Paalzow , Henriette von Godwie-Castle www.digitale-bibliothek.de / ebooks & nbsp ; Diese Datei wurde aus den Daten des Bandes DB125 : Deutsche Literatur von Luther bis Tucholsky mit der Software der Digitalen Bibliothek 5 erstellt und ist nur für den privaten Gebrauch des Nutzers der CD-ROM bzw. der DVD-ROM bestimmt . Bitte beachten Sie die Urheber- und Leistungsschutzrechte der Rechteinhaber der Daten . Henriette von Paalzow Godwie-Castle Aus den Papieren den Herzogin von Nottingham Vorwort des Verlegers Zur ersten Auflage Die Handschrift des hier im Druck erscheinenden Buches ist aus der Ferne auf eine nicht gewöhnliche Weise in die Hände des Verlegers gekommen , und zwar ohne Namen des Verfassers , der ihm völlig unbekannt geblieben ist . So unwahrscheinlich das vielleicht auch Manchem erscheinen mag , so ist es doch die volle Wahrheit . Was den Inhalt des Werkes anbetrifft , so werden Leser , die nicht flüchtig , sondern mit Geist und Beobachtungsgabe zu lesen gewohnt sind , die Bedeutsamkeit desselben bald erkennen , und dem Urtheil solcher schärfer und tiefer Blickenden muß es denn auch anheim gestellt bleiben , ob sie das hier Mitgetheilte als wirkliche Erlebnisse und eigentliche Denkwürdigkeiten , oder als Dichtung auffassen und betrachten wollen . Zur zweiten Auflage Die günstige Aufnahme , welche dieses Werk bei gebildeten Lesern gefunden , so wie die gleich bleibende Theilnahme des Publikums , machten diese zweite Auflage binnen Jahresfrist nöthig . Obschon im Wesentlichen nichts verändert , so ist doch eine sorgfältig verbesserte Durchsicht der Sprache , wie der Sachen bei der jetzigen Auflage nicht unterlassen worden . Die Frau Verfasserin , die zwar dem Verleger gegenüber ihre Anonymität abgelegt , dem Publikum aber nur ihr Werk , nicht ihren Namen darbieten will , wird in der fortgesetzten Theilnahme an demselben gewiß die befriedigendste Genugthuung und einige frohe Lebensstunden mehr finden . Zur dritten und vierten Auflage Die neueste Auflage dieses deutschen Dichterwerks , welches im Andenken gebildeter Leser sich forterhält und dessen wiederholte Lektüre den Geistreichsten unter ihnen zum Bedürfniß geworden ist , meint der Verleger nicht besser und würdiger einleiten zu können , als durch den Abdruck jener ersten Recension , welche gleich damals erschien , als das Werk noch kaum bekannt war , und als deren Verfasser Herr Braniß , Professor der Philosophie an der Universität Breslau , sich unterzeichnet hat . Diesem bleibt das Verdienst , der Erste gewesen zu sein , der durch sein tief begründetes Urtheil die hohe Bedeutung von Godwie-Castle anerkannte und klar entwickelte , den Autor , dessen Name noch nicht einmal vermuthet werden konnte , freudigst begrüßte und ihm jenen immergrünen Kranz , der nur Wenigen in diesem Felde der Dichtung zu Theil geworden , zuerst darreichte . Jene Beurtheilung , welche vor fünf Jahren , am 7. November 1836 , erschien , und hier als einleitendes Vorwort wieder abgedruckt ist , wird denkenden Lesern gewiß eine werthvolle Beigabe sein . » Walter Scott ' s geistreiche Weise , im Romane Dichtung und geschichtliche Wirklichkeit geschickt mit einander zu verweben , hat mit Recht die Theilnahme der Lesewelt in hohem Grade erregt , und wenn diese Theilnahme jetzt sehr gesunken ist , so mag dies wohl hauptsächlich von den vielen Nachahmern Scottischer Manier herrühren , welche ohne das Talent des geistvollen Britten , doch alle seine Fehler aufgenommen haben . Solcher Fehler giebt es denn freilich auch viele . Jener breiten Detailmalerei nicht zu erwähnen , welche , weit entfernt eine größere Anschaulichkeit zu bewirken , den Leser vielmehr nur seine Unfähigkeit empfinden läßt , alle die kleinlichen Elemente zu einem Gesammtbilde zu vereinen , sei hier nur des großen Mißverhältnisses gedacht , in welchem bei Scott die Dichtung zu dem gegebenen geschichtlichen Stoffe steht . Nur zu sehr in der That läßt der Dichter es uns merken , daß er selbst sich weit mehr für das Historische , als für seine eigene Schöpfung interessirt , und jemehr es ihm vermöge der Lebendigkeit seiner Darstellung gelingt , auch dem Leser ein Interesse für das Geschichtliche einzuflößen , desto dürftiger muß diesem der innerhalb mächtig hervortretender Weltverhältnisse sich abspinnende kleine Liebesroman erscheinen . Ja selbst der von Scott mit großem Erfolg gebrauchte Kunstgriff , durch das geheimnißvolle Dunkel , darein er eine lockere Erfindung so lange als möglich zu hüllen weiß , die Neugier des Lesers in Spannung zu erhalten , dient nur dazu , bei endlich erfolgter Entwickelung um so mehr das Gefühl der Enttäuschung hervorzurufen , indem der lange genährten Erwartung statt einer wichtigen , weitgreifenden Katastrophe , zuletzt doch nichts dargeboten wird , als die Vereinigung eines halbwüchsigen Liebespärchens , an dem sich die großartigsten weltgeschichtlichen Bewegungen verkrümeln . - Unstreitig ist der unmittelbare und wesentliche Stoff des Romans überhaupt das Leben der Familie , wie denn dies in der Romanen-Literatur stets durch die That anerkannt worden ist . Wir erinnern nur an die älteren englischen Romane ; und selbst unsere verrufenen deutschen Familiengemälde sind nicht darum so geringhaltig , weil sie das Familienleben darstellen , sondern weil sie es in seiner größtmöglichsten Dürftigkeit auffassen , weil sie die Poesie darin suchen , es aus allem Zusammenhang mit allgemeinen Interessen herauszureißen , und seine ganze Energie auf die ungestörte Erhaltung einer isolirten Existenz hinzurichten ; daher denn auch Armuth bei ihnen ein so wichtiges tragisches Motiv ist , und dauerndes Familienglück hauptsächlich durch plötzlich hereinscheinenden Reichthum bewirkt wird . Ein würdiger Gegenstand für die Poesie ist aber die Familie erst , wenn sie der gemeinen Noth des Lebens durch günstige äußere Verhältnisse entrückt , zu keiner Verzichtleistung auf höheren und feineren Lebensgenuß gezwungen ist . Mannigfaltigere Interessen treten dann in ihr hervor , sie selbst öffnet sich dem , was die Welt bewegt , und ohne sich an das öffentliche Leben aufzugeben , nimmt sie doch dessen Wirkung in sich auf , und entwickelt erst so ein in Gesinnung , Karakter und Thatkraft innerlich reiches , wahrhaft sittliches Dasein . Wird nun die Familie in dieser Würde und Bedeutsamkeit Gegenstand dichterischer Produktion , so kann sie