Arnim , Bettina von Goethes Briefwechsel mit einem Kinde www.digitale-bibliothek.de / ebooks & nbsp ; Diese Datei wurde aus den Daten des Bandes DB125 : Deutsche Literatur von Luther bis Tucholsky mit der Software der Digitalen Bibliothek 5 erstellt und ist nur für den privaten Gebrauch des Nutzers der CD-ROM bzw. der DVD-ROM bestimmt . Bitte beachten Sie die Urheber- und Leistungsschutzrechte der Rechteinhaber der Daten . Bettina von Arnim Goethes Briefwechsel mit einem Kinde Seinem Denkmal Erster Teil Dem Fürsten Pückler Haben sie von deinen Fehlen Immer viel erzählt , Und fürwahr , sie zu erzählen Vielfach sich gequält . Hätten sie von deinem Guten Freundlich dir erzählt , Mit verständig treuen Winken Wie man Bess ' res wählt : O gewiß ! Das Allerbeste Blieb uns nicht verhehlt , Das fürwahr nur wenig Gäste In der Klause zählt . - ( Westöstlicher Divan Buch der Betrachtung ) Es ist kein Geschenk des Zufalls oder der Laune , was Ihnen hier dargebracht wird . Aus wohlüberlegten Gründen und mit freudigem Herzen biete ich Ihnen an , das Beste was ich zu geben vermag . Als Zeichen meines Dankes für das Vertrauen , was Sie mir schenken . Die Menge ist nicht dazu geeignet , die Wahrheit , sondern nur den Schein zu prüfen ; den geheimen Wegen einer tiefen Natur nachzuspüren , das Rätselhafte in ihr aufzulösen ist ihr versagt , sie spricht nur ihre Täuschungen aus , erzeugt hartnäckige Vorurteile gegen bessere Überzeugung und beraubt den Geist der Freiheit , das vom Gewöhnlichen Abweichende in seiner Eigentümlichkeit anzuerkennen . In solchen Verwirrungen waren auch meine Ansichten von Ihnen verstrickt , während Sie aus eigner Bewegung , jedes verkleinernde Urteil über mich abweisend , mir freundlich zutrauten : » Sie würden Herz und Geist durch mich bereichern können « , wie sehr hat mich dies beschämt ! - Die Einfachheit Ihrer Ansichten , Ihrer sich selbst beschauenden , selbstbildenden Natur , Ihr leiser Takt für fremde Stimmung , Ihr treffendes fertiges Sprachorgan ; sinnbildlich vieldeutig in melodischem Stil innere Betrachtung wie äußere Gegenstände darstellend , diese Naturkunst Ihres Geistes , alles hat mich vielfältig über Sie zurechtgewiesen und mich mit jenem höheren Geist in Ihnen bekannt gemacht , der so manche Ihrer Äußerungen idealisch parodiert . Einmal schrieben Sie mir : » Wer meinen Park sieht , der sieht in mein Herz . « - Es war im vorigen Jahr in der Mitte September , daß ich am frühen Morgen , wo eben die Sonne ihre Strahlen ausbreitete , in diesen Park eintrat ; es war große Stille in der ganzen Natur , reinliche Wege leiteten mich zwischen frischen Rasenplätzen , auf denen die einzelnen Blumenbüsche noch zu schlafen schienen ; bald kamen geschäftige Hände , ihrer zu pflegen , die Blätter , die der Morgenwind abgeschüttelt hatte , wurden gesammelt und die verwirrten Zweige geordnet ; ich ging noch weiter an verschiedenen Tagen und zu verschiedenen Stunden nach allen Richtungen , so weit ich kam , fand ich dieselbe Sorgfalt und eine friedliche Anmut , die sich über alles verbreitete . So entwickelt und pflegt der Liebende den Geist und die Schönheit des Geliebten , wie Sie hier ein anvertrautes Erbteil der Natur pflegen . Gern will ich glauben , daß dies der Spiegel Ihres tiefsten Herzens sei , da es so viel Schönes besagt ; gern will ich glauben , daß das einfache Vertrauen zu Ihnen nicht minder gepflegt und geschützt sei als jede einzelne Pflanze Ihres Parks . Dort hab ich Ihnen auch aus meinen Briefen und dem Tagebuch an Goethe vorgelesen , Sie haben gern zugehört ; ich gebe sie Ihnen jetzt hin , beschützen Sie diese Blätter wie jene Pflanzen , und so treten Sie abermals hier zwischen mich und das Vorurteil derer , die schon jetzt , noch eh sie es kennen , dies Buch als unecht verdammen und sich selbst um die Wahrheit betrügen . Lassen Sie uns einander gut gesinnt bleiben , was wir auch für Fehler und Verstoße in den Augen anderer haben mögen , die uns nicht in demselben Lichte sehen , wir wollen die Zuversicht zu einer höheren Idealität , die so weit alle zufällige Verschuldungen und Mißverständnisse und alle angenommene und herkömmliche Tugend überragt , nicht aufgeben . Wir wollen die mannigfaltigen edlen Veranlassungen , Bedeutungen und Interesse , verstanden und geliebt zu werden , nicht verleugnen , ob andre es auch nicht begreifen , so mag es ihnen ein Rätsel bleiben . Im August 1834 Bettina Arnim Vorrede Dies Buch ist für die Guten und nicht für die Bösen . Während ich beschäftigt war , diese Papiere für den Druck zu ordnen , hat man mich vielfältig bereden wollen , manches auszulassen oder anders zu wenden , weil es Anlaß geben könne zu Mißdeutungen . Ich merkte aber bald , man mag nur da guten Rat annehmen , wo er der eignen Neigung nicht widerspricht . Unter den vielen Ratgebern war nur einer , dessen Rat mir gefiel ; er sagte : » Dies Buch ist für die Guten und nicht für die Bösen ; nur böse Menschen können es übel ausdeuten , lassen Sie alles stehen , wie es ist , das gibt dem Buch seinen Wert , und Ihnen kann man auch nur Dank wissen , daß Sie das Zutrauen haben , man werde nicht mißdeuten , was der gute Mensch nie mißverstehen kann . « - Dieser Rat leuchtete mir ein , er kam von dem Faktor der Buchdruckerei von Trowitzsch und Sohn , Herrn Klein , derselbe , der mir Druck und Papier besorgte , Orthographiefehler korrigierte , Komma und Punkt zurechtrückte und bei meinem wenigen Verstand in diesen Sachen viel Geduld bewies . Diese seine ausgesprochne Meinung bestärkte mich darin , daß ich den bösen Propheten und den ängstlichen Ansichten der Ratgebenden nicht nachgab . Wie auch der Erfolg dieses Rates ausfallen mag , ich freue mich seiner , da er unbezweifelt von den Guten als der edelste anerkannt wird ,