Gotthelf , Jeremias Geld und Geist www.digitale-bibliothek.de / ebooks & nbsp ; Diese Datei wurde aus den Daten des Bandes DB125 : Deutsche Literatur von Luther bis Tucholsky mit der Software der Digitalen Bibliothek 5 erstellt und ist nur für den privaten Gebrauch des Nutzers der CD-ROM bzw. der DVD-ROM bestimmt . Bitte beachten Sie die Urheber- und Leistungsschutzrechte der Rechteinhaber der Daten . Jeremias Gotthelf Geld und Geist oder Die Versöhnung Das wahre Glück des Menschen ist eine zarte Blume , tausenderlei Ungeziefer umschwirret sie , ein unreiner Hauch tötet sie . Zum Gärtner ist ihr der Mensch gesetzt , sein Lohn ist Seligkeit , aber wie Wenige verstehen ihre Kunst , wie Viele setzen mit eigener Hand in der Blume innersten Kranz der Blume giftigsten Feind ; wie Viele sehen sorglos zu , wie das Ungeziefer sich ansetzt , haben ihre Lust daran , wie dasselbe nagt und frißt , die Blume erblaßt ! Wohl dem , welchem zu rechter Zeit das Auge aufgeht , welcher mit rascher Hand die Blume wahret , den Feind tötet ; er wahret seines Herzens Frieden , er gewinnt seiner Seele Heil , und beide hängen zusammen wie Leib und Seele , wie Diesseits und Jenseits . Im Bernbiet liegt mancher schöne Hof , mancher reiche Bauernort , und auf den Höfen wohnt manch würdiges Ehepaar , in ächter Gottesfurcht und tüchtiger Kinderzucht weithin berühmt , und ein Reichtum liegt da aufgespeichert in Spycher und Kammer , in Kasten und in Kisten , von welchem die luftige neumodische Welt , welche alles zu Geld macht , weil sie viel Geld braucht , keinen Begriff hat . Bei allem diesem Vorrat liegt eine Summe Geld im Hause für eigene und fremde Notfälle , die in manchem Herrenhause jahraus , jahrein nicht zu finden wäre . Diese Summe hat sehr oft keine bleibende Stätte . Wie eine Art von Hausgeist , aber keine böse , wandert es im Hause herum , ist bald hier , bald dort , bald allenthalben : bald im Keller , bald im Spycher , bald im Stübchen , bald im Schnitztrog und manchmal an allen vier Orten zu gleicher Zeit und noch an ein halb Dutzend andern . Wenn ein Stück Land feil wird , das zum Hofe sich schickt , so wird es gekauft und bar bezahlt . Vater und Großvater sind auch nie einem Menschen etwas schuldig geblieben , und was sie kauften , zahlten sie bar und zwar mit eigenem Gelde . Und wenn Verwandschaft oder in der Freundschaft und in der Gemeinde ein braver Mann in Geldverlegenheit war oder einen Schick zu machen wußte , so wanderte dieses Geld hierhin und dorthin , und zwar nicht als eine Anwendung , sondern als augenblickliche Aushülfe , auf unbestimmte Zeit , und zwar ohne Schrift und Zins , auf Treu und Glauben hin und auf die himmlische Rechnung , und zwar eben deswegen so , weil sie noch an ein jenseits glaubten , wie recht ist . In die Kirche und auf den Markt geht in ehrbarem Halblein der Mann , und die Erste des Morgens und die Letzte des Abends schaltet die Frau im Hause , und keine Speise kömmt auf den Tisch , welche sie nicht selbst gekocht , und keine Melchter in den Schweinstrog , in die sie nicht mit blankem Arme gefahren wäre bis auf den Grund . Wer solche adeliche Ehrbarkeit sehen möchte , der gehe nach Liebiwyl ( wir meinen nicht das in der Gemeinde Köniz , wissen auch nicht , ob sie dort gefunden würde ) . Dort steht ein schöner Bauerhof hell an der Sonne , weithin glitzern die Fenster , und alle Jahre wird mit der Feuerspritze das Haus gewaschen . Wie neu sieht es daher aus und ist doch schon vierzig Jahre alt , und wie gut das Waschen selbst den Häusern tut , davon ist es ein täglich Exempel . Eine bequeme Laube , schön ausgeschnitzt , sieht unterm Dach hervor ; rings ums Haus läuft eine Terasse , ums Stallwerk aus kleinen , eng gefügten Steinen , ums Stubenwerk aus mächtig großen Platten . Schöne Birn- und andere Bäume stehen ums Haus , üppig grünt es ringsum ; ein Hügel schirmt gegen den Bysluft , aber aus den Fenstern sieht man die Berge , die so kühn und ehrenfest Trotz bieten dem Wandel der Zeiten , dem Wandel der Menschen . Wenn Abend ist , so sieht der Besucher neben der Türe auf einer Bank einen Mann sitzen , der ein Pfeifchen raucht und dem man es ansieht , daß er tief in den sechziger Jahren steht . Unter der Türe sieht er zuweilen eine lange Gestalt mit freundlichem Gesichte und reinlichem Wesen , welche dem Mann etwas zu sagen oder etwas zu fragen hat , das ist des Mannes Frau . Hinten im Schopf tränkt ein hübscher Junge , schlank und keck , die schönen Braunen , während ein älterer Bruder Stroh in den Stall trägt , und aus dem Garten hebt sich aus Kraut und Blumen herauf zuweilen ein lustiges Meitschigsicht und frägt die Mutter , ob es etwa kommen solle und helfen , oder schimpft über Wären im Kabis , über Katzen im Salat , über Mehltau an den Rosen und frägt den Vater , was gut sei dagegen . Diensten und Tauner kommen allgemach vom Feld heim , ein Huhn nach dem andern geht zSädel , während der Tauber seinem Täubchen noch gar emsig den Hof macht . Ein solches Bild hätte man fast alle Abende vor Augen gehabt , wenn einer vor fünf oder sechs Jahren vor jenem Hause zu Liebiwyl stillegestanden wäre , und wenn er dann die Nachbaren oder eine alte Frau , welche etwas unterm Fürtuch gehabt , gefragt hätte , was das für Leute wären , so hätte er in Kürze ungefähr Folgendes vernommen . Das seien bsunderbar gute und grausam reiche Leute . Als sie vor ungefähr dreißig Jahren Hochzeit gehabt hätten , da seien