Goedsche , Herrmann Sebastopol www.digitale-bibliothek.de / ebooks & nbsp ; Diese Datei wurde aus den Daten des Bandes DB125 : Deutsche Literatur von Luther bis Tucholsky mit der Software der Digitalen Bibliothek 5 erstellt und ist nur für den privaten Gebrauch des Nutzers der CD-ROM bzw. der DVD-ROM bestimmt . Bitte beachten Sie die Urheber- und Leistungsschutzrechte der Rechteinhaber der Daten . Herrmann Goedsche Sebastopol Historisch-politischer Roman aus der Gegenwart Erster Theil : Seine und Bosporus Der Prolog . Ein heftiger Regenschauer , wie der März sie in Paris häufig mit sich führt , hatte mit der späten Stunde des Abends - die Uhren zeigten bereits über Zehn - die bewegliche Masse der Spaziergänger und Flaneurs von den Straßen und Boulevards vertrieben , als an einem Nebenausgang der Gallerie Heinrich ' s IV. in den Tuilerieen ein eleganter , aber durch keinerlei Zeichen oder Livree auffallender Wagen wartend hielt . Endlich gegen halb Eilf öffnete sich die Thür und zwei in Mäntel gehüllte Personen , die beide Civilkleidung trugen , kamen heraus und bestiegen den Wagen , der auf einige dem Kutscher zugeflüsterte Worte sofort über die Pont Royal , durch die Rue du Bac und de Grenelle nach der Esplanade der Invaliden seinen Weg nahm . Ein Loosungswort am Thor öffnete ihm den Eingang und der Wagen rollte durch den Cour Royal nach dem berühmten Dom , an dessen Seiteneingang er still hielt . Ein Mann in Generalsuniform schien hier den Wagen erwartet zu haben , öffnete selbst den Schlag und begrüßte höflich dir Aussteigenden , von denen der Eine den Mantel dicht und verhüllend um sich geschlagen hielt . » Sie haben mein Billet bekommen , General , « sagte sein Begleiter , » und wir sind Ihnen sehr verbunden für Ihre Aufmerksamkeit . Ist unser Mann an Ort und Stelle ? « » Er wartet seit einer halben Stunde . « » Ah , dann haben Sie wohl die Güte uns einzulassen und dafür Sorge zu tragen , daß wir unter keinerlei Umständen gestört werden . Die sämtlichen Eingänge sind doch geschlossen und Niemand mehr in der Kirche ? « » Es ist Alles geschehen , Herr Graf , wie Sie gewünscht , « entgegnete der General . » Hier ist der Schlüssel zur Pforte , so daß Sie zu jeder Zeit von Innen öffnen können . Ich werde die Ehre haben , Sie selbst hier zu erwarten . « Die beiden Fremden traten in die Kirche und schlossen die Thür hinter sich , der alte Offizier aber lehnte sich sinnend unter einem Vorsprung der Mauer an die Wand , um vor dem Regen geschützt zu bleiben ; das Schiff der Kirche war dunkel , nur vor dem Hochaltar und in der Kapelle zu Häupten des großen Katafalks , welcher jene sterblichen Reste umschließt , die eine vertriebene Herrscherfamilie als erstes Siegel der entente cordiale von dem Felseneiland St. Helena holen ließ , zu Häupten des Katafalks Napoleon ' s I. leuchtete der Schimmer der ewigen Lampen . Ehe die Männer den Gang betraten , hielt der Verhüllte den Andern einen Augenblick am Arm zurück . » Sie kennen Ihre Instruktionen , Graf , « sagte er , » wenn etwas Weiteres nöthig , werde ich Ihnen ein Zeichen geben . « - Ihre Schritte hallten im Echo wieder an dem mächtigen Gewölbe , als sie sich der Kapelle näherten . Ein leiser Luftzug schien die Banner und Standarten in Bewegung zu setzen , die ringsumher aufgehangen sind . Aber es sind Siegesdenkmale der neuern Zeit , wehende Roßschweise und Prophetenfahnen , welche die Bourbonen und Louis Philipp dem Vasallen des Großherrn in den heißen Kämpfen auf afrikanischem Boden entrissen ; - jene Standarten , die der mächtige Griff des napoleonischen Adlers einst auf den Feldern von Arkole bis zur Moskwa den Völkern Europa ' s nahm , und die der kaiserliche Soldat im Dom seiner Invaliden aufhängen ließ , sind längst verschwunden . Joseph Napoleon hatte wenigstens so viel Achtung vor dem Kriegsruhm seines verrathenen Bruders , daß er diese Zeichen einstiger Siege verbrennen und vernichten ließ , ehe die Verbündeten ihren Einzug in Paris hielten , um sie wieder zu holen . Von den zu beiden Seiten des Grufteinganges aufwärts führenden Stufen des Mausoleums erhob sich bei dem Nahen der Beiden ein Mann und blieb sie erwartend stehen . Dem gegenseitigen stummen Gruß folgte eine kurze Pause , in der die beiden Parteien im Halblicht des Lampenschimmers sich zu mustern schienen . Von den beiden Eingetretenen hielt sich der Größere auch jetzt mehr im Schatten und in den Falten seines Mantels verborgen , ohne auch im Gotteshause den Hut abzunehmen ; der Andere trat näher an ' s Licht ; seine Gestalt war mittelgroß und ziemlich schlank , und sein Kopf trug charakteristische Züge , geeignet , die Erinnerung jedes Franzosen wachzurufen . Ein ergrauender Schnurr- und Knebelbart bedeckte den untern Theil seines Gesichts , aus dem ein Paar scharfe unruhige Augen unter starken buschichten Brauen den Dritten forschend vom Kopf bis zu den Füßen maßen . Dieser erwiederte ruhig , mit einem etwas matten starren Auge den Blick . Es war ein Mann in hohem Lebensalter , offenbar den Siebenzig nahe , aber von ungebeugter , fester Körperhaltung . Haupthaar und Bart waren weiß , das Gesicht außer von zwei tiefen Narben auch von den Runzeln des Alters durchfurcht . Die dicht beieinander stehenden Augen hatten , wie gesagt , einen seltsamen starren Ausdruck , der sich nur von Zeit zu Zeit feurig und dann unwiderstehlich belebte . Eine der Narben lief von dem linken Backenknochen aus bis auf den Schädel , auf dessen hoher kahler Platte sie endete . Der Greis hatte den Reitermantel auf den Stufen des Mausoleums fallen lassen und stand vor den Beiden gekleidet in eine offenbar alte und unscheinbar gewordene Offizieruniform der poniatowski ' schen Lanziers . » Sie sind der Herr , « begann Der , welcher den General am Eingang angeredet hatte , auch hier das Gespräch