Gotthelf , Jeremias Uli der Pächter www.digitale-bibliothek.de / ebooks & nbsp ; Diese Datei wurde aus den Daten des Bandes DB125 : Deutsche Literatur von Luther bis Tucholsky mit der Software der Digitalen Bibliothek 5 erstellt und ist nur für den privaten Gebrauch des Nutzers der CD-ROM bzw. der DVD-ROM bestimmt . Bitte beachten Sie die Urheber- und Leistungsschutzrechte der Rechteinhaber der Daten . Jeremias Gotthelf Uli der Pächter Vorwort Der erste Teil dieses Buches enthielt die Geschichte eines Knechtes , welcher durch Treue aus einem Knechte zum Meister wurde . Dieser zweite Teil enthält die Geschichte eines Meisters , welcher in den Banden der Welt lag und welchen der Geist wirklich frei machte . Der erste Teil war den Einen zu weltlich ; was nun dieser Teil den Einen oder Andern sein wird , läßt der Verfasser dahingestellt . Der Verfasser behauptet nicht , das Rechte getroffen , sondern bloß das : mit ehrlichem Willen nach dem Rechten gestrebt zu haben . Ob das Publikum billig und damit zufrieden ist , weiß der Verfasser nicht . Mag es aber nun so oder anders sein , so ist das sein Trost , daß ihm , so Gott will , nirgends ein gedankenloses oder feiles Segeln mit herrschenden Winden wird nachgewiesen werden können . Lützelflüh , den 13. Oktober 1848 . Jeremias Gotthelf Erstes Kapitel Eine Betrachtung Drei Kämpfe warten des Menschen auf seiner Pilgerfahrt . Drei Siege muß er erkämpfen , will er dem vorgesteckten Ziele sich nahen , bei seinem Scheiden sagen können : Vater , es ist vollbracht , in deine Hände befehle ich meinen Geist . In einander hinein schlingen sich die drei Kämpfe , doch bald der eine , bald der andere drängt sich in den Vordergrund , bald nach dem Lebensalter , bald nach den Umständen . Wenn der Frühling des Lebens blüht , die Kräfte sich entfalten , das Herz von Wünschen schwellt , die Seele zum Fluge nach oben die Flügel regt , aus dem sichern Hafen des väterlichen Hauses hinaus ins Leben , hinaus auf des trügerischen Meeres Höhe das Schifflein strebt , da wenden die reinsten und edelsten Kräfte sich dem Suchen einer Seele zu , im Ringen nach ihrem Besitz erglänzt zum ersten Male des Mannes göttliche Gestaltung . Es lebt ein tief Gefühl im Manne , und Gott hat es gepflanzt in den Mann , daß er , um zu kämpfen mit des trügerischen Meeres wilden Wellen , um zu besiegen die andringende Welt , eine zweite Seele bedürfe , daß er ein Weib bedürfe , um sich in dieser Welt zu schaffen und zu gründen ein bleibend Denkmal , die schönste Ehrensäule : eine tüchtige Familie , fest gewurzelt in der Erde und kühn und fromm hoch zum Himmel auf die Häupter hebend . Hat er die Seele gefunden , mit welcher vereint er sich getraut ein Haus zu erbauen , eine feste Burg gegen die lockende , andringende Welt , dann will er diese Seele an sich fesseln durch der Ehe heilig Band , welches nur Gott lösen soll . Nur wer des Lebens Bedeutung und seinen Ernst verkennt , das Leben hält für ein Schaukeln auf den Wellen der Lust ohne Ziel und Zweck , nur der verkennt der Ehe hohe Bedeutung , verhöhnt sie als veraltet , als eine morsche Schranke gegen wahre Kultur . Der ist dann aber auch kein Sohn der Ewigkeit , sondern ein Kind des Augenblicks ; wie ein Irrlicht hüpft im Moor , so ist sein Wandel durchs Leben , wie ein Irrlicht versinkt im Moor , so sein Leben im Schlamme der Welt . Hat er das Gefundene errungen , mit sich vereint durch der Ehe heilig Band , dann hat er den ersten Sieg erkämpft . Aber wehe dem , der mit dem Siege allen Kampf zu Ende glaubt . Das Wahren des Sieges ist oft schwerer als desselben Erringen , wie ein rascher , kühner Anlauf leichter ist als ein fest und standhaft Ausharren ; diesen Wahn hat mancher Sieger mit Schmach und Tod gebüßt . Jetzt gilt es , die Ungleichheiten der Seelen auszugleichen , vor der Selbstsucht sich zu hüten und das innere geistige Band , die Liebe , zu wahren , die da langmütig ist und freundlich , sich nicht aufbläht , nicht ungebärdig stellt , nicht das Ihre sucht und sich nicht verbittern läßt . Dem Ehemann beginnt so recht eigentlich der Ernst des Lebens , der Kampf mit der Welt . Wahrscheinlich hat er schon lange mit ihr gehändelt , manch Scherzspiel mit ihr getrieben , aber so recht mit Bewußtsein beginnt doch erst jetzt die ernste Schlacht . Dem Feldherrn vor beginnen der Schlacht gleicht der Hausvater am Morgen nach geschlossener Ehe . Wenn bei grauen , dem Morgen am Schlachttage aus seinem Zelte der Feldherr tritt , ist ernst bewegt sein Herz , prüfend schweift sein Auge durchs Gefilde , ermißt die Höhen , erforscht die Schluchten , erwägt die Kräfte , die ruhen hier und dort , schlummern viel , leicht den letzten Schlaf , die bald sich messen werden in graulichem Gewühle . Er überschlägt den Anfang und denkt an das Ende . Während er sinnt und denkt , erwacht um ihn die Welt , Schildwachen rufen , Tritte rasseln , Pferde wiehern , Bajonette blitzen in der aufsteigenden Sonne , Rauch steigt auf , und zum Aufsitzen ruft die Trompete die Reiter . Des Tages Getöne verbreitet sich , es erwacht aus seinen Sinnen der Feldherr . Er rafft sich zusammen , ordnet die Kräfte , ruft zur Schlacht . Über dem Gewirre wacht sein Auge , mit starker Hand lenkt er dasselbe , rollt es auf , zieht es zusammen einem Netze gleich , in welchem der Fischer seine Fische fängt . Er beginnt den Kampf , die Kräfte messen sich , wie ein Wirbelwind wirbelt die Schlacht durch Schluchten , Felder und Berge . Der Donner der Kanonen erfüllt die Luft , blutrot färben sich