscharrt , eben um zusammen zu scharren , und ganz vergißt , daß das gewonnene Metall auch gereinigt , umgeschmolzen und verwertet werden soll . Denn was wird sonst erreicht ? Ein ewiges Befangenbleiben im Rohmaterial , eine Gleichwertschätzung des Unbedeutenden wie des Bedeutenden , eine Scheu vor irgendeinem fertigen Abschließen , weil ja da oder dort noch ein Fetzen beigebracht werden könnte , der neuen Aufschluß gibt , und im ganzen - eine Literatur von Gelehrten für Gelehrte , an der die Mehrzahl der Nation teilnahmslos vorübergeht und mit einem Blick zum blauen Himmel ihrem Schöpfer dankt , daß sie nichts davon zu lesen braucht . Der Schreiber dieses Buches ist in sonnigen Jugendtagen einstmals mit etlichen Freunden durch die römische Campagna gestrichen . Da stießen sie auf Reste eines alten Grabmals , und unter Schutt und Trümmern lag auch , von graugrünem Akanthus überrankt , ein Haufe auseinandergerissener Mosaiksteine , die ehedem in stattlichem Bild und Ornamentenwerk des Grabes Fußboden geschmückt . Es erhub sich ein lebhaftes Gespräch darüber , was all die zerstreuten gewürfelten Steinchen in ihrem Zusammenhang dargestellt haben mochten . Einer , der ein Archäolog war , hob die einzelnen Stücke gegen ' s Licht und prüfte , ob weißer , ob schwarzer Marmor ; ein anderer , der sich mit Geschichtforschung plagte , sprach gelehrt über Grabdenkmale der Alten , - derweil war ein dritter schweigsam auf dem Backsteingemäuer gesessen , der zog sein Skizzenbuch und zeichnete ein stolzes Viergespann mit schnaubenden Rossen und Wettkämpfern und viele schöne jonische Ornamentik darum ; er hatte in der einen Ecke des Fußbodens einen unscheinbaren Rest des alten Bildes erschaut : Pferdefüße und eines Wagenrades Fragmente , da stand das Ganze klar vor seiner Seele , und er warf ' s mit kecken Strichen hin , derweil die andern in Worten kramten ... Bei jener Gelegenheit war einiger Aufschluß zu gewinnen über die Frage , wie mit Erfolg an der geschichtlichen Wiederbelebung der Vergangenheit zu arbeiten sei . Gewißlich nur dann , wenn einer schöpferisch wiederherstellenden Phantasie ihre Rechte nicht verkümmert werden , wenn der , der die alten Gebeine ausgräbt , sie zugleich auch mit dem Atemzug einer lebendigen Seele anhaucht , auf daß sie sich erheben und kräftigen Schrittes als auferweckte Tote einherwandeln . In diesem Sinn nun kann der historische Roman das sein , was in blühender Jugendzeit der Völker die epische Dichtung , ein Stück nationaler Geschichte in der Auffassung des Künstlers , der im gegebenen Raume eine Reihe Gestalten scharf gezeichnet und farbenhell vorüberführt , also daß im Leben und Ringen und Leiden der einzelnen zugleich der Inhalt des Zeitraumes sich wie zum Spiegelbild zusammenfaßt . Auf der Grundlage historischer Studien das Schöne und Darstellbare einer Epoche umspannend , darf der Roman auch wohl verlangen , als ebenbürtiger Bruder der Geschichte anerkannt zu werden , und wer ihn achselzuckend als das Werk willkürlicher und fälschender Laune zurückweisen wollte , der mag sich dabei getrösten , daß die Geschichte , wie sie bei uns geschrieben zu werden pflegt , eben auch nur eine herkömmliche Zusammenschmiedung von Wahrem und Falschem ist , der nur zu viel Schwerfälligkeit anklebt , als daß sie es , wie die Dichtung , wagen darf , ihre Lücken spielend auszufüllen . Wenn nicht alle Zeichen trügen , so ist unsere Zeit in einem eigentümlichen Läuterungsprozeß begriffen . In allen Gebieten schlägt die Erkenntnis durch , wie unsäglich unser Denken und Empfinden unter der Herrschaft der Abstraktion und der Phrase geschädigt worden ; da und dort Rüstung zur Umkehr aus dem Abgezogenen , Blassen , Begrifflichen zum Konkreten , Farbigen , Sinnlichen , statt müßiger Selbstbeschauung des Geistes Beziehung auf Leben und Gegenwart , statt Formeln und Schablonen naturgeschichtliche Analyse , statt der Kritik schöpferische Produktion , und unsere Enkel erleben vielleicht noch die Stunde , wo man von manchem Koloß seitheriger Wissenschaft mit der gleichen lächelnden Ehrfurcht spricht , wie von