Weerth , Georg Leben und Taten des berühmten Ritters Schnapphahnski www.digitale-bibliothek.de / ebooks & nbsp ; Diese Datei wurde aus den Daten des Bandes DB125 : Deutsche Literatur von Luther bis Tucholsky mit der Software der Digitalen Bibliothek 5 erstellt und ist nur für den privaten Gebrauch des Nutzers der CD-ROM bzw. der DVD-ROM bestimmt . Bitte beachten Sie die Urheber- und Leistungsschutzrechte der Rechteinhaber der Daten . Georg Weerth Leben und Taten des berühmten Ritters Schnapphahnski Vorspiel Als der Verfasser des Lebens und der Taten des berühmten Ritters Schnapphahnski die ersten Arabesken seiner wundervollen affen- und ebenteuerlichen Geschichte schrieb , da fiel es ihm im Traume nicht ein , daß zur Belohnung für all die herrlichen Erzeugnisse seines unsterblichen Geistes einst ein Gerichtsvollzieher bei ihm erscheinen werde , um ihn mit würdiger Miene , aber in sehr nachdrücklichem Tone vor den Herrn Instruktionsrichter des Königlich-Preußischen Landgerichtes in Köln zu zitieren . Der Verfasser des Schnapphahnski hielt sich bisher für einen der unschuldigsten Menschen unsres verderbten Jahrhunderts . Er hatte sich oft darüber geärgert - denn nichts ist langweiliger und uninteressanter als die Unschuld . Als er aber den Gerichtsvollzieher sah und den Erscheinungsbefehl , in dem es klar und deutlich zu lesen war , daß er sich binnen zwei Tagen in dem Verhörzimmer des Richters melden solle , widrigenfalls nach der ganzen Strenge der Gesetze gegen ihn verfahren werde - kurz , als er sich davon überzeugte , daß man ihn für nichts mehr und nichts weniger als einen - Verbrecher halte : da sprang er empor mit dem Schrei des Emzückens , mit dem Jubel der Freude ob der endlich verlorenen Unschuld - er warf den Sessel um und den Tisch und alles , was darauf stand , und wäre fast dem Gerichtsvollzieher um den Hals gefallen , um ihn zu herzen und zu küssen , und ein über das andere Mal frohlockte er : » Ich bin ein Verbrecher ! ein Verbrecher ! Verbrecher ! « Die Freude des Verfassers hat sich seitdem in etwa gelegt . Er erschien nämlich wirklich vor Gericht , und es wurde ihm plötzlich sehr seltsam zumute . Das heilige Gerichtsgebäude der fröhlichen Stadt Köln machte trotz alledem einen unangenehmen Eindruck auf ihn . Mit den zwei nach vorn gekrümmten Seitenflügeln schien es ihn wie mit zwei abscheulichen Armen ergreifen und nicht wieder loslassen zu wollen . Und als nun gar rechts einige Erzengel der Gerechtigkeit mit langen Schleppsäbeln und großen häßlichen Schnurrbärten aufmarschierten und links Advokaten , Instruktionsrichter und Landgerichtsräte - alles Leute , die am Abend , im Wirtshause , bei einer Flasche Wein ganz manierlich aussehen - in langen wallenden Talaren , mit weißen Beffchen und altmodischen , höchst schauerlichen Mützen vorbeispazierten : da regte sich mit einem Male eine gewisse Stimme in der Seele des Angeklagten und sprach : » Wehe dir , wenn du etwas Böses getan hast ; mit der heiligen Themis ist nicht zu spaßen ! « Doch was soll ich meinen Lesern die Gemütsbewegungen des unglücklich-glücklichen Verfassers noch weiter schildern - ? Was geht meine Leser der Verfasser an ? - Wenden wir uns daher zu dem Prozesse selbst . Die Anklage lautet auf Verleumdung . Cervantes verleumdete den Don Quijote , Louvet verleumdete den Chevalier Faublas , ich soll den Ritter Schnapphahnski verleumdet haben . Das ist schrecklich ! Hat man den Cervantes gehängt ? Nein . Hat man den Louvet guillotiniert ? Nein . Wird man mich köpfen ? Wer weiß es ? Es wäre schade um mich . Es gibt nichts Schlimmeres auf Erden , als wenn man den Kopf verliert . Einstweilen besitze ich ihn noch , und hin und her habe ich mich besonnen , ob es wohl schon je so etwas gegeben hat , was dem Prozesse Schnapphahnski ähnlich sah . Die heilige Justiz möge mir verzeihen , wenn ich ihr unrecht tue - ich konnte noch nichts finden . Und nähmt ihr die Flügel der Morgenröte und flögt bis zum äußersten Meere : ihr fändet noch keinen zweiten Prozeß Schnapphahnski . Das einzige , was ihm entfernt ähnlich sieht , finden wir aufgezeichnet in dem 11. und 12. Kapitel des 2. Buches der » Erschrecklichen Heldentaten und Ebenteuer Pantagrueli , der Dipsoden König , in sein ursprünglich Naturell wiederhergestellt durch Meister Alcofribas , der Quintessenz Abstraktor « . Ich brauche meinen Lesern nicht zu bemerken , daß dieser Alcofribas niemand anders ist als : Meister Franz Rabelais , der Arzenei Doktoren . Meister Franz schildert uns in dem erwähnten Kapitel seines unübertrefflichen Werkes , für das er ebenfalls weder gehängt , guillotiniert noch geköpft wurde : den Prozeß Leckebock-Saugefist . Um meinen Lesern einen Vorgeschmack von dem möglicherweise zum wirklichen Ausbruch kommenden Prozeß Schnapphahnski zu geben , führe ich das Plädoyer jenes merkwürdigen Falles wörtlich an : » Da sprach Pantagruel zu ihnen : Seid ihr es , die ihr den großen Streit mit einander habt ? - Ja , gnädiger Herr , antworteten sie . - Und welcher von euch ist der Kläger ? - Ich bin ' s , sprach Herr von Leckebock . - Nun , mein Freund , so erzählet uns also Punkt für Punkt euren Handel rein nach der Wahrheit : denn bei dem hohen Sakrament ! wo ihr auch nur ein Wort dran lügt , hol ich den Kopf euch von den Schultern , und will euch weisen , daß man in Rechten und vor Gericht nur die lautere Wahrheit sagen soll . Darum hütet euch also wohl , eurer Sache etwas zuzusetzen oder davonzutun ! Saget an . Da begann denn Leckebock wie folgt : Gnädigster Herr , es ist wohl wahr , daß eine brave Frau meines Hofes Eier zu Markte trug - bedeckt euch , Leckebock , sprach Pantagruel . - Großen Dank , Herr , sagt ' der Junker : doch weiter im Text : zwischen den beiden Wendezirkeln kam sie sechs Kreuzer zenithwärts und einen Stüber , in Betracht daß die Riphäischen Berg dies Jahr sehr