Arnim , Bettina von Die Günderode www.digitale-bibliothek.de / ebooks & nbsp ; Diese Datei wurde aus den Daten des Bandes DB125 : Deutsche Literatur von Luther bis Tucholsky mit der Software der Digitalen Bibliothek 5 erstellt und ist nur für den privaten Gebrauch des Nutzers der CD-ROM bzw. der DVD-ROM bestimmt . Bitte beachten Sie die Urheber- und Leistungsschutzrechte der Rechteinhaber der Daten . Bettina von Arnim Die Günderode Den Studenten Die Ihr gleich goldnen Blumen auf zertretnem Feld wieder aufsprosset zuerst ! In fröhlichen Zukunftsträumen der Muttererde huldigt , harrend voll heiligem Glauben , daß endlich Eurer Ahnung Gebild vollende der Genius und Fesseln der Liebe Euch umlege und großer Männer Unsterblichkeit in den Busen Euch säe . - Die Ihr immer rege , von Geschlecht zu Geschlecht , in der Not wie in des Glückes Tagen auf Begeistrungspfaden schweift ; in Germanias Hainen , auf ihren Ebnen und stolzen Bergen , am gemeinsamen Kelch heiligkühner Gedanken Euch berauschend , die Brust erschließt und mit glühender Träne im Aug Bruderliebe schwört einander , Euch schenk ich dies Buch . Euch Irrenden , Suchenden ! Die Ihr hinanjubelt den Parnassos , zu Kastalias Quell ; reichlich der aufbrausenden Flut zu schöpfen den Heroen der Zeit und auch den Schlafenden im schweigenden Tal , schweigend , feierlichen Ernstes die Schale ergießt . Die Ihr Hermanns Geschlecht Euch nennt , Deutschlands Jüngerschaft ! - Dem Recht zur Seite , klingenwetzend der Gnade trotzt ; mit Schwerterklirren und der Begeistrung Zuversicht der Burschen Hochgesang anstimmt : » Landesvater , Schutz und Rater ! « Mit flammender Fackel , donnernd ein dreifach Hoch dem Herrscher , dem Vaterland , dem Bruderbunde jauchzt , und : » Strömen gleich , zusammenrauschet in ein gewaltig Heldenlied . « Ihr , die mit Trug noch nicht nach nichtiger Hoffnung jagtet ! - Wenn der Philister Torengeschlecht den Stab Euch bricht , so gedenket , Musensöhne , daß ihre Lärmtrommel des leuchtenden Pythiers Geist nicht betäubt ; keine Lüge haftet an ihm , keine Tat , kein Gedanke ! Er ist wissend ! - Und lenkt , daß , unberührt von des Gesetzes Zwang , schnellen feurigen Wachstums , das Göttliche erblühe und in der Zeiten Wechsel ein milder Gestirn über Euch hinleuchte . Erster Teil Briefe aus den Jahren 1804-1806 An die Günderode Der Plaudergeist in meiner Brust hat immerfort geschwätzt mit Dir , durch den ganzen holperigen Wald bis auf den Trages , wo alles schon schlief , sie wachten auf und sagten , es wäre schon ein Uhr vorbei , auf dem Land blasen sie abends die Zeit aus wie eine Kerz , die man sparen will . Wie ich erzählte , daß Du mitgefahren warst bis Hanau , da hätten sie Dich all gern hier haben wollen , ein jeder für sich allein , da wär ich doch um Dich gekommen . Durch Dich feuert der Geist , wie die Sonn durchs frische Laub feuert , und mir geht ' s wie dem Keim , der in der Sonn brütet , wenn ich an Dich denken will , es wärmt mich , und ich werd freudig und stolz und streck meine Blätter aus , und oft bin ich unruhig und kann nicht auf einem Platz bleiben , ich muß fort ins Feld , in den Wald ; - in freier Luft kann ich alles denken , was im Zimmer unmöglich war , da schwärmen die Gedanken über die Berg , und ich seh ihnen nach . Alles ist heut nach Meerholz gefahren zum Vetter mit der zu großen Nas , ich bin allein zu Haus , ich hab gesagt , ich wollt schreiben , aber die Hauptursach war die Nas . Eben komm ich aus der Lindenallee , ich hab das ganze Gewitter mitgemacht , die Bäum geben gut Beispiel , wie man soll standhaft sein im Ungewitter , Blitz und Donner hintereinander her , bis sie außer Atem waren , nun ruhen alle Wälder . Ich war gleich naß , und so warm der Regen , hätt ' s nur stärker noch regnen wollen , aber bald war ' s schön Wetter , und der Regenbogen auf dem Saatfeld , ich war wohl eine halbe Stund weit gelaufen und ihm doch nicht näher gekommen , da fiel mir ein , daß man oft denkt , es wär so nah alles , was man gern erreichen möcht , und wie man mit allem Eifer doch nicht näherrückt . Wenn nicht die Schönheit vom Himmel herab uns überstrahlt , von selbst ihr entgegenlaufen ist umsonst , - ich hab den ganzen Nachmittag verlaufen , eben kommen sie schon angefahren . Sonntag Gestern ging ich noch allein in der Dunkelheit durchs Feld . Da fiel mir wieder ein alles , was wir am Sonntag von Frankfurt bis Hanau im Wagen zusammen geredet haben ; - wer von uns beiden zuerst sterben wird . Jetzt bin ich schon acht Tag hier , unser Gespräch klingt noch immer nach in mir . » Es gibt ja noch Raum außer dieser kleinen Tags- und Weltgeschichte , in dem die Seel ihren Durst , selbst etwas zu sein , löschen dürfe « , sagtest Du . - Da hab ich aber gefühlt , und fühl ' s eben wieder und immer : wenn Du nicht wärst , was wär mir die ganze Welt ? - Kein Urteil , kein Mensch vermag über mich , aber Du ! - Auch bin ich gestorben schon jetzt , wenn Du mich nicht auferstehen heißest und willst mit mir leben immerfort ; ich fühl ' s recht , mein Leben ist bloß aufgewacht , weil Du mir riefst , und wird sterben müssen , wenn es nicht in Dir kann fortgedeihen . - Frei sein willst Du , hast Du gesagt ? - Ich will nicht frei sein , ich will Wurzel fassen in Dir - eine Waldrose , die im eignen Duft sich erquicke , will die der Sonne sich schon öffnen und