Gotthelf , Jeremias Wie Uli der Knecht glücklich wird www.digitale-bibliothek.de / ebooks & nbsp ; Diese Datei wurde aus den Daten des Bandes DB125 : Deutsche Literatur von Luther bis Tucholsky mit der Software der Digitalen Bibliothek 5 erstellt und ist nur für den privaten Gebrauch des Nutzers der CD-ROM bzw. der DVD-ROM bestimmt . Bitte beachten Sie die Urheber- und Leistungsschutzrechte der Rechteinhaber der Daten . Jeremias Gotthelf Wie Uli der Knecht glücklich wird Eine Gabe für Dienstboten und Meisterleute Erstes Kapitel Es erwacht ein Meister , es spukt in einem Knechte Es lag eine dunkle Nacht über der Erde ; noch dunkler war der Ort , wo eine Stimme gedämpft zu wiederholten Malen » Johannes ! « rief . Es war ein kleines Stübchen in einem großen Baurenhause ; aus dem großen Bette , welches fast den ganzen Hintergrund füllte , kam die Stimme . In demselben lag eine Bäurin samt ihrem Manne , und diesem rief die Frau : » Johannes ! « , bis er endlich anfing zu mugglen und zuletzt zu fragen : » Was willst , was gibts ? « » Du wirst auf müssen und füttern ! Es hat schon halb fünf geschlagen und der Uli ist erst nach den zweien heimgekommen und noch die Stiege herabgefallen , als er ins Gaden wollte . Es dünkte mich , du solltest erwachen , so hat er einen Lärm verführt . Er ist voll gewesen und wird jetzt nicht auf mögen , und es ist mir auch lieber , er gehe so gestürmt mit dem Licht nicht in den Stall . « » Es ist ein Elend heutzutag mit den Diensten , « sagte der Bauer , während er Licht machte und sich anzog , » man kann sie fast nicht bekommen , kann ihnen nicht Lohn genug geben , und zuletzt sollte man alles selbst machen und zu keiner Sache nichts sagen . Man ist nicht mehr Meister im Hause und kann nicht eben genug trappen , wenn man nicht Streit haben und verbrüllet sein will . « » Du kannst das aber nicht so gehen lassen , « sagte die Frau , » das kömmt zu oft wieder ; erst in der letzten Woche hat er zweimal gehudelt , hat ja Lohn eingezogen , ehe es Fasnacht war . Es ist mir nicht nur wegen dir , sondern auch wegen Uli . Wenn man ihm nichts sagt , so meint er , er habe das Recht dazu , und tut immer wüster . Und dann müssen wir uns doch ein Gewissen daraus machen ; Meisterleut sind Meisterleut , und man mag sagen , was man will , auf die neue Mode , was die Diensten neben der Arbeit machen , gehe niemand etwas an : die Meisterleut sind doch Meister in ihrem Hause , und was sie in ihrem Hause dulden und was sie ihren Leuten nachlassen , dafür sind sie Gott und den Menschen verantwortlich . Dann ist mir noch wegen den Kindern . Du mußt ihn ins Stübli nehmen , wenn sie zMorge gegessen haben , und ihm ein Kapitel lesen . « Es herrscht nämlich in vielen Bauernhäusern und namentlich in solchen , die zum eigentlichen Bauernadel gehören , das heißt in solchen , wo der Besitztum lange in der Familie sich fortgeerbt hat , daher Familiensitte sich festgesetzt , Familienehre entstanden ist , die sehr schöne Sitte , durchaus keinen Zank , keinen heftigen Auftritt zu veranlassen , der irgend der Nachbaren Aufmerksamkeit auf sich ziehen könnte . In stolzer Ruhe liegt das Haus mitten in den grünen Bäumen ; in ruhigem , gemessenem Anstande bewegen sich um und in demselben dessen Bewohner , und über die Bäume schallt höchstens das Wiehern der Pferde , aber nicht die Stimme der Menschen . Es wird nicht viel und laut getadelt . Mann und Weib tun es gegen einander nie , daß es Andere hören ; über Fehler von Dienstboten schweigen sie oft oder machen gleichsam im Vorbeigehen eine Bemerkung , lassen bloß ein Wort , eine Andeutung fallen , daß es die Andern kaum merken . Wenn etwas Besonderes vorgefallen oder das Maß voll geworden ist , so rufen sie den Sünder ins Stübli , und zwar so unvermerkt als möglich , oder suchen ihn bei einsamer Arbeit auf und lesen ihm unter vier Augen ein Kapitel , wie man zu sagen pflegt , und dazu hat der Meister gewöhnlich sich recht vorbereitet . Er liest dieses Kapitel in vollkommener Ruhe , recht väterlich , verhehlt dem Sünder nichts , auch das Herbste nicht , läßt ihm aber auch Gerechtigkeit widerfahren , stellt ihm die Folgen seines Tuns in Bezug auf sein zukünftig Schicksal vor . Und wenn der Meister fertig ist , so ist er zufrieden , und die Sache ist so weit abgetan , daß der Abkapitelte oder die Andern im Betragen des Meisters durchaus nichts spüren , weder Bitterkeit noch Heftigkeit noch etwas anderes . Diese Kapitelten sind meist von guter Wirkung , wegen dem Väterlichen , das darin vorherrscht , wegen der Ruhe , mit welcher sie gehalten werden , wegen der Schonung vor Andern . Von der Selbstbeherrschung und ruhigen Gemessenheit in solchen Häusern vermag man sich kaum eine Vorstellung zu machen . Als der Meister im Stall fertig war , kam Uli auch nach , aber stillschweigend ; sie sagten kein Wort zu einander . Als die Stimme aus der Küchetüre zum Essen rief , ging der Meister alsobald zum Brunnentrog und wusch die Hände ; aber Uli drehte noch lange , ehe er kam . Er wäre vielleicht gar nicht gekommen , wenn die Meisterfrau nicht eigenmündig ihm noch einmal gerufen hätte . Er schämte sich , sein Gesicht zu zeigen , das braun , blau und blutig war . Er wußte nicht , daß es besser ist , sich vor einer Sache zu schämen , ehe man sie tut , als hinterher über eine Sache , wenn sie getan ist ; aber