Otto , Louise Schloß und Fabrik www.digitale-bibliothek.de / ebooks & nbsp ; Diese Datei wurde aus den Daten des Bandes DB125 : Deutsche Literatur von Luther bis Tucholsky mit der Software der Digitalen Bibliothek 5 erstellt und ist nur für den privaten Gebrauch des Nutzers der CD-ROM bzw. der DVD-ROM bestimmt . Bitte beachten Sie die Urheber- und Leistungsschutzrechte der Rechteinhaber der Daten . Louise Otto Schloß und Fabrik Roman Erster Band Vorwort An dem Tage , wo ein Autor zu seinem Buche die Vorrede schreiben kann , sagt Jean Paul irgend wo , ist er glücklich . Jean Paul hat mit diesem Wort so Recht , wie mit manch ' anderm - ich fühle das jetzt und heute . Aber wenn ein Mensch eine glückliche Stunde hat , wie sie ihm selten kommt , so macht sie ihn öfter stumm , als beredt , so daß er zu all ' denen , welche ihm begegnen , oder zu ihm kommen , nicht anders zu reden weiß , als durch einen herzlichen Druck der Hand . Und so denn auch Euch , meine Leser , jetzt kein Wort weiter , aber Gruß und Handschlag von der Verfasserin . Meißen , im Januar 1846 . I. Die Erziehungsanstalt » Was er mir ist ? O , frage Blumenkelche , Was ihnen wohl der Thau , der sie besprengt ? « Betty Paoli . Zehn Uhr Abends . Um diese Stunde mußten in dem großen Hause des Herrn Doctor Nollin alle Lichter verlöscht und sollten alle Augen geschlossen sein . Und es waren viel schöne Augensterne , die da mit den Lichtern um die Wette zu leuchten aufhören mußten , statt daß manche von ihnen gewiß noch so gern abendlich geschwärmt und geblinkt hätten . Denn mehr als zwanzig junge Mädchen bewohnten dieses Haus auf der breiten , aber etwas einsamen Königsstraße einer Deutschen Residenz zweiter Größe . Herr und Madame Nollin leiteten nämlich ein Institut zur Erziehung und Ausbildung junger Mädchen aus den höheren Ständen . Das Institut war eben so vornehm , als kostspielig eingerichtet und daher auch nur von den Töchtern solcher Familien besucht , welchen Rang und Reichthum einen großen Aufwand gestattete . Dasselbe das erste der Residenz nennen zu können , war der Stolz von Madame Nollin . Zehn Uhr Abends . Auch die junge Gräfin Elisabeth von Hohenthal hatte ihr Licht verlöscht und , der Hausregel folgend , das Lager gesucht . Aber sie richtete sich bald wieder unruhig auf , zog mit der kleinen Hand die Vorhänge ihres Himmelbettes auseinander , streckte das Köpfchen hervor und vom matten Mondlicht unterstützt , blickte und lauschte sie nach der nebenan offen stehenden Thüre , dann rief sie halblaut : » Aurelie ! « Kichernd sprang auf diesen Ruf ein junges , leichtfüßiges Mädchen , in den leichten Schlafrock gehüllt , die niedlichen Pantoffeln , um Geräusch zu vermeiden , in den Händen , herein und warf sich in den Sessel neben Elisabeths Lager . » Nun , gestrenge Herrin , « lachte sie , » da bin ich zu Dero Befehl - ich brenne nämlich vor Neugier , zu wissen , warum Du heute den ganzen Tag so blaß und schmachtend ausgesehen hast , und mit welchen großartigen Plänen Du umgingst , als Du heute Deine Stickerei drei Mal auftrennen mußtest , ehe sie sich vor kritischen Augen sehen lassen konnte - nun beichte - « » Kann man nicht ernsthaft mit Dir reden , Aurelie ? « fegte Elisabeth mit etwas vorwurfsvoller Betonung . » Nun , warum denn nicht ? Wer weiß denn , daß Deine Geständnisse so gewaltig wichtig sind ? Aber wirklich , was hast Du denn ? « und Aurelie , indem sie die letzten Worte mit liebreich theilnehmender Stimme sprach , nahm die Rechte der Freundin zwischen ihre beiden kleinen Hände . » Thalheim , « begann diese , » ist heute abermals außen geblieben - « » Nun , und was weiter ? « » Was weiter ? Wäre nicht dies allein schon genug , um - « » Um Dich zu ärgern ? Möglich ! « sagte Aurelie , indem sie zu gähnen begann , » es thut mir zwar sehr leid , daß du dadurch verhindert worden bist , Deinen letzten geistreichen Aufsatz vortragen zu können , daß Du heute sein Lob nicht eingeärntet hast - allein hat Deine heutige Sentimentalität keinen andern Grund , als diesen etwas lächerlich ehrgeizigen , so thut es mir wirklich leid um den Schlaf , den ich jetzt versäume . « » Es sollte mir leid thun , hielte ich Dich von irgend einem Vergnügen zurück ; ist Dir der Schlaf ein solches , dann , gute Nacht ! « versetzte Elisabeth kalt und lehnte sich in die Kissen zurück . Aurelie stand stumm auf , öffnete leise das Fenster und sah hinaus . Sie that dies nur , um ein wenig Luft zu schöpfen oder vielmehr um Zeit zu gewinnen , sich mit der Freundin wieder auszusöhnen ; zu schnell wollte sie dieselbe aber nicht versöhnen , um sich selbst Nichts von ihrer eignen Würde zu vergeben . Bald jedoch ward ihre Aufmerksamkeit durch Stimmen , welche sich auf der Straße hören ließen , gefesselt . Zwei männliche Gestalten gingen unten vorüber und die Lauschende hörte die Worte : » So viel ist gewiß , dies ist das Institut , welchem sie angehören , aber wie aus einer so scharfbewachten Heerde gerade die Eine herausfinden , die man im Sinne hat und von der man nicht einmal weiß , ob sie Pauline oder Aurelie heißt - « Das Wort » Heerde « klang Aurelien zwar etwas anstößig , sie konnte es nicht ohne Nasenrümpfen hören , doch als sie ihren eignen Namen verstanden hatte , strengte sie ihr Gehör auf ' s Aeußerste an , um vielleicht noch ein die erregte Neugierde befriedigendes Wort zu vernehmen , und so hörte sie noch eine zweite Stimme sagen : » O , ich