Alexis , Willibald Ruhe ist die erste Bürgerpflicht www.digitale-bibliothek.de / ebooks & nbsp ; Diese Datei wurde aus den Daten des Bandes DB125 : Deutsche Literatur von Luther bis Tucholsky mit der Software der Digitalen Bibliothek 5 erstellt und ist nur für den privaten Gebrauch des Nutzers der CD-ROM bzw. der DVD-ROM bestimmt . Bitte beachten Sie die Urheber- und Leistungsschutzrechte der Rechteinhaber der Daten . Willibald Alexis Ruhe ist die erste Bürgerpflicht Vaterländischer Roman Erstes Kapitel . Die Kindesmörderin . » Und darum eben , « schloß der Geheimrath . In seiner ganzen Würde hatte er sich erhoben und gesprochen . Charlotte hatte ihn nie so gesehen . Der Zorn strömte über die Lippen , bis vor dem Redefluß des Kindermädchens die allzeit fertige Zunge verstummte . Sie war erschrocken zurückgetreten , bis sie sich selbst verwundert an der Thüre fand ; aber der Geheimrath schritt noch in der Stube auf und ab . Charlotte hatte leise zu weinen angefangen : » Aber Herr Geheimrath , um solche Kleinigkeit ! « » Eine Kleinigkeit , die Angst besorgter Eltern um ihre Kinder ! - Fünf Stunden von Hause fort ohne eine Sterbenssylbe mir zurückzulassen , und die Kleinen mitgenommen , ohne um Erlaubniß zu fragen ! « » Herr Geheimrath , « schluchzte sie , » haben nie nach gefragt , ich weiß auch gar nicht warum jetzt ! « » Schweige Sie ! « fuhr der Hausherr fort . » Sie hat kein Einsehen , keine Moralität . Sie mißbraucht meine Güte . Sie muß aus meinem Hause . Es haben sich schon Viele gewundert , daß ich Sie noch behielt . Aber Sie schlägt mit Ihrer Unverschämtheit den Boden aus dem Faß . Versteht Sie mich ! Ein Glück noch , daß wir vom Viertelkommissar erfuhren , daß Sie zur Excekution hinaus war , wir hätten sonst gar nicht gewusst , wo Sie geblieben war . « » Wenn das die selige Frau Geheimräthin wüsste , « schluchzte das Mädchen , » das war eine seelensgute Frau . Und wie oft hat sie gesagt : wenn wir nicht wären , mein Mann kümmert sich gar nicht um die Kinder . Ja das hat sie gesagt , nicht einmal , hundertmal . Und haben Herr Geheimrath jetzt auch nur einmal nach den Kindern gefragt ? Das eben aber sagten die selige Frau Geheimräthin : er hat kein Herz für sie ! und es war eine Frau , so sanft wie die himmlische Güte , und viel zu gut für diese Welt , und wer nur ihre stillen Thränen gesehen hat , die sie Nachts vergoß , und darum nahm der liebe Gott sie zu sich , und sie würde sich im Sarge umdrehen , wenn sie wüsste , daß der Herr Geheimrath mir darum solchen Affront anthun . « Charlotte musste die schwache Seite des Hausherrn kennen . Er wandte sich um , und fuhr mit dem Taschentuche über das Auge , ob , um eine Thräne abzuwischen oder die Verlegenheit zu verbergen , laß ich ungesagt . An der Wand hing das Bild der Verewigten , in sehr abgeblassten Wasserfarben gemalt , ein eben so abgeblasster Immortellenkranz darum . Darunter hing eine andere Schilderei , eine Urne , mit einer Trauerweide . Ein Genius senkte eine Fackel . Das Bild war auf Pappe gezogen , und wenn man näher hinzusah , bemerkte man , daß in der Urne ein Medaillon angebracht war , in welchem einige blonde Haare zu einem Namenszuge sich verschlangen . Der Geheimrath nahm es heraus und drückte es an seine Lippen . » O du Unvergessliche ! « sagte er , noch einmal mit dem Tuch über die Augen fahrend . Sein Zorn war gewichen ; in weicherem Tone fuhr er fort : » Aber Charlotte , wie oft habe ich Ihr gesagt , Sie soll mich nicht daran erinnern . Ein Mann in meiner Stellung darf sich nicht den Gefühlen hingeben . Aber Sie weiß das wohl , Sie braucht mich nur an die selige Gute zu erinnern , so tritt mir ' s in die Augen . Sie führt sich auf , als wenn Sie die Hausfrau wäre - und ist doch nur eine - Sie ist eine - « Dem Geheimrath war jetzt wirklich etwas in die Augen getreten , was er daraus fortzuwischen suchte , und darüber in Heftigkeit gerieth . Es war der dicke Staub aus der Schilderei , als er das Medaillon mit Gewalt wieder in seine Umfassung zu drücken bemüht war . Je mehr er im Aerger darauf schlug , so dichter puderte es ihm ums Gesicht . » Aus dem Haus muß Sie , daß Sie ' s weiß , « schloß er , mit den Augen beschäftigt , aus denen jetzt wirkliche Thränen , aber der Rührung , sich pressten . » Ja , Herr Geheimrath , das werde ich auch , sobald Sie es befehlen , « sagte Charlotte , die ihrerseits die Ruhe wieder gewonnen hatte . » Denn ich kenne meine Schuldigkeit . Aber erst werde ich vors Hallesche Thor gehen , aufs Grab der seligen Frau Geheimräthin , und die Kinder nehme ich mit . Da werde ich mit ihnen weinen , und sie sollen die kleinen Hände falten und ihre Mutter bitten , daß sie ihnen einen lieben Engel vom Himmel schickt , der sie in Schutz nimmt . Denn wissen Sie noch , Herr Geheimrath , wie die selige Frau Geheimräthin auf dem Todtenbette lagen ! Kreideweiß das Gesicht ! Ach Jesus , was wird aus meinen Kindern ! ja das hat sie gesagt ! « » Charlotte ! « sagte der Geheimrath , » Sie weiß , daß ich meine selige Frau innigst geliebt habe , aber die Welt gehört den Lebendigen , sagt der Dichter , und die Todten soll man ruhen lassen . « » Die selige Frau Geheimräthin sollen wohl Ruhe haben , wenn sie aus dem Grabe sehen , wie ' s hier