Hoffmann , E. T. A. Lebensansichten des Katers Murr www.digitale-bibliothek.de / ebooks & nbsp ; Diese Datei wurde aus den Daten des Bandes DB125 : Deutsche Literatur von Luther bis Tucholsky mit der Software der Digitalen Bibliothek 5 erstellt und ist nur für den privaten Gebrauch des Nutzers der CD-ROM bzw. der DVD-ROM bestimmt . Bitte beachten Sie die Urheber- und Leistungsschutzrechte der Rechteinhaber der Daten . E. T. A. Hoffmann Lebensansichten des Katers Murr nebst fragmentarischer Biographie des Kapellmeisters Johannes Kreisler in zufälligen Makulaturblättern Erster Band Vorwort des Herausgebers1 Keinem Buche ist ein Vorwort nötiger , als gegenwärtigem , da es , wird nicht erklärt , auf welche wunderliche Weise es sich zusammengefügt hat , als ein zusammengewürfeltes Durcheinander erscheinen dürfte . Daher bittet der Herausgeber den günstigen Leser , wirklich zu lesen , nämlich dies Vorwort . Besagter Herausgeber hat einen Freund , mit dem er ein Herz und eine Seele ist , den er ebenso gut kennt , als sich selbst . Dieser Freund sprach eines Tages zu ihm ungefähr also : » Da du , mein Guter , schon manches Buch hast drucken lassen und dich auf Verleger verstehst , wird es dir ein leichtes sein , irgendeinen von diesen wackern Herren aufzufinden , der auf deine Empfehlung etwas druckt , was ein junger Autor von dem glänzendsten Talent , von den vortrefflichsten Gaben vorher aufschrieb . Nimm dich des Mannes an , er verdient es . « Der Herausgeber versprach , sein Bestes zu tun für den schriftstellerischen Kollegen . Etwas verwunderlich wollt ' es ihm nun wohl bedünken , als sein Freund ihm gestand , daß das Manuskript von einem Kater , Murr geheißen , herrühre und dessen Lebensansichten enthalte ; das Wort war jedoch gegeben , und da der Eingang der Historie ihm ziemlich gut stilisiert schien , so lief er sofort , mit dem Manuskript in der Tasche , zu dem Herrn Dümmler Unter den Linden und proponierte ihm den Verlag des Katerbuchs . Herr Dümmler meinte , bis jetzt habe er zwar nicht unter seinen Autoren einen Kater gehabt , wisse auch nicht , daß irgendeiner seiner werten Kollegen mit einem Mann des Schlages bis jetzt sich eingelassen , indessen wolle er den Versuch wohl machen . Der Druck begann , und dem Herausgeber kamen die ersten Aushängebogen zu Gesicht . Wie erschrak er aber , als er gewahrte , daß Murrs Geschichte hin und wieder abbricht und dann fremde Einschiebsel vorkommen , die einem andern Buch , die Biographie des Kapellmeisters Johannes Kreisler enthaltend , angehören . Nach sorgfältiger Nachforschung und Erkundigung erfuhr der Herausgeber endlich folgendes . Als der Kater Murr seine Lebensansichten schrieb , zerriß er ohne Umstände ein gedrucktes Buch , das er bei seinem Herrn vorfand , und verbrauchte die Blätter harmlos teils zur Unterlage , teils zum Löschen . Diese Blätter blieben im Manuskript und - wurden , als zu demselben gehörig , aus Versehen mit abgedruckt ! De- und wehmütig muß nun der Herausgeber gestehen , daß das verworrene Gemisch fremdartiger Stoffe durcheinander lediglich durch seinen Leichtsinn veranlaßt , da er das Manuskript des Katers hätte genau durchgehen sollen , ehe er es zum Druck beförderte , indessen ist noch einiger Trost für ihn vorhanden . Fürs erste wird der geneigte Leser sich leicht aus der Sache finden können , wenn er die eingeklammerten Bemerkungen , Mak . Bl . ( Makulatur-Blatt ) und M. f. f. ( Murr fährt fort ) gütigst beachten will , dann ist aber das zerrissene Buch höchst wahrscheinlich gar nicht in den Buchhandel gekommen , da niemand auch nur das mindeste davon weiß . Den Freunden des Kapellmeisters wenigstens wird es daher angenehm sein , daß sie durch den literarischen Vandalismus des Katers zu einigen Nachrichten über die sehr seltsamen Lebensumstände jenes in seiner Art nicht unmerkwürdigen Mannes kommen . Der Herausgeber hofft auf gütige Verzeihung . Wahr ist es endlich , daß Autoren ihre kühnsten Gedanken , die außerordentlichsten Wendungen oft ihren gütigen Setzern verdanken , die dem Aufschwunge der Ideen nachhelfen durch sogenannte Druckfehler . So sprach z.B. der Herausgeber im zweiten Teile seiner » Nachtstücke « Pag . 326 von geräumigen Bosketts , die in einem Garten befindlich . Das war dem Setzer nicht genial genug , er setzte daher das Wörtlein Bosketts um in das Wörtlein Kasketts . So läßt in der Erzählung » das Fräulein Scuderi2 « der Setzer pfiffigerweise besagtes Fräulein statt in einer schwarzen Robe , in einer schwarzen Farbe von schwerem Seidenzeug erscheinen u.s.w. Jedem jedoch das Seine ! Weder der Kater Murr , noch der unbekannte Biograph des Kapellmeisters Kreisler soll sich mit fremden Federn schmücken , und der Herausgeber bittet daher den günstigen Leser dringend , bevor er das Werklein liest , nachfolgende Änderungen zu veranstalten , damit er von beiden Autoren nicht besser oder schlechter denke , als sie es verdienen . Übrigens werden nur die Haupterrata bemerkt , geringere dagegen der Diskretion des gütigen Lesers überlassen . ( Es folgt die Angabe einer Reihe von Druckfehlern . ) Schließlich darf der Herausgeber versichern , daß er den Kater Murr persönlich kennen gelernt und in ihm einen Mann von angenehmen milden Sitten gefunden hat . Er ist auf dem Umschlage dieses Buchs frappant getroffen . Berlin , im November 1819 E. T. A. Hoffmann Vorrede des Autors Schüchtern - mit bebender Brust , übergebe ich der Welt einige Blätter des Lebens , des Leidens , der Hoffnung , der Sehnsucht , die in süßen Stunden der Muße , der dichterischen Begeisterung meinem innersten Wesen entströmten . Werde , kann ich bestehen vor dem strengen Richterstuhl der Kritik ? Doch ihr seid es , ihr fühlenden Seelen , ihr rein kindlichen Gemüter , ihr mir verwandten treuen Herzen , ja , ihr seid es , für die ich schrieb , und eine einzige schöne Träne in eurem Auge wird mich trösten , wird die Wunde heilen , die der kalte Tadel unempfindlicher Rezensenten mir schlug ! Berlin ,