Alexis , Willibald Die Hosen des Herrn von Bredow www.digitale-bibliothek.de / ebooks & nbsp ; Diese Datei wurde aus den Daten des Bandes DB125 : Deutsche Literatur von Luther bis Tucholsky mit der Software der Digitalen Bibliothek 5 erstellt und ist nur für den privaten Gebrauch des Nutzers der CD-ROM bzw. der DVD-ROM bestimmt . Bitte beachten Sie die Urheber- und Leistungsschutzrechte der Rechteinhaber der Daten . Willibald Alexis Die Hosen des Herrn von Bredow Vaterländischer Roman Erstes Kapitel . Die Herbstwäsche . Wenn du aus einem langen , bangen Kiefernwalde kommst , der von oben aussieht , wie ein schwarzer Fleck Nachtes , welchen die Sonne auf der Erde zu beleuchten vergessen , und nun fangen sich die hohen Bäume zu lichten an , die schlanken braunen Stämme werden vom Abendroth angesprenkelt , und die krausen Wipfel regen sanft ihre Nadeln in den freier spielenden Lüften , da wird dir wohl zu Muth um ' s Herz . Das Freie , was du vor dir siehst , sind nicht Rebengelände und plätschernde Bäche aus fernen , blauen Bergen über ein Steinbett schäumend , ' s ist nur ein Elsenbruch , vielleicht nur ein braunes Haidefeld , und darüber ziehen sich Sandhügel hinauf , in denen der Wind herrscht , das magere Grün , das von unten schüchtern heraufschleicht , anheulend , wie ein neidischer Hund , der über seinen nackten Knochen noch murrend Wache hält . Eine Birke klammert sich einsam an die Sandabhänge , ein Storch schreitet vorsichtig über das Moor , und der Habicht kreist über den Büschen . Aber es ist hell da , du athmest auf , wenn der lange , gewundene Pfad durch die Kiefernacht hinter dir liegt , wenn das feuchte Grün dich anhaucht , das Schilf am Fließe rauscht , die Käfer schwirren , die Bachstelzen hüpfen , die Frösche ihren Chor anheben , und dein Auge dem Luftzug folgt , der leis über die Haidekräuter streift . Es ist der stille Zauber der Natur , die auch die Einöden belebt ; und ihr Auge ist auch hier , denn dort hinter dem schwarzen , starren Nadelwald liegt ein weiter , stiller , klarer See . Er hüllt sich ein , wie ein verschämtes Weib , in seine dunkelgrünen Ufer , und möchte sie noch fester um sich ziehen , daß kein unberufener Lauscherblick eindringt . Er spiegelt sie wieder in seinem dunklen Wasser , mit ihrem Rauschen , mit ihrem Flüstern . Aber das dunkle Wasser wird plötzlich klar , wenn die Wolken vorüberziehen , ein Silberblick leuchtet auf ; der blaue Himmel schaut Dich an , der Mond badet sich , die Sterne funkeln . Dort ergießt der volle See sein Uebermaß in ein Fließ , das vom Waldrande fort in die Ebene sich krümmt . Hier bespült es Elsenbüsche , die es überschatten und gierig seine Wellen ausschlürfen möchten , sickert über die nassen Wiesen und wühlt sich dort im Sande ein festeres Kiesbett , um Hügel sich windend , an Steinblöcken vorübersprudelnd und durstige Weiden tränkend . Die vereinzelten Kiefern , Vorposten des Waldes , wettergepeitscht , trotzig in ihrer verkrüppelten , markigen Gestalt , blicken umsonst verlangend nach den kühlen Wellen ; nur ihre Riesenwurzeln wühlen sich unter dem Sande nach dem Ufer , um verstohlen einen Trunk zu schlürfen . Wer heut von den fernern Hügeln auf dieses Waldeck gesehen , hätte es nicht still und einsam gefunden . Zuerst hätte ein weißer , wallender Glanz das Auge getroffen , dann ringelten Rauchwirbel empor , und um die schwelenden Feuer bewegten sich Gestalten . Schnee war das Weiße nicht , denn die Bäume rötheten sich zwar schon herbstlich , aber sie schüttelten noch sparsam ihre welken Blätter ab , und die Wiesen prangten noch in kräftigem Grün . Schnee war es nicht , denn es blieb nicht liegen ; es flatterte und rauschte auf , hellen Lichtglanz werfend und dann wieder verschwindend . Schwäne waren es auch nicht , die aufflattern wollen , und die Flügel wieder sinken lassen . Das hätten Riesenvögel sein müssen , deren es im Havellande und der Zauche nie gegeben hat . Auch Segel nicht , die der Wind aufbläht und wieder niederschlägt ; denn auf dem Fließe trieben nur kleine Nachen . Auch Zelte nicht , denn es bewegte sich hin und her , und wer näher kam , sah deutlich zwischen den Feuern Hütten aufgerichtet , zierlich von Stroh und rohere von Kiefergebüsch . Eine Lagerung war es , aber der einsame Reisende brauchte sich vor Raubgesellen nicht zu fürchten ; die paar Spieße , die in der Nachmittags-Sonne glänzten , standen friedlich an die Hüttenpfosten oder Bäume gelehnt . Räuber lachen und singen nicht so heitere Weisen , und die Lüderitze lagerten , wenn sie ausritten , auch nicht in entlegenen Winkeln , zwischen Haide und Moor , wo Kaufleute nicht des Weges ziehen . Ja , wär ' s zur Nachtzeit gewesen , der Ort war verrufen , auf unheimliche Weiber hättest du schließen können , die ihre Tränke brauen , wo Keiner es sieht . Aber es war noch ein heller Nachmittag , und eben so hell schallte bisweilen ein frohes Gelächter herüber , untermischt mit anderm seltsamen Geräusch , wie Klatschen und Klopfen . Kurz es war ein Lager allerdings , aber nicht von Kriegsknechten oder Wegelagerern , nicht von Kaufleuten oder Zigeunern , welche die Einsamkeit suchen ; es war ein Feldlager , wo mehr Weiber als Männer waren , und das Feldlager war eine große Wäsche . Von den Sandhöhen nach Mitternacht , deren nackte Spitzen über das Haidegestrüpp vorblickten , konnte man es deutlich sehen . In einem Sattel dieser Sandhügel stand nämlich ein bepackter Karren . Sein Eigentümer , der Krämer , hatte ihn hier untergebracht außer dem Wege , damit kein Späheraug Gäule noch Wagen entdecke , bevor er sich versichert , was da unten vorging . Selbst war er geräuschlos , vorsichtig , auf eine Kiefer geklettert , um