Paalzow , Henriette von Ste . Roche www.digitale-bibliothek.de / ebooks & nbsp ; Diese Datei wurde aus den Daten des Bandes DB125 : Deutsche Literatur von Luther bis Tucholsky mit der Software der Digitalen Bibliothek 5 erstellt und ist nur für den privaten Gebrauch des Nutzers der CD-ROM bzw. der DVD-ROM bestimmt . Bitte beachten Sie die Urheber- und Leistungsschutzrechte der Rechteinhaber der Daten . Henriette von Paalzow Ste . Roche Von der Verfasserin von Godwie-Castle Erster Theil Der junge Marquis d ' Anville hatte sich in seine Bibliothek zurückgezogen , und wir finden ihn in einer frühen Morgenstunde , wie es scheint , mit sehr ernsten Angelegenheiten beschäftigt . Bestäubte Aktenstücke , deren vergelbtes Pergament und in Kapseln daran niederhängende Siegel auf wichtige Dokumente schließen lassen , liegen um ihn her auf Stühlen und Tischen , und werden abwechselnd verglichen und geprüft mit Briefen und Papieren , welche einen neueren Ursprung verrathen und zu Notizen veranlassen , die der junge Mann alsdann nachdenkend in ein kleines Buch verzeichnet . Sichtlich sind ernste , fast schwermüthige Gedanken dabei in ihm angeregt , denn die Stirn , die sonst der Wohnsitz der Heiterkeit zu sein scheint , ist umwölkt und trägt die Furchen tiefen Nachdenkens . - Hinter seinem Rücken hat sich indessen die Thür geöffnet , und es naht sich ihm der holdeste Feind trübsinnigen Nachdenkens , seine junge und schöne Gemahlin , deren leichter Schritt sie ihm noch nicht verkündet , während sie selbst mit jugendlicher Schüchternheit zu zagen scheint , und ungewiß , ob sie es wagen darf , ihm zu nahen , sich von dem Ernste seiner Beschäftigungen und dem Ausdruck seiner seitwärts belauschten Züge imponiren läßt . Gern sähe sie sich von ihm bemerkt und herbeigerufen , aber ihre beredten Augen bleiben natürlich , wenn auch auf ihn gerichtet , dennoch geräuschlos , und sie muß sich entschließen , sich selbst anzukündigen . » Ich bin unbescheiden , Dich zu stören , « hebt sie an - » aber ich wußte nicht , daß Du so ernst beschäftigt warst . « Bei dem Klange dieser lieben Stimme richtet der junge Marquis das Antlitz der Redenden entgegen , und als ob ein Sonnenstrahl den Wolkenschleier durchbräche , so leuchtet das entzückte Lächeln der Liebe daraus hervor . » O , Lücile ! « ruft er , ihr die Hand entgegenstreckend , » stets ersehnt , stets erwünscht und zur rechten Stunde , ist nur Deine Entfernung eine Störung für mich . « » Auch wollte ich mich nur als Botin des Frühlings bei Dir melden , « antwortete nun , in völlig sichere Heiterkeit zurückgekehrt , die junge Marquise . » Diese Veilchen , die ihr sehnsüchtiges Herz , der Sonne entgegen , unter dem leichten Reife des alten Mooses hervordrängen , sie tragen in ihrem süßen Dufte das ganze Paradies des Frühlings , sie erinnern mich an ihre Schwestern in der Provence , an die knospenden Buchengänge von Arconville . « » Geliebtes Wesen ! « rief ihr Gemahl - » es liegt zwischen der schönen Wiege unserer ersten glücklichen Tage ein weit abführender Weg , der hier aus diesem Aktenwuste unabweisbar sich entwickelt . Mahnung an den Frühling kömmt mir aber zur rechten Zeit ; er giebt mir Muth , Dir eine Reise vorzuschlagen , die Dich schon jetzt den Freuden des glänzenden Hoflebens entführen wird . « » Wie ! « rief die junge Frau - » verstehe ich Sie recht , Herr Marquis ? Sie schlagen mir vor , den Hof inmitten seiner größten Freuden zu verlassen ? Haben Sie die Liste übersehen , die man gestern in den Zimmern der Königin herumzeigte , die uns wenigstens noch zwölf Bälle , ein Caroussel und einen Maskenscherz von einigen Tagen verspricht ? Haben Sie die prachtvollen Roben und Ballkleider vergessen , mit welchen Sie Ihre Gemahlin beschenkt , und die noch nicht zur Hälfte den Neid meiner schönen Rivalinnen erregt haben ? Wollen Sie , daß die Juwelen , um deren Besitz Sie die alte und neue Welt geplündert , die Perlen , nach denen die Wellen des Meeres noch jetzt seufzend am Strande niederstürzen - wollen Sie , daß dieß Alles umsonst für den ersten Debüt Ihrer Gemahlin verwendet ward ? Wissen Sie nicht überdies , daß wir das Taubenpaar aus der Provence heißen , und daß ich dem tugendhaften Versailler Hofe das nie gesehne Schauspiel gab , ein Jahr nach der Hochzeit noch von meinem Gemahle geliebt zu sein ? Wollen Sie , daß ich all ' diesen Triumphen entsage , die mein junges Herz berauschen - und was wollen Sie mir zum Ersatze bieten ? « » Nichts , Lücile , « rief ihr Gemahl mit dem vollen Ausdrucke entzückter Sicherheit - » nichts , als mich - entweder sehr wenig , oder - Alles ? Laß Deine Roben und Juwelen zurück - ich schenke Dir einen Strohut und pflücke Dir selbst die Blumen darauf ! « Die Marquise wandte sich leicht von ihm ab - er folgte dem lieblichen Gesichte - ihre Augen standen in Thränen - aller neckende Muthwille war daraus verschwunden . Als sie schüchtern zu ihm aufblickte , sagte sie mit dem frommen Ernst einer Betenden : » Bin ich nicht zu glücklich ? « » Laß uns dankbar sein und Gott ehren durch ein lebendiges Gefühl unseres Glücks , « sagte der Marquis - » es scheint mir ein schöner Gottesdienst , ein glückliches freudiges Herz sich zu erhalten und sich des Geschenks seines Lebens zu erfreun ! Ich fürchte nicht , daß mir die Kraft darin erlahmen wird , ihm gehorsam und getrost zu bleiben , wenn trübe Tage kommen ; denn ein tugendhaftes Glück läßt die Gaben des Herzens und Geistes unverkümmert empor wachsen . « » Ich fürchte wenigstens für Dich nicht , mein Armand , « sagte die Marquise mit jenem Lächeln der Bewunderung , das die Blüte des schönsten weiblichen Glücks , nur die höchste Achtung in der hingebensten Liebe ,