Aston , Louise Lydia www.digitale-bibliothek.de / ebooks & nbsp ; Diese Datei wurde aus den Daten des Bandes DB125 : Deutsche Literatur von Luther bis Tucholsky mit der Software der Digitalen Bibliothek 5 erstellt und ist nur für den privaten Gebrauch des Nutzers der CD-ROM bzw. der DVD-ROM bestimmt . Bitte beachten Sie die Urheber- und Leistungsschutzrechte der Rechteinhaber der Daten . Louise Aston Lydia So bitter ist ein ganzes Meer von Galle nicht , als eines stolzen Weibes Thräne , der eig ' nen Schmach geweint ! Erstes Kapitel » Das nenn ' ich in der That ein eigenthümliches Spiel des Zufalls , Cornelia , daß ich Sie hier wiedertreffen muß ! « - rief ein junger Mann in elegantem Reisekostüm auf der Promenade des deutschen Bades Pr---t einer nicht minder elegant , aber weniger geschmackvoll gekleideten Dame zu , deren ganze Erscheinung den Eindruck machte , als wollte sie den natürlichen Reiz der Jugend , welcher den Zügen ihres Gesichts bereits entflohen war , durch künstliche Mittel mit Gewalt an sich fesseln . » Des Zufalls , lieber Baron ? des Glücks , wollen Sie sagen . - Wahrhaftig des Glücks , für mich wenigstens « - setzte sie mit halb aufrichtiger , halb ironischer Stimme hinzu , während ein eigenthümliches Lächeln um ihren farblosen , dünnen Mund spielte . Bekanntlich hat der Mensch vor den Thieren - den Affen etwa ausgenommen - unter vielen anderen Vorzügen hauptsächlich zwei , die ihn ganz besonders charakterisiren : das Lachen und das Weinen . Von diesen ist aber wiederum das Lachen eine Fähigkeit , die die meisten und mannichfaltigsten Modificationen besitzt , vom Grinsen des Kretins und des Affen bis zum feinen , viel deutigen und nichts sagenden Lächeln des Diplomaten , vom einfältig ehrlichen Ausbruch der derben Fröhlichkeit des Bauernsohns bis zum huldreichen Beifallslächeln eines erhabenen Mäcen . In allen diesen verschiedenen Arten und den unzähligen dazwischen liegenden helleren oder dunkleren , zarteren oder gröberen Schattirungen zeigt sich mehr als in irgend einer andern geistigen Funktion und Seelenäußerung des Menschen das treueste und markirteste Abbild seines individuellen Gepräges , nicht blos in intellektueller , als auch in sittlicher Beziehung . Corneliens Lachen hatte besonders das Eigenthümliche , daß die übrigen Züge außer dem Munde meistens ganz unberührt davon blieben . So zeigte sich auch jetzt auf ihrem Gesichte nicht die geringste Veränderung weder in Ausdruck noch in der Farbe . Der Baron von Landsfeld - so hieß der junge Mann - bot ihr lachend den Arm . » Seid wie lange sind Sie aus Venedig zurück , Cornelia ? Ich erinnere mich , daß Sie bei unserem letzten Zusammentreffen dort die Absicht aussprachen , nach Palermo zu gehen . « Er warf einen schnellen , aber stechenden Blick auf sie . Wirklich schien es , als ob durch die unangenehme Empfindung , welche in Cornelien durch die Worte ihres Begleiters erregt wurde , die harten steinernen Züge ihres Gesichts einen noch schärferen Ausdruck annahmen . Sie mochte dies fühlen , denn sie bemühte sich augenscheinlich , den starren Ernst ihrer Mienen , unter dem sie die Bewegung ihres Innern zu verstecken pflegte , in ihr gewöhnliches Lächeln umzuschmelzen , welches aber diesmal sich zu einer unheimlichen Grimasse verzerrte . » Lassen wir das , Baron « - sagte sie freundlich . » Ueberhaupt möchte ich Ihnen einen Kontrakt vorschlagen für die Dauer unseres hiesigen Beisammenseins , im Falle Sie nämlich gesonnen sind , längere Zeit hier zu verweilen . Ich gebe Ihnen in voraus die Versicherung , daß für das kleine Opfer , welches Sie mir bringen müssen , Ihnen reichliche Entschädigung werden soll . Es giebt hier unglaublich viel Namen , resp . Menschen mit Eitelkeit und Pedanterie im Kopfe oder Wärme im Herzen , an denen Sie Ihr Müthchen kühlen können . Doch davon später . Was mich betrifft , so gestehe ich Ihnen offen , daß mir an Ihrer Gesellschaft viel , sehr viel gelegen ist , daß ich trotzdem aber entschlossen bin , sie zu entbehren , wenn Sie mir nicht das Versprechen geben - mich zu schonen . « - Die letzten Worte sprach Cornelia mit einem gewissen Zögern , indem sie zugleich die Stimme etwas sinken ließ . Der Baron ließ ihren Arm los und sah ihr mit unverkennbarem Erstaunen , aber auch mit unverhehlter Freude in ' s Gesicht . » Ist ' s möglich , Cornelia ? Sie fangen an , Empfindung zu bekommen ? Sie gestehen ein , daß auch Sie der Schonung bedürftig sind , daß Sie folglich verletzt werden können ? Nun wahrhaftig , wenn das kein wunderbares Naturspiel ist , dann weiß ich nicht , ob es noch etwas Anderes sein kann , als ein eben so wunderbares Meisterstück - der Kunst . « » Sie irren sich in Beidem . Ich bin weder aufgelegt , sentimental zu werden , noch die Sentimentale zu spielen . Die einfache Thatsache ist die , daß ich einmal Vergnügen daran finde , aufrichtig zu sein - natürlich nur gegen Sie . « » Sehr verbunden , « sagte der Baron , indem er ihren Arm wieder in den seinigen legte . » Und womit habe ich diese unschätzbare Gunst verdient , wenn die Frage gestattet ist ? « » Es ist weder eine Gunst , lieber Baron , noch wüßte ich , womit Sie sie verdient hätten , wäre es eine . Nein , nein . Sie sind in dieser Rücksicht , glaub ' ich , nicht eitel genug , als daß ich Sie mit Erfolg täuschen könnte , vorausgesetzt , daß ich Zwecke durch Sie zu erreichen wünschte , deren Wichtigkeit mich für die Mühe eines solchen Täuschungsversuches entschädigte . Alles dies findet nicht statt ; Sie haben also die Gewähr für meine Aufrichtigkeit . Sind Sie mit dieser Erklärung zufrieden ? « » Allerdings , in so fern ich wohl mit Recht vermuthen darf , daß Sie mich in die weiteren und positiven Zwecke Ihrer Aufrichtigkeit zu mir